Neue Umfrage Deutsche legen D-Mark-Nostalgie ab

Die Deutschen legen allmählich ihre Euro-Skepsis ab. Laut einer Umfrage wollen fast 70 Prozent die Gemeinschaftswährung behalten - trotz der Wirtschaftskrise in Südeuropa. Noch 2011 hatte sich gut die Hälfte der Bundesbürger nach der D-Mark zurückgesehnt.
Logo der Europäischen Zentralbank: 69 Prozent der Deutschen wollen den Euro

Logo der Europäischen Zentralbank: 69 Prozent der Deutschen wollen den Euro

Foto: Boris Roessler/ dpa

Düsseldorf - Gut elf Jahre nach der Einführung des Euro   haben die Deutschen ihren Frieden mit der Einheitswährung gemacht. 69 Prozent der Bundesbürger wollen das neue Geld behalten. Das geht aus einer Umfrage des Forsa-Instituts für das "Handelsblatt"  hervor.

Nur 27 Prozent wollen demnach zurück zur D-Mark - ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Noch im Jahr 2011 hatte mehr als jeder zweite Deutsche die Gemeinschaftswährung abgelehnt.

Die Deutschen, sehr lange sehr skeptisch gegenüber der Gemeinschaftswährung, scheinen sich in Euro-Befürworter zu verwandeln - und das trotz der Umwälzungen in Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und Zypern. "Die für viele nicht durchschaubare Euro-Krise ängstigt die Deutschen zwar", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. "Die Einstellung zum Euro als Währungseinheit wird davon aber nicht mehr berührt."

Das "Handelsblatt" bezeichnet die Forsa-Umfrage als repräsentativ, dennoch ist sie erst einmal nur eine Momentaufnahme. Ob der darin angezeigte Stimmungswandel tatsächlich ein langfristiger Trend ist, muss sich erst noch zeigen. Mitte März hatte eine weitere Forsa-Erhebung ähnliche Werte ergeben : dass sich 33 Prozent der Deutschen die D-Mark zurücksehnen.

Grüne sind größere Euro-Fans als Liberale

Generell gilt: je höher das Nettoeinkommen, desto größer die Akzeptanz. Bei Nettoeinkommen ab 3000 Euro steigt die Zahl der Euro-Befürworter demnach auf 79 Prozent. Von den Anhängern der Grünen sprechen sich 88 Prozent für den Euro aus, gefolgt von FDP-Wählern mit 83 Prozent und Anhängern der Union mit 75 Prozent.

Der Euro war am 1. Januar 1999 als Buchgeld und am 1. Januar 2002 als Bargeld in Deutschland eingeführt worden. Viele Bundesbürger hatten noch sehr lange danach die D-Mark vermisst - und teils zurückgefordert. Die D-Mark war 1948 eingeführt worden, kurz nach dem Krieg. Gerade für die Westdeutschen war sie jahrzehntelang identitätsstiftend gewesen. Die Bundesbank hatte sie zum Inbegriff deutscher Stabilitätskultur stilisiert.

Inzwischen sehen viele Bundesbürger auch die Vorteile der Gemeinschaftswährung. Die größte Volkswirtschaft des Kontinents, die bei der Einführung des Euro noch als "kranker Mann Europas" galt, zeigt sich so robust wie lange nicht.

Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,2 Prozent; im Schnitt der Euro-Zone ohne Deutschland ist die Quote mehr als doppelt so hoch. Während Länder wie Spanien, Italien und Portugal 2013 in der Rezession verharren und Frankreichs Wirtschaft stagniert, erwartet die EU-Kommission für Deutschland ein Plus von 0,5 Prozent und 2014 ein Wachstum von zwei Prozent.

ssu
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