Teilenteignung von Sparern Griechenland fürchtet Zypern-Schock

In Zypern wächst der Widerstand gegen die Teilenteignung der Sparer, die Querelen sorgen auch in Griechenland für Unruhe. Die Ökonomien beider Staaten sind eng verflochten. Gegenüber SPIEGEL ONLINE gibt sich Premier Samaras gelassen. Doch ein Scheitern des Rettungsprogramms wäre für Athen ein Desaster.
Teilenteignung von Sparern: Griechenland fürchtet Zypern-Schock

Teilenteignung von Sparern: Griechenland fürchtet Zypern-Schock

Foto: AP/ DPA

Thessaloniki/Hamburg - Die Zypern-Rettung wird zur Zitterpartie. Die Regierung in Nikosia verschob eine für Sonntag geplante Sondersitzung des Parlaments zur Ratifizierung des Rettungspakets auf Montag. Umstritten ist vor allem die beschlossene Zwangsabgabe für sämtliche Kunden zyprischer Banken, mit der das Rettungspaket unterstützt werden soll.

Mit den zunehmenden Turbulenzen in der von der Pleite bedrohten Inselrepublik wächst die Sorge in einem anderen europäischen Krisenstaat: In Griechenland - auch wenn die Regierung in Athen sich demonstrativ gelassen gibt. In einer ersten Reaktion auf die Zypern-Beschlüsse der Euro-Gruppe zeigte sich Griechenlands Premierminister Antonis Samaras gegenüber SPIEGEL ONLINE gelassen. Die Beschlüsse bereiteten Griechenland keine Sorge. "Ich bin absolut sicher, dass das griechische Finanzsystem nicht gefährdet ist", sagte Samaras am Sonntag am Rande einer Veranstaltung in Thessaloniki. Dort gedachte die jüdische Gemeinde der ersten Deportationen aus der Stadt in Richtung Auschwitz vor 70 Jahren.

Hintergrund für Samaras Äußerungen: Mit den Brüsseler Beschlüssen, einen Teil der Bankguthaben auf Zypern zu enteignen, ist auch die Furcht vor einer neuen Kapitalflucht aus Griechenland gestiegen. Zwar hat die Euro-Gruppe versichert, die Enteignung auf Zypern werde ein einmaliger Vorgang bleiben. Doch ob die griechischen Sparer diese Botschaft glauben oder ob sie befürchten, auch griechische Bankguthaben könnten früher oder später herangezogen werden, wird sich am Dienstag zeigen.

Denn dann öffnen in Griechenland wie auch auf Zypern zum ersten Mal seit den Brüsseler Sparbeschlüssen von Samstag wieder die Bankschalter. Der Montag ist in beiden Ländern ein Feiertag. Schlimmstenfalls könnte es in Griechenland zu einem Massenansturm verängstigter Sparer kommen, die ihre Ersparnisse abzuheben versuchen.

Ähnliches könnte in anderen Euro-Krisenstaaten drohen. Die spanische Zentralbank etwa sah sich bereits am Sonnabend zu einer Stellungnahme genötigt, in der sie mitteilte: Es gebe keine Anzeichen für eine Kapitalflucht aus Spanien infolge der Zypern-Beschlüsse. "Soweit ich es überblicken kann, arbeitet das spanische Banksystem unter absolut normalen Bedingungen", sagte ein Bankensprecher.

Furcht vor dem Euro-Aus Zyperns

Die Furcht vor einem Bank-Run ist nicht die einzige Problem, das Athen an diesem Wochenende umtreibt. Wie SPIEGEL ONLINE aus griechischen Regierungskreisen erfuhr, macht man sich in Athen große Sorgen für den Fall, dass das zyprische Parlament den Brüsseler Rettungsplan ablehnt. Den Kreisen zufolge wäre dies für die griechische Regierung gleichbedeutend mit dem Ausscheiden Zyperns aus der Euro-Zone. Die zyprische Regierung hat im Parlament eine Mehrheit von nur einer Stimme, und die Opposition des Landes hat bereist angekündigt, das Rettungspaket abzulehnen.

Eine Euro-Aus für Zypern könnte ohnehin maroden griechischen Banksystem einen weiteren schweren Schlag versetzen könnte. Die griechischen und die zyprische Finanzbranchen sind eng verflochten. So suchen das griechische Finanzministerium und die griechische Zentralbank fieberhaft nach einem Käufer für die gut 300 Filialen, die zyprischen Banken in Griechenland unterhalten.

Das Ziel: Die Konten griechischer Bürger, die in diesen Filialen geführt werden, sollen vom Enteignungsbeschluss ausgenommen werden. Auf den Konten dieser Filialen liegen Guthaben von rund 14 Milliarden Euro. Als wahrscheinlichster Käufer wird aus Regierungskreisen die griechische Postbank genannt.

Mit Material von Reuters