Euro-Rettung IWF-Chefin Lagarde verteidigt EZB-Programm

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank gegen Kritik in Schutz genommen: Das Eingreifen der EZB habe die Lage in der Euro-Zone stabilisiert, sagte Lagarde der "Süddeutschen Zeitung".

IWF-Chefin Lagarde: Ungewöhnliche Umstände, ungewöhnliche Maßnahmen
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IWF-Chefin Lagarde: Ungewöhnliche Umstände, ungewöhnliche Maßnahmen


München - In Karlsruhe verhandelt das Bundesverfassungsgericht über das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) - und muss sich gegen viele gute Ratschläge aus der Politik wehren. Nun hat sich auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, in der "Süddeutschen Zeitung" dazu geäußert und das Anleihekaufprogramm OMT verteidigt.

Erst das Eingreifen der EZB habe die Lage in der Währungsunion stabilisiert und mögliche Staatsbankrotte verhindert, sagte Lagarde der Zeitung. Ohne die Zusage von EZB-Chef Mario Draghi, notfalls unbegrenzt Anleihen krisengeschwächter Euro-Länder zu kaufen, "gäbe es heute in der ganzen Euro-Zone wirtschaftliche Stagnation, höhere Arbeitslosigkeit und noch mehr soziale Spannungen". Die Ankündigung des OMT-Programms sei "der Wendepunkt" gewesen.

Lagarde wollte sich nicht direkt zu dem gegenwärtigen Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht äußern. Auf die Frage, ob das Karlsruher Urteil die Bemühungen der Staatengemeinschaft um eine Stabilisierung der Euro-Zone zunichte machen könnte, antwortete sie: "Ungewöhnliche Umstände erfordern ungewöhnliche Maßnahmen." In der immer noch schwelenden globalen Wirtschafts- und Finanzkrise sei es vor allem "der Mut der Geldpolitik, der den Weg zur Erholung ebnet". Das Vorgehen der Notenbanken berge zwar Risiken, etwa eine Inflation, diese seien aber beherrschbar.

Noch Mitte 2012, als die Anleihezinsen für Länder wie Italien und Spanien Rekordwerte erreicht hatten, habe die Gefahr bestanden, dass die Euro-Zone auseinanderbreche, sagte die IWF-Chefin. Damals hätten selbst die traditionellen Mittel der Geldpolitik wie etwa Leitzinssenkungen keine Wirkung mehr gezeigt. "Die Entscheidung der EZB, in die Bresche zu springen, änderte alles", so Lagarde. "Das OMT-Programm verhinderte eine Katastrophe und half dabei, dass die Geldpolitik wieder effektiver wurde." Heute seien die Anleihezinsen auf dem niedrigsten Stand seit 2010, die Kapitalflucht aus den südeuropäischen Ländern sei gestoppt und beginne sich sogar in ihr Gegenteil zu verkehren.

Gleichwohl sei völlig klar, dass die Notenbanken nicht in der Lage seien, die eigentlichen Probleme im Bereich der Haushaltssanierung, der Stärkung des Bankensektors und der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu lösen. Sie könnten lediglich für ein Zeitpolster sorgen, das die Politik für die Umsetzung nötiger Strukturreformen nutzen müsse. Sobald die Krise überwunden sei, müsse sich auch die Geldpolitik wieder ändern.

"Dieser Tag ist aber noch nicht gekommen", sagte die IWF-Chefin. Ganz im Gegenteil könne ein verfrühter Ausstieg das gewonnene Vertrauen wieder zerstören. Hochverschuldete Länder müssten dann wieder mit dem Risiko kämpfen, unter Umständen aus der Währungsunion austreten zu müssen. "Ich glaube, wenn die Geschichte unserer Zeit einmal geschrieben wird, werden die Menschen das Vorgehen der Notenbanken - allen voran der EZB - als entscheidenden Schritt zur Überwindung der Krise bewerten."

nck/dpa

insgesamt 25 Beiträge
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Nörgelkopf1 12.06.2013
1. IWF-Chefin Lagarde soll sich zurückhalten.
Gerade diese Frau mit ihrem Hintergrund hat keinen Grund sich über unser Bundesgericht Gedanken zu machen. Die Fälschungen der griechischen Statistiken über Erfolge und Misserfolge aus ihren Kreisen haben ihr das Recht genommen. Es ist allerdings ein Trauerspiel, dass unsere Politiker über Gerichte auf- geklärt werden müssen, was unser Grundgesetz und Verfassungen aussagt. Frau Merkel ist fast entschuldigt, weil mit dem DDR System vorbelastet, Herr Schäuble wegen seiner Gedächtnislücken. Was haben wir für Spitzenleute?
stopfiatmoney 12.06.2013
2.
Zitat von Nörgelkopf1Gerade diese Frau mit ihrem Hintergrund hat keinen Grund sich über unser Bundesgericht Gedanken zu machen. Die Fälschungen der griechischen Statistiken über Erfolge und Misserfolge aus ihren Kreisen haben ihr das Recht genommen. Es ist allerdings ein Trauerspiel, dass unsere Politiker über Gerichte auf- geklärt werden müssen, was unser Grundgesetz und Verfassungen aussagt. Frau Merkel ist fast entschuldigt, weil mit dem DDR System vorbelastet, Herr Schäuble wegen seiner Gedächtnislücken. Was haben wir für Spitzenleute?
Wissen Sie, wie gut die Dame seit Jahren mit Hank Paulson (Ex-Goldman Sachs) befreundet ist? Die beiden haben intensiv 2008 bei den gigantischen Banksubventionen auf Kosten des Steuerzahlers kooperiert. Nehmen Sie es mit Humor... die Politik der Bankenrettung wird halt von ökonomischen Volltrotteln und unmittelbaren Lobbyisten vertreten. Bis zum Schluss. Und die Wähler wählen diese Typen immer noch weiter, weil sie die Zusammenhänge nicht begreifen.
fatherted98 12.06.2013
3. jaja....
"Das Eingreifen der EZB habe die Lage in der Euro-Zone stabilisiert"...aber zu welchem Preis für uns...noch merken wir es nicht...aber wenn die Bürgschaften mal gezogen werden...wenn das Geld verbrannt ist...wenn der Euro nur noch einen Dreck Wert ist....dann ist Frau Lagarde nicht mehr greifbar und zuckt mit den Schultern...und die..da können wir sicher sein...läßt es sich gut gehen.
idealist100 12.06.2013
4. Ich wäre
Zitat von sysopAFPDie Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, hat das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank gegen Kritik in Schutz genommen: Das Eingreifen der EZB habe die Lage in der Euro-Zone stabilisiert, sagte Lagarde der "Süddeutschen Zeitung". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-rettung-iwf-chefin-lagarde-verteidigt-ezb-programm-a-905259.html
Ich wäre auch für alles mögliche, wenn es mir persönlich nicht an die Geldbörse gehen würde. Aber bei der €uro Rettung geht es mir schon seit 2008 an die Geldbörse und von 2000 an an mein monatliches Einkommen.
Das Auge des Betrachters 12.06.2013
5. Zunächst
Zunächst ist die Madame mal froh, dass der IWF nichts machen muss, wo die EZB handelt. Zum zweiten hat sie recht mit der Behauptung, der Eingriff habe die € Zone stabilisiert. Aber, zu welchem Preis und wie lange? Der Preis für die Deutschen: Sie werden ihren kompletten spärlichen Wohlstand verlieren, die Altersversorgung einbüßen, die Ersparnisse gehen futsch, Immobilien haben die meisten nicht. Wir bleiben ein Volk der Mietzahler und highend Nebenkosten Belasteter ohne Vermögen und mit sinkenden Einkommen, bei miesester Life-Balance. Der Preis für die € Zone: Die Stabilisierung ist temporär und wird sich in einem weit größerem Chaos ergießen. Alle die hätten helfen können, die Nordeuropäer werden dann über die Mithaftung längst in den Strudel gerissen sein, aus dem es kein entrinnen gibt. Es gibt da einen weisen Spruch der lautet: Nur wer für sich selbst gesorgt hat, kann auch für andere da sein. Wie sieht die Zukunft aus? Während die Deutschen ohne eigenen Land-und Immobilienbesitz, bei hohen Mieten und Nebenkosten, nebst Regen und Kälte in Verbindlichkeiten untergehen, werden in Südeuropa die Menschen bei gleicher Armut vor den eigenen Häusern sitzen, im Garten etwas zu essen anbauen und im Winter ob der angenehmeren Temparaturen wenig Energie benötigen. Einzig die, die das alles angerichtet haben, Leute wie Asmussen werden im steigenden Luxus leben, in gated Communitys (der Zaun ums Parlament steht schon, der um den Tiergarten wird folgen) und es sich gut gehen lassen.
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