Euro-Rettungsfonds-Chef Regling "Italien läuft die Zeit davon"

Noch vor Jahresende wollen die Euro-Länder den Rettungsschirm finanziell stärken - der EFSF soll für Notfälle gerüstet werden. Der Fonds stehe bereit, um Italien zu helfen, sagte sein Chef Klaus Regling der "Süddeutschen Zeitung". Dem Land laufe die Zeit davon.

EFSF-Chef Klaus Regling: "Wir sind bereit"
AFP

EFSF-Chef Klaus Regling: "Wir sind bereit"


Luxemburg/München - Der Euro-Rettungsfonds EFSF wird schon in Kürze schlagkräftiger. Der EFSF werde noch im Dezember neue, kurzfristig laufende Anleihen verkaufen, um sich für Notfälle zu wappnen, sagte Fonds-Chef Klaus Regling der "Süddeutschen Zeitung". Die Schuldscheine sollen über drei, sechs oder zwölf Monate laufen. "Mit kurzfristigen Anleihen können wir viel Geld aufnehmen", sagte Regling.

Mit den Anleihenverkäufen will der Euro-Rettungsfonds eine Art Liquiditätspuffer aufbauen, der wiederum genutzt werden soll, um schnell in Märkte eingreifen und etwa Staatsanleihen klammer Länder aufkaufen oder Banken rekapitalisieren zu können.

Der Fonds sei außerdem bereit, Italien zu helfen: "Italien läuft die Zeit davon, um die Märkte zu beruhigen", warnte er Regling. "Wenn ein Land kommt und sagt, es braucht sofort Hilfe, dann sind wir bereit." Um helfen zu können, müsse Rom einen entsprechenden Antrag an die Euro-Gruppe stellen. Stimmten die Euro-Länder und auch die Europäische Zentralbank zu, stünden verschiedene Instrumente bereit. Alle Hilfen seien an Spar- und Reformauflagen gebunden. Der EFSF könne derzeit noch 250 bis 300 Milliarden Euro an Krediten vergeben.

Der EFSF-Chef wies Aussagen zurück, wonach das Interesse der Investoren an EFSF-Papieren grundsätzlich nachgelassen habe. Dass die jüngste Anleihe des Fonds nicht so stark nachgefragt war wie etwa die Papiere, die Anfang des Jahres ausgegeben wurden, habe am "schwierigen Umfeld" gelegen: "Die Märkte hassen Unsicherheiten und in Europa gab es in den letzten Wochen zu viel davon."

Der größte Teil der am vergangenen Montag ausgegebenen Anleihe, insgesamt 15 Prozent, wurde von deutschen Rentenfonds, Versicherungen und Banken gekauft. "Deutschland ist eine sehr wichtige Basis für uns", sagte Regling. Zweitgrößter Einzelinvestor war Japan. Die nächste Anleihe will der EFSF voraussichtlich Ende Dezember begeben.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick hat den Europäern unterdessen angesichts der Euro-Krise ins Gewissen geredet und sie vor halbherzigen Lösungen gewarnt. "Die Zeit sich durchzuwursteln ist vorbei", sagte Zoellick in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des Magazins "The International Economy". Die wirkliche Frage, mit der die Europäer es zu tun hätten, sei die Entscheidung über die Zukunft des europäischen Wirtschaftssystems. "Das derzeitige System lässt sich nicht aufrechterhalten", sagte Zoellick.

Dabei habe die Eurozone die Wahl zwischen zwei Wegen. Der eine sei die Schaffung einer politischen und Finanzunion als Ergänzung zur Währungsunion. Der zweite Weg sei eine Absage an eine Finanzunion, so Zoellick weiter. Aber dann müsse Europa Konsequenzen im Umgang mit einigen Staaten ziehen, die zu hoch verschuldet oder die nicht wettbewerbsfähig seien.

lgr/dpa/dapd

insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
unterländer 11.11.2011
1. !
Zitat von sysopNoch vor Jahresende wollen die Euro-Länder den Rettungsschirm finanziell stärken - der EFSF soll für Notfälle gerüstet werden. Laut seinem Chef Klaus Regling stehe der Fonds bereit, um Italien zu helfen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Dem Land laufe die Zeit davon. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797110,00.html
Sicherlich hat fast jeder schon einmal einen Film gesehen, in dem ein Darsteller einen dunklen Flur entlangschleicht, immer wieder innehält und lauscht und letztlich vor einer verschlossenen Tür stehen bleibt, unschlüssig ob er sie öffnen soll. Innerlich ruft man ihm zu: "Lass es! Dreh um und renn weg!", weil man weiß, dass sich dahinter das Grauen verbirgt. Genau so geht es mir, wenn ich Berichte über den EFSF lese. Jeder weiß, dass dahinter ein Abgrund lauert, der auch die Letzten, vermutlich A, NL und D aufsaugen wird, während sich die Nutznießer wie IRL, GR und I mit dem Geld der Verbliebenen bereits auf den Reset vorbereitet haben.
joppo 11.11.2011
2. 140 miljarden
Jedes jahr 140 miljarden kriminel schwarzgeld in Italien!
Bezahler 11.11.2011
3. Aus,vorbei,Ende
Zitat von sysopNoch vor Jahresende wollen die Euro-Länder den Rettungsschirm finanziell stärken - der EFSF soll für Notfälle gerüstet werden. Laut seinem Chef Klaus Regling stehe der Fonds bereit, um Italien zu helfen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Dem Land laufe die Zeit davon. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797110,00.html
Eines sagt uns dieses ganzen Rettungsschirmgebastel. Das wird doch nicht`s mehr. Deutschland sollte sich sofort abkoppeln.Auch mit dem Risiko einer deutlichen Aufwertung.Sollen wir uns jetzt doch auch noch von den Italienern ausnehmen lassen?Wenn die auch Pleite sind ,dann sollen die auch Pleite machen. Sollen wir die alle wirklich auf der Intensivstation halten,bis auch unsere Mittel erschöpft sind um dann alle gemeinsam unterzugehen.Wir können wählen zwischen 10 Jahre Siechtum oder 2 Jahre Kriesis. Lieber ein Ende mir Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! In 2 Jahren könnten wir vermutlich schon wieder die ersten mediteranen Gastarbeiter zu uns nehmen. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
matt_us, 11.11.2011
4. 3 monatige Anleihen
Damit kann man kurzfristig viel Geld aufnehmen. - Mit anderen Worten. Langfristig kann man kein Geld aufnehmen. Den EFSF sofort schliessen - denn wenn das so ist, bringt das soundso nichts. Regling entlassen, und wieder zurueck in den Hedgefond schicken wo er hergekommen ist. Dann kann er dort weiter Special Purpose Vehicles basteln, aber bitte nicht mit der Bonitaet der EU Staaten. Das ist alles nur Geldschinderei fuer Investment Bankster, der EFSF. Es hilft nur noch eins: Die EZB muss ran.
Bezahler 11.11.2011
5. Year,nicht nur Regling
Zitat von matt_usDamit kann man kurzfristig viel Geld aufnehmen. - Mit anderen Worten. Langfristig kann man kein Geld aufnehmen. Den EFSF sofort schliessen - denn wenn das so ist, bringt das soundso nichts. Regling entlassen, und wieder zurueck in den Hedgefond schicken wo er hergekommen ist. Dann kann er dort weiter Special Purpose Vehicles basteln, aber bitte nicht mit der Bonitaet der EU Staaten. Das ist alles nur Geldschinderei fuer Investment Bankster, der EFSF. Es hilft nur noch eins: Die EZB muss ran.
Die ganze EU Mespoce gehört nach Hause geschickt. Sollen sich ne vernünftige Arbeit suchen.Was Pleite ist muß Pleite sein.Der ESFS ist nur dazu vorgesehen alle gleichschlecht zu stellen.Wenn eine Fa. Pleite geht stehen am Ende auch nicht nur die faulen,sondern alle auf der Straße.Soweit kann Solidarität nicht gehen.Nicht bis zur Selbstzerstörung. Hoffe unsere Fr Merkel hat schon die Reißleine in der Hand. Das gerade erneuerte Versprechen bezüglich unserer privaten Sparguthaben läßt darauf schließen.Es ist wohl nicht mehr anzunehmen,das die Eurozone in der jetzigen Form dieses Jahr überlebt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.