Euro-Rettungsschirm Griechen fordern spanische Spar-Konditionen

100-Milliarden-Kapitalspritze für die maroden Banken: Spaniens Regierung geht davon aus, dass das Land dafür nur geringe Auflagen erfüllen muss. Zwar sieht das die EU ganz anders - doch die Spanien-Hilfen bringen die Griechen auf den Plan: Sie fordern eine Neuverhandlung des eigenen Rettungspakets.
Griechisches Parlament in Athen: Neuverhandlung der Sparauflagen

Griechisches Parlament in Athen: Neuverhandlung der Sparauflagen

Foto: ANDREAS SOLARO/ AFP

Athen - Spanien wird nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen, sondern lediglich Finanzhilfen für seine Banken beantragen - so jedenfalls sieht es die Regierung in Madrid und dementsprechend will sie auch keine strengen Auflagen erfüllen. Zwar sieht die EU das ganz anders - die Griechen haben aber aufmerksam zugehört und fordern jetzt neue Verhandlungen für das eigene Milliardenpaket.

Der von den Spaniern ausgehandelte Deal beweise, dass der im Gegenzug für Hilfen verordnete Sparkurs erfolglos sei, sagte am Montag ein Sprecher des Linksbündnisses Syriza, das die Reformauflagen grundsätzlich ablehnt. "Die Debatte in Europa schafft für Griechenland und die Euro-Zone neue Perspektiven." Ähnlich äußerte sich der Chef der konservativen Partei Nea Demokratia, Antonis Samaras: Das Vorgehen der Regierung in Madrid zeige, dass Griechenland von Verhandlungen mehr erwarten könne, als einen Bruch mit den Geldgebern.

Spanien hat am Wochenende angekündigt, als viertes Land nach Griechenland, Irland und Portugal bei seinen Euro-Partnern Finanzhilfen zu beantragen. Allerdings will die Regierung in Madrid nur Kredite für seinen Bankensektor haben und damit strenge Auflagen seiner Geldgeber für das gesamte Land umgehen.

Mehrheit der Griechen für Festhalten am Euro

Eine überwältigende Mehrheit der Griechen ist für einen Verbleib des Landes im Euro-Raum, lehnt aber die harten Spar- und Reformauflagen ab, die die internationalen Geldgeber verpflichtend an die Unterstützung geknüpft haben.

Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos sieht in den Hilfsbedingungen für Spanien einen Beleg dafür, dass sich die Euro-Zone auf einen Ausschluss Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft vorbereite, sollte Syriza die Parlamentswahl am kommenden Sonntag gewinnen. "Sie arbeiten an einem Brandwall, um für alles bereit zu sein, was in Griechenland passieren könnte", sagte Venizelos. In Griechenland muss neu gewählt werden, nachdem die Parteien es nach der vorigen Wahl Anfang Mai nicht schafften, eine Regierung zu bilden. Die Wahl gilt auch als Abstimmung über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone und die Zukunft des 130 Milliarden Euro schweren internationalen Rettungsprogramms.

In EU-Kreisen wird bereits darüber gesprochen, ob im Falle eines griechischen Austritts aus dem Euro eine Obergrenze für Abhebungen an Geldautomaten eingeführt und Kapitalkontrollen an den Grenzen eingesetzt werden sollen.

Spanien-Hilfen verpuffen an den Märkten

Trotz der grundsätzlichen Einigung auf Milliarden-Hilfen für die spanischen Banken bleiben die Märkte skeptisch. Den kräftigen Kursgewinnen zu Handelsbeginn folgte Ernüchterung: Die Erleichterung am Anleihemarkt, der als Krisenindikator gilt, war nur von kurzer Dauer, die Zinsen, die Spanien Investoren für frisches Geld bieten muss, stiegen nach anfänglicher Erholung wieder deutlich an.

Zwar legten die Aktienmärkte weltweit zunächst zu: Der deutsche Leitindex Dax   stieg zum Start in die neue Handelswoche zwischenzeitlich um bis zu zweieinhalb Prozent, gab bis zum Abend allerdings die Gewinne fast vollständig wieder ab und schloss mit einem mageren Plus von 0,17 Prozent bei 6141 Punkten. Der EuroStoxx 50  ging sogar mit einem Minus von 0,35 Prozent aus dem Handel - der Cac 40 in Paris verlor 0,29 Prozent und der Londoner FTSE 100   gab um 0,05 Prozent nach.

Auch die US-Börsen ließen sich beeinflussen: In New York zeigte sich der Dow Jones  zum europäischen Handelsschluss 0,22 Prozent tiefer. Auch der Euro-Kurs konnte nur vorübergehend profitieren, ebenso wie die Aktien von Banken, die teilweise um zweistellige Prozentzahlen zulegten - um nahezu unverändert aus dem Handel zu gehen.

Fitch stuft spanische Banken herab

Die spanischen Banken Banco Santander   und BBVA   mussten zudem einen weiteren Schlag hinnehmen: Die Rating-Agentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit beider Häuser am Montag von "A" auf "BBB+" herunter. Der Ausblick sei sowohl für Santander als auch für BBVA negativ. Die Herabstufung steht in direktem Zusammenhang mit der Abstufung Spaniens in der vergangenen Woche. Grund für die Herabstufung des krisengeschüttelten Landes waren die hohen Kosten für die Sanierung des maroden Bankensektors und die schwachen Aussichten für die spanische Wirtschaft.

nck/Reuters/dpa
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