S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Wehe, wenn Italien aus dem Euro austritt

In Italien wird mittlerweile eine breite Debatte über den Austritt aus der Eurozone geführt. Bislang fordern diesen Schritt nur die Oppositionsparteien. Doch auch die kommen irgendwann mal an die Regierung.

Einer der Gründe, warum wir überhaupt den Euro haben, war der breite politische Konsens in allen Ländern, die später daran teilnehmen würden. Egal ob Regierung oder Opposition, sie waren alle dafür. Gerade die Zustimmung der Oppositionsparteien war wichtig, denn im Verlauf von 15 Jahren haben die alle mal die Regierung übernommen - die SPD in Deutschland, und die Sozialisten in Frankreich und Spanien. Der Euro hat dadurch auch die vielen Regierungswechsel seit seiner Einführung vor fast 16 Jahren gut überstanden.

Mit der Eurokrise hat sich dieser Konsens relativiert. In Deutschland sind Regierung und Opposition noch weitestgehend für den Euro. In Frankreich ist das formell auch so. Nur der Front National ist dort dagegen.

Anders in Italien. Dort sind jetzt alle Oppositionsparteien gegen den Euro. Zunächst hat das nichts zu bedeuten. Die italienischen Sozialdemokraten unter ihrem Chef Matteo Renzi haben eine große Mehrheit im Parlament. Und sie genießen eine große, wenn auch nicht mehr überwältigende Zustimmung in der Bevölkerung. Aber in Demokratien kommen Oppositionen irgendwann einmal an die Regierung. Und dann ist es natürlich wichtig zu wissen, ob eine solche Regierung ihre Anti-Euro-Politik umsetzen würde.

Die Fünf-Sterne Partei, die größte Oppositionspartei, hatte sich vor der Europawahl für ein Referendum zum Euro ausgesprochen. Die Partei war bis dahin eurokritisch, aber die Positionen waren damals noch nicht so hart wie jetzt. Parteichef Beppe Grillo hat vor Kurzem seine ablehnende Haltung offengelegt. Seine Partei wolle die Eurozone so bald wie möglich verlassen.

Bei den Regionalwahlen in der norditalienischen Provinz Emiglia Romana siegte zwar Renzis Partei knapp, aber die Lega Nord kam auf 30 Prozent, womit niemand gerechnet hätte. Die Lega ist nicht nur für eine Trennung von Norditalien und Süditalien. Sie ist neuerdings auch für eine Trennung vom Euro. Und diese Position wurde vom Wähler belohnt.

Italiens Austritt wäre das schlimmste aller Szenarien

Und das hat jetzt Silvio Berlusconi auf den Geschmack gebracht. So richtig europafreundlich war Berlusconi natürlich nie. Opportunistisch wie er nun einmal ist, stellt auch er jetzt die Zukunft des Euro infrage. Mehr noch: Er und seine Partei Forza Italia, die zweitgrößte in Italien, haben einen ausgeklügelten Plan. Berlusconi will die geldpolitische Souveränität zurückgewinnen, indem er zu Hause eine Parallelwährung einführt, die frei gegenüber dem Euro gehandelt wird. Löhne und Gehälter und natürlich auch die Preise in den Geschäften würden in dieser neuen Währung ausgeschrieben.

Man würde alte Euros und die neuen italienischen Euros zunächst eins zu eins umtauschen. Danach würde die neue Währung freigegeben, worauf ihr Wechselkurs sofort einbrechen würde, wahrscheinlich um 30 bis 50 Prozent. Die italienische Wirtschaft wäre mit einem Schlag wieder wettbewerbsfähig.

Für den Rest der Eurozone wäre ein solcher Austritt Italiens das schlimmste aller Krisenszenarien. Das Land ist seit dem Eintritt in den Euro effektiv nicht mehr gewachsen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Jugendarbeitslosigkeit erschreckend.

Die nächste Krise kommt

Man sollte die Anti-Euro-Strategie der Opposition daher auch nicht als pure Demagogie oder Populismus abtun. Ein Austritt aus dem Euro würde rein technisch das italienische Problem mit einem Schlag lösen. Die Firmen wären wieder wettbewerbsfähig. Man würde die Staatsschulden ebenfalls in die neue Währung konvertieren, denn sonst würde sich der Akt nicht lohnen. Die ausländischen Eigentümer italienischer Staatspapiere würden einen Verlust hinnehmen müssen.

Ob der Euro nach einem italienischen Austritt überhaupt überleben kann, ist alles andere als klar. Das europäische Finanzsystem wäre zu dem Zeitpunkt akut gefährdet. Die Märkte würden möglichweise darauf spekulieren, dass andere Länder ebenfalls das Weite suchen. Will Frankreich weiterhin an Deutschland gekettet sein, wenn Italien den Euro verlässt? Die Antwort ist möglicherweise sogar Ja. Nur kann man sich dessen nicht sicher sein, denn die Situation wäre dann sehr unübersichtlich.

Was wir in Italien jetzt erleben, ist die Konsequenz einer Anti-Krisen-Strategie, die alle Probleme aufschiebt und nichts löst. Die nächste Krise kommt. Sie wird schlimmer sein als die letzte und noch mehr Anstrengungen erfordern. Und irgendwann kommt eine dieser Anti-Euro-Parteien an die Regierung. Und das war's dann.

Kennen Sie unsere Newsletter?
Foto: SPIEGEL ONLINE