Euro-Zone Einkaufsmanager erwarten Schrumpfwirtschaft

Die Schuldenkrise und Turbulenzen an den Börsen schlagen durch: Eine Umfrage unter Einkaufsmanagern in der Euro-Zone zeigt erstmals seit fast zwei Jahren kein Wachstum an. In Deutschland läuft es noch etwas besser, doch auch hier steht die Erholung der Wirtschaft auf der Kippe.

Arbeiter in einer Photovoltaik-Fabrik: Wachstum im Industriesektor droht zurückzugehen
REUTERS

Arbeiter in einer Photovoltaik-Fabrik: Wachstum im Industriesektor droht zurückzugehen


London - Erstmals seit mehr als zwei Jahren ist die Wirtschaft in der Euro-Zone geschrumpft: Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft fiel von 50,7 im August auf 49,2 Punkte im September. Zu diesem Ergebnis kommt das Markit-Institut, das regelmäßig Tausende von Einkaufsmanagern in Unternehmen wie Banken und Restaurants befragt.

Damit fällt das Barometer zum ersten Mal seit Juli 2009 unter die Marke von 50 Punkten, ab der die Experten von Wachstum sprechen. "Die Erholung ist vorbei", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Die Indikatoren deuten darauf hin, dass es in den kommenden Monaten noch weiter bergab gehen wird."

Im Dienstleistungssektor fiel der Index auf 49,1 Punkte, nach einem Augustwert von 51,5. Der Industriesektor schrumpft bereits zum zweiten Mal in Folge: Das Barometer ging von 49 auf 48,4 Zähler herunter. Auch die EU-Kommission rechnet für die kommenden Monate mit einer Konjunkturkrise und erwartet nur einen minimalen Anstieg der Wirtschaftsleistung.

Der deutschen Wirtschaft scheint ebenfalls die Puste auszugehen, sie schaffte im September aber immerhin noch ein kleines Wachstum. Der Index für die deutsche Privatwirtschaft sank von 51,3 auf 50,8 Punkte von 51,3.

"Die Erholung der deutschen Wirtschaft steht auf der Kippe", sagte Markit-Experte Tim Moore. "Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister stagnieren nahezu." In beiden Sektoren gingen die Neuaufträge zurück. Der Wert für die Industrie fiel genau auf die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Der Wert im Dienstleistungssektor lag mit 50,3 Punkten knapp darüber.

Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Markit-Experten kaum noch Wachstum. "Im dritten Quartal dürfte es nur zu einem sehr leichten Wachstum reichen", sagte Chefvolkswirt Williamson. "Im vierten Quartal kann es sogar zu einem Schrumpfen kommen."

Das Bundesfinanzministerium rechnet für das zweite Halbjahr 2011 mit einem "eher moderaten Wachstumstempo". Die Industrie sei zwar schwungvoll in das dritte Quartal gestartet, die Dynamik werde sich aber abschwächen, hieß es im Monatsbericht des Ministeriums, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die nicht günstigen Wirtschaftsdaten aus den USA, die schwache Entwicklung im Euro-Raum und ein geringeres Wachstum der Exporte spielten dabei eine Rolle.

kpa/dab/Reuters/dpa/dapd



insgesamt 7 Beiträge
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Schweijk 22.09.2011
1. Die Binnenwirtschaft
wird auch nicht weiterhelfen. Miese Löhne durch zeitarbeit. Heute mal die Stellenangebote angeschaut, wohin man Schaut nur noch Lohnzecken Stellenangebote. Warte, warte, bis auch du abgezeckt wirst. Wer seinen Job verliert bekommt dann nur noch von den Lohnzecken Arbeit.
deppvomdienst 22.09.2011
2. Wo soll denn Wachstum herkommen?
Zitat von sysopDie Schuldenkrise und Turbulenzen an den Börsen*schlagen*durch: Eine Umfrage unter Einkaufsmanagern in der Euro-Zone zeigt erstmals seit fast zwei Jahren kein Wachstum an. In Deutschland läuft es noch etwas besser, doch auch hier steht die Erholung*der Wirtschaft auf der Kippe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787741,00.html
Schaut man sich die Zunahme der Staatsverschuldung in Korrelation zum Wirtschaftswachtum an, erkennt man die Ausmaße des Problems: schon vor dem, was wir als Finanzkrise ansehen, also vor 2008, hatten wir Wachstum nur durch Ausweitung der Staatsverschuldung - und mit "wir" ist fast die gesamte westliche Welt gemeint. Dieses - nie real vorhandene - Wachstum ist in der Finanzkrise endgültig zusammengebrochen und durch weitere Staatsverschuldung teilkompensiert worden. Und jetzt funktioniert auch dieser Weg nicht mehr, weil die Staaten nicht mehr kreditwürdig sind. Die "Rezession" haben wir also schon seit fast 15 Jahren, sie wurde nur durch Spielchen der Finanzindustrie kompensiert. Jetzt tritt sie offen zu Tage. Das Heulen und Zähneklappern beginnt.
admiral222, 22.09.2011
3. Kranke Hirne
Zitat von sysopDie Schuldenkrise und Turbulenzen an den Börsen*schlagen*durch: Eine Umfrage unter Einkaufsmanagern in der Euro-Zone zeigt erstmals seit fast zwei Jahren kein Wachstum an. In Deutschland läuft es noch etwas besser, doch auch hier steht die Erholung*der Wirtschaft auf der Kippe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787741,00.html
Ja glaubt denn einer ab 8-Klassenschulbildung, dass mit immer mehr Produktion eine Erhöhung des Wohlstandes eintritt ? Man sollte vielleicht versuchen, den Jetztstand noch eine Weile zu halten. Nach meiner Meinung ist Fakt: - Mehr Konsum schafft keine Zufriedenheit - Die Herstellung von mehr Konsumgütern plündert Rohstoffereserven noch schneller und verlangt immer mehr Einsatz von Energie. - Die Beseitigung dieses unsinnigen Wohlstandsmülls kostet Unsummen. - An allen möglichen freien Stellen stehen, zumindest in den Städten, fast neue PkW und können nicht verkauft werden. - Die Kosten für diesen ganzen Unsinn werden natürlich direkt oder indirekt jeden Steuerzahler aufgebürdet.
sischwiesisch 22.09.2011
4. Naja. Aber...
Zitat von admiral222Ja glaubt denn einer ab 8-Klassenschulbildung, dass mit immer mehr Produktion eine Erhöhung des Wohlstandes eintritt ? Man sollte vielleicht versuchen, den Jetztstand noch eine Weile zu halten. Nach meiner Meinung ist Fakt: - Mehr Konsum schafft keine Zufriedenheit - Die Herstellung von mehr Konsumgütern plündert Rohstoffereserven noch schneller und verlangt immer mehr Einsatz von Energie. - Die Beseitigung dieses unsinnigen Wohlstandsmülls kostet Unsummen. - An allen möglichen freien Stellen stehen, zumindest in den Städten, fast neue PkW und können nicht verkauft werden. - Die Kosten für diesen ganzen Unsinn werden natürlich direkt oder indirekt jeden Steuerzahler aufgebürdet.
...der Wohlstandsmüll von heute sind die Rohstoffe von morgen. Das regelt schon der Preis von ganz alleine.
4711_please 22.09.2011
5. °^°
Zitat von sysopDie Schuldenkrise und Turbulenzen an den Börsen*schlagen*durch: Eine Umfrage unter Einkaufsmanagern in der Euro-Zone zeigt erstmals seit fast zwei Jahren kein Wachstum an. In Deutschland läuft es noch etwas besser, doch auch hier steht die Erholung*der Wirtschaft auf der Kippe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,787741,00.html
Soweit ich einige Wirtschaftsexperten und die Raison der Bundesregierung richtig verstanden habe, sei die brachiale Anpassung der griechischen Wirtschaft alternativlos. Denn das beste Mittel zur Disziplinierung der Eurovolkswirtschaften seien auf der einen Seite die Kreditzinsverwerfungen, und auf der anderen die Rettungsschirme. Wenn es diese Druckmittel nicht gäbe, würden die Eurovolkswirtschaften machen, was sie wollen und den Euro aufweichen. Zu diesem Komplex habe ich mehrere Fragen. Zum einen frage ich mich, warum die Euroländer nicht spätetsens jetzt in der Krise 2007ff Beschlüsse fassen können, die permanenten Druck auf die Einhaltung der Kriterien ausüben könnten? Und müsste dann nicht der Druck für alle Mitgliedsländer gleich sein, wenn es sich bei der EU um eine Einigung von Gleichen unter Gleichen handelt? Wäre eine Trennung der Ordnungspolitik von einer Finanzpolitik nicht sinnvoll, die die gegenwärtigen sehr bedenklichen ökonomischen Ungleichgewichte wegen 2007ff in und zwischen den EU-Ländern sowie weltökonomisch berücksichtigt? Ist die Konstruktion von Rettungsschirmen wirklich das geeignete Instrument, um Ordnungspolitik zu betreiben? Könnte man nicht besser geldpolitisch ködern, um ökonomisches Verhalten und Strukturen strenger zu standardisieren? Ist eine geldpolitische Entscheidung nicht die pragmatisch richtige Antwort von Deutschland und anderen Länder auf die Krise 2007ff? Ist es richtig zu sagen, dass die Geldpolitik zwar finanziell die beste und einfachste Lösung wäre, aber disziplinarisch (ordnungspolitisch) eben nicht und die Methoden der Disziplinierung wären alternativlos? Ist eine Geldpolitik aufgrund des Marktversagens nicht sogar moralisch geboten, denn warum sollen die Menschen eine Schuld abarbeiten, die dem Versagen der Märkte anuzulasten ist? Warum soll es nicht möglich sein, eine einmalige geldpolitische Entscheidung aufgrund von 2007ff zu treffen, gleichzeitig Euroland ordnungspolitisch zu disziplinieren und dafür Sorge zu tragen, dass so ein geldpolitischer Schritt in Zukunft nicht mehr vorkommt? Warum Euroland und Deutschland schwächen in einer Phase, wo es um die Sammlung neuer Kräfte geht, nur wegen vorgeschobener ordnungspolitischer Gründe?
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