Euro-Zone Ökonomen rechnen mit Aufschwung im Herbst

Europas Wirtschaft erholt sich nur langsam: Die krisengeplagte Euro-Zone kann nach Einschätzung des Ifo-Instituts erst ab dem dritten Quartal wieder mit Wachstum rechnen. Die Sorgen um Portugal wachsen.


München - Das Ifo-Institut macht eine ernüchternde Prognose: Demnach kann die Euro-Zone erst ab dem dritten Quartal 2012 wieder mit Wachstum rechnen. In den ersten drei Monaten dürfte es noch 0,2 Prozent nach unten gehen, von April bis Juni werde die Konjunktur dann stagnieren, sagten die Wirtschaftsforscher am Dienstag voraus. Im dritten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent zulegen.

Das Ifo-Institut verwies auf zahlreiche Risiken: Die Sparmaßnahmen vieler schuldengeplagter Euro-Staaten und der schwache Arbeitsmarkt würden den Konsum hemmen, hieß es. Zudem sei der Ölpreis gestiegen und könne weiter zulegen - was die Konjunktur ebenfalls bremst. Zwar dürften sich die privaten Investitionen langsam erholen, die öffentliche Hand müsse sich aber weiterhin zurückhalten. Alles in allem würden die Investitionen dadurch auch erst aber dem dritten Quartal wieder zulegen.

Sorgen bereitet vielen Experten vor allem Portugal. Die EU-Kommission forderte das Land am Dienstag zu neuen Anstrengungen auf, die Schuldenkrise zu bekämpfen. Zwar habe Portugal Fortschritte gemacht, sagte Kommissionsexperte Peter Weiss. Die Konsolidierung des Budgets gehe voran. 2011 und 2012 mache die Korrektur 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, was "enorm und sehr ehrgeizig" sei. Dennoch müsse die Regierung in Lissabon weitere Reformen einleiten.

Als Beispiel nannte Weiss strikte Budgetdisziplin, Privatisierungen und eine Liberalisierung des Dienstleistungssektors. Sollte sich Portugal an die Vorgaben halten, sei kein neues Hilfsprogramm nötig. Allerdings gebe es weiter "große Risiken", hieß es in einem ebenfalls am Dienstag vorgestellten Zwischenbericht der EU-Kommission zum laufenden Anpassungsprogramm für Portugal. So könne ein Anstieg der Arbeitslosigkeit die Budgetziele gefährden. Möglicherweise müsse die Regierung weitere Arbeitsmarktreformen einleiten und die Dauer der Lohnersatzleistungen einschränken.

Spaniens König bekommt weniger Geld

Aus dem laufenden Hilfsprogramm soll Portugal Kredite in Höhe von insgesamt 78 Milliarden Euro erhalten. Die nächste Tranche über 15 Milliarden Euro soll im Mai ausgezahlt werden. Nach dem zweiten Hilfsprogramm in Griechenland hatte es Spekulationen gegeben, dass auch Portugal eine neue Finanzspritze benötigen könnte.

Auch Spanien versucht sich mit aller Kraft, aus der Krise zu sparen. Vergangene Woche hatte die Regierung ein ehrgeiziges Sparprogramm beschlossen, das fast alle Ministerien betrifft.

Nicht einmal König Juan Carlos kommt ungeschoren davon. Laut Etatentwurf für 2012, den Finanzminister Cristóbal Montoro am Dienstag in Madrid dem Parlament vorlegte, wird das Budget des Königshauses um zwei Prozent auf 8,26 Millionen Euro gesenkt. In fast allen anderen Bereichen spart die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy allerdings noch energischer.

Die Ausgaben für Infrastruktur-Projekte und für die Forschung etwa werden um mehr als 20 Prozent gesenkt. Mit dem Budget will die Regierung eine Lücke von insgesamt 27 Milliarden Euro schließen und damit ihr Versprechen an die Partner der Euro-Zone einlösen, die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 5,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu reduzieren.

ssu/dapd/Reuters



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