Euro-Zone OECD rechnet für 2012 nur mit Mini-Wachstum

Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird wohl weit stärker unter der Schuldenkrise leiden als bislang angenommen. Die OECD korrigierte ihre Wachstumsprognose für 2012 drastisch nach unten - von zwei auf nur noch 0,3 Prozent. Auch die US-Konjunktur bewerten die Experten pessimistisch. 

Container-Terminal im Hamburger Hafen: "Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Politik"
DPA

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Paris - Es sind düstere Aussichten für das kommende Jahr: Der Wirtschaft in den 17 Euro-Ländern steht ein heftiger Abschwung bevor. Davon geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( OECD) aus.

Die Ökonomen erwarten für 2012 im Währungsraum insgesamt nur ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent und senkten damit am Montag ihre Prognose vom Frühjahr auf rund ein Zehntel des Ursprungswerts. Im Mai waren sie noch von einem Plus von zwei Prozent ausgegangen. In einigen Ländern werde die Wirtschaftskraft sogar sinken, teilte die Organisation kurz vor dem G-20-Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer mit.

Ähnlich verschlechtert haben sich die Aussichten in den USA: Für die dortige Wirtschaft werden nur noch 1,8 Prozent Wachstum erwartet. Im Mai hatte die OECD noch ein Plus von 3,1 Prozent vorhergesagt. Für die weltweit führenden Volkswirtschaften (G20) insgesamt liegt die Prognose für 2012 nun bei 3,8 Prozent.

Der Grund für die weitaus schlechtere Prognose ist nach Angaben der OECD vor allem die Staatsschuldenkrise: "Ein Großteil der derzeitigen Schwächephase ist auf einen generellen Vertrauensverlust in die Fähigkeit der Politik zurückzuführen, angemessene Antworten zu platzieren", kommentierte die Industriestaaten-Organisation.

Die Unsicherheit ist groß - auch bei den Banken

Falls die Politik die Folgen der Schuldenkrise für die Finanzmärkte nicht stoppt, warnt die OECD auch vor einer deutlichen Eintrübung des globalen Ausblicks: "Eine Verschlechterung des finanziellen Umfelds in der Größenordnung wie in der globalen Krise (2007-09) könnte dazu führen, dass das Niveau des Bruttoinlandsproduktes in einigen größeren OECD-Ländern bis zur ersten Jahreshälfte 2013 um bis zu fünf Prozent sinken könnte", hieß es in Paris.

Die Unsicherheiten hätten in den jüngsten Monaten dramatisch zugenommen - insbesondere wegen der Lage Griechenlands am Rande der Staatspleite, die Europas Banken und andere hochverschuldete Euro-Länder mit nach unten reißen könnte.

Ein weiteres Zeichen für die derzeitige Unsicherheit und Spannungen aufgrund der europäischen Schuldenkrise auf den Finanzmärkten sind die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese nähern sich wieder ihrem Jahreshöchststand und legten am Montag deutlich von 218,1 Milliarden Euro auf 248,1 Milliarden Euro zu, teilte die EZB in Frankfurt mit. Den bisherigen Jahreshöchststand hatten sie am 10. Oktober mit knapp 270 Milliarden Euro erreicht.

Die Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander. Die eintägigen Ausleihungen der Banken bei der Notenbank stiegen von 2,73 auf 2,85 Milliarden Euro. Auch sie liegen klar über dem üblichen Jahresdurchschnitt.

Normalerweise leihen die Banken nur ungern kurzfristige Mittel bei der Notenbank, da sie dafür einen hohen Zins von derzeit 2,25 Prozent zahlen müssen. Für die Einlagen erhalten die Banken einen nur geringen Zins von aktuell 0,75 Prozent. Kurzfristige Mittel leihen sich die Banken daher normalerweise lieber untereinander zu günstigeren Konditionen am sogenannten Interbankenmarkt.

Hoffnungsschimmer: eine effektive Umsetzung der Gipfel-Beschlüsse

Etwas Grund zur Hoffnung gibt die OECD dennoch: Das Wachstum könnte besser laufen, wenn Beschlüsse vom EU-Gipfel vorige Woche effektiv umgesetzt würden, hieß es. Die Euro-Länder wollen Griechenland mit weiteren Milliarden vor der Pleite retten und vereinbarten unter anderem einen Schuldenschnitt um 50 Prozent.

Für Deutschland waren die jüngsten Prognosen von einem leichten Wachstumsknick ausgegangen, sagten aber keine Rezession voraus: In ihrem jüngsten Gutachten erwartet die Bundesbank, dass lediglich im gerade begonnenen vierten Quartal die Wirtschaftsleistung etwas schrumpfen werde. Für das erste Quartal 2012 rechnen die Experten dagegen wieder mit einem Wirtschaftswachstum.

lgr/dpa/Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
ratxi 31.10.2011
1. Titel falsch verbucht
Zitat von sysopDie Wirtschaft in der Euro-Zone*wird wohl weit*stärker unter der Schuldenkrise leiden als bislang angenommen.*Die OECD korrigierte ihre Wachstumsprognose für 2012 drastisch nach unten - von*zwei auf nur noch 0,3 Prozent. Auch die US-Konjunktur*bewerten die Experten pessimistisch.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794978,00.html
Vielleicht sind ja auch nur ein paar Billionen falsch verbucht...
weltbetrachter 31.10.2011
2. Mini-Wachstum - völlig in Ordnung
So wie es heute in Deutschland ist, kann man sich insgesamt nicht beklagen. Gut, Bildung, Sozialsysteme, Gesundheit usw. bedürfen noch Korrekturen. Aber das sind Aufgaben für Jahre. ---- Wir sollten uns also ganz schnell auf die Konsolidierung unserer Staatsverschuldung konzentrieren. Und das mit allen Mitteln. Alle, die also in nächster Zeit an unsere Tür klopfen und um Geld für eigene Versäumnisse betteln, müssen warten, bis wir unseren eigenen Laden aufgeräumt haben. --- Das als Hinweis an Europa und die Welt. 2012 ist für uns also kein Drama, sondern der Aufbruch in eine gute Zukunft, wenn wir uns nicht immer von anderen hereinreden lassen.
seatbelts 31.10.2011
3. Nie gewusst/gefragt
Die Prognose ist also 0.3 Prozent Wachstum des BIP, weiß jemand ob die Inflation immer "mitgerechnet" wird? Z.B. wird sie auf 1.1% in Deutschland (2011)geschätzt...
wika 31.10.2011
4. Textersetzungen …
---Zitat--- Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird wohl weit stärker unter der Schuldenkrise leiden als bislang angenommen. ---Zitatende--- Die Wirtschaft in der Euro-Zone wird wohl weit stärker unter der *Guthabenkrise* leiden als bislang angenommen. … ist doch nur die andere Seite der Medaille, siehe Schuld-Geldsystem. Warum sitzt also das Geld nicht locker? Und jetzt ersetzen dieses Wort mal durchgängig in dem Artikel, vielleicht wird dann dem ein oder anderen schwindelig, oder sie erleiden ein Aha-Erlebnis. Wer will uns denn jetzt belügen und betrügen und wo sitzen die vielen kleinen Helferlein dafür? Ich … nicht die OECD … rechne auch für 2012 weiter damit dass wir von der *"Fünften Gewalt"* und ihren Marionetten, den ersten vier Gewalten … Link (http://qpress.de/2011/05/21/die-mar-von-der-vierten-gewalt-die-funfte-machts/), weiterhin genauso an der Nase herumgeführt werden wie auch schon über die Jahre zuvor. Kann mir jemand Hoffnung machen das es anders kommt und wir mal eine realistische Aufklärung zu diesem Thema bekommen und nicht nur Nebelbomben. Die Medien müssen sich diesen Vorwurf schon gefallen lassen, sie tragen eine Mitschuld an der Desinformation. Nochmal zum Mitschreiebn, unser Aller Schuldenkrise ist die Guthabenkrise einiger Weniger, aber immer noch ein und dasselbe Problem.
HappyLuckyStrike 31.10.2011
5. Das macht Ihr doch absichtlich !
Ihr habt es nicht geschafft, mich aus dem Forum zu ekeln, jetzt versucht Ihr, mich legal zu killen. - OECD rechnet für 2012 nur mit Mini-Wachstum - hätte es jetzt beinahe geschafft, ich wäre fast vor Lachen gestorben. Jetzt muß ich aber echt zum Flughafen (hier bedeutet das zweimal 150 km), also noch fröhlichen Negativboom !
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