Wettbewerbskraft Europas Krisenstaaten werden stärker

Es ist ein Hoffnungsschimmer für Europa: Laut einem Zeitungsbericht nimmt die Wettbewerbskraft der Krisenländer deutlich zu. Die Löhne werden konkurrenzfähiger, die Defizite beim Handel schrumpfen. Die im Kampf gegen die Krise angestoßenen Reformen scheinen zu greifen.
Gasturbine in Athen: Industrie der Südländer wird wettbewerbsfähiger

Gasturbine in Athen: Industrie der Südländer wird wettbewerbsfähiger

Foto: © Yiorgos Karahalis / Reuters/ REUTERS

Hamburg - In den Krisenländern der Euro-Zone zeichnen sich erste Erfolge bei den Reformen ab. "Die Lohnstückkosten sind in Irland, Griechenland, aber auch Spanien spürbar gesunken", heißt es in einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), aus der die "Financial Times Deutschland" ("FTD") zitiert. Fast überall gehen zudem die Defizite bei den Handelsbilanzen zurück.

Mit Lohnstückkosten werden die Personalkosten bezeichnet, die bei der Produktion einer Ware entstehen: Je höher die Löhne und je länger die Zeit, die für die Herstellung einer Ware benötigt wird, desto höher liegen die Lohnstückkosten. Die Handelsbilanz bezeichnet das Verhältnis von Importen und Exporten einer Volkswirtschaft. Beide Werte gelten als Indikatoren für die Wettbewerbskraft von Staaten. Niedrige Lohnstückkosten und eine Handelsbilanz mit mehr Ausfuhren als Einfuhren gelten als Zeichen von Stärke.

Der Studie zufolge hat Griechenland sein Handelsdefizit in der Zeit von 2008 bis 2011 um 54 Prozent verringert, bei Spanien waren es demnach 50 Prozent, bei Portugal 40 Prozent und beim ebenfalls als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelten Zypern immerhin 20 Prozent. Italien habe im laufenden Jahr eine nahezu ausgeglichene Handelsbilanz bei Waren erreicht, was an steigenden Exporten ebenso wie an fallenden Importen liege.

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Grafiken: So wettbewerbsfähig sind die Euro-Staaten

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Noch beeindruckender ist folgende Zahl: Die griechischen Exporte sind laut DIHK inzwischen wieder auf das Niveau von 2007 geklettert - und das, obwohl die Gesamtwirtschaft seitdem um 27 Prozent geschrumpft sei.

Die Lohnstückkosten Griechenlands seien seit dem Jahr 2010 um rund 15 Prozent gefallen, heißt es in der Studie weiter. Die Ergebnisse des DIHK decken sich mit den Erkenntnissen einer Erhebung des Forschungsinstituts "The Conference Board" von Ende Juli. Den Angaben des Instituts zufolge sind die Lohnstückkosten von Anfang 2008 bis Ende 2011 in Irland um mehr als sechs und in Spanien um mehr als vier Prozent gesunken.

Manch Experte deutet diese Zahlen äußerst positiv. "Die Euro-Zone hat den größten Teil ihrer strukturellen Hausaufgaben bereits erledigt", sagt etwa Folker Hellmeyer, Chefökonom bei der Bremer Landesbank, der "FTD". "Der Anpassungsprozess der Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen in der Euro-Zone ist im vollem Gange", sagte Andreas Rees, Volkswirt bei der Bank UniCredit.

Noch euphorischer ist die "FTD" selbst. Europa könnte sich noch zum Hoffnungsträger für die Weltwirtschaft entwickeln, heißt es in dem Bericht der Wirtschaftszeitung - vorausgesetzt, die Schuldenkrise verschärfe sich nicht erneut.

Tatsächlich kann Europa aber nur potentieller Hoffnungsträger sein, weil sich die Lage anderer Volkswirtschaften noch schlechter darstellt. In den USA etwa befürchten Ökonomen für das Jahr 2013 eine schwache Konjunktur, weil dort zum Jahreswechsel Steuererhöhungen in Kraft treten. Auch von den Schwellenländern sind aktuell kaum Impulse zu erwarten. Im Vergleich dazu steht Europa nach den aktuellen Strukturreformen erstaunlich gut da.

ssu
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