Europaweite Studie Reallöhne steigen 2012 in Deutschland am stärksten

Sattes Gehaltsplus, niedrige Inflation: Beschäftigte multinationaler Unternehmen in Deutschland dürfen sich in diesem Jahr auf die höchsten Zuwächse bei den Reallöhnen in Westeuropa freuen. Allerdings steigen die Einkommen für Führungskräfte prozentual stärker als die ihrer Untergebenen.
Produktion bei Volkswagen: Wer bei Multis arbeitet, kann auf ein sattes Lohnplus hoffen

Produktion bei Volkswagen: Wer bei Multis arbeitet, kann auf ein sattes Lohnplus hoffen

Foto: Jochen Lübke/ dpa

Frankfurt am Main - Deutsche Arbeitnehmer werden in diesem Jahr spürbar mehr Geld zur Verfügung haben: Für Angestellte multinationaler Unternehmen werden die Grundgehälter 2012 laut einer Studie der Unternehmensberatung Mercer voraussichtlich um 2,9 Prozent steigen. Die Dinge des täglichen Bedarfs werden jedoch nur um erwartete 1,3 Prozent teurer werden. Daraus ergibt sich eine reale Lohnsteigerung von 1,6 Prozent. Damit können die Deutschen mit den höchsten Reallohnzuwächsen in Europa rechnen.

Allerdings können sich wohl vor allem Führungskräfte über ein sattes reales Gehaltsplus freuen. Laut der Studie sind die prozentualen Lohnzuwächse ungleich über die verschiedenen Hierarchiebereiche verteilt, bei Mitarbeitern in mittleren und unteren Ebenen werden sie geringer ausfallen als in den höheren. Auch in Italien, der Schweiz, Frankreich, Norwegen und Portugal werden die Manager mit vergleichsweise größeren Lohnsteigerungen bedacht als die Angestellten auf den Ebenen darunter.

Anders in Belgien, Irland, Österreich und Großbritannien: In diesen Ländern steigen die erwarteten Entgelte prozentual über alle Ebenen im Durchschnitt gleich hoch.

Auch in Krisenstaaten legen reale Löhne zu

Grund für die Spitzenstellung Deutschlands bei den Reallohn-Zuwächsen ist vor allem die niedrige Teuerungsrate - die Gehaltssteigerungen an sich liegen eher im europäischen Schnitt. So dürften die Löhne in Norwegen, den Niederlanden, Österreich, Schweden und Großbritannien sogar um drei Prozent oder mehr zulegen. Allerdings liegt die Inflation in jedem dieser Länder höher, effektiv werden die Arbeitnehmer dort also weniger stark an Kaufkraft gewinnen als in Deutschland.

Sollten sich Löhne und Inflation im Verlauf des Jahres tatsächlich wie in der Studie projiziert entwickeln - und vorausgesetzt, auch außerhalb der für die Untersuchung herangezogenen multinationalen Konzerne steigen die Einkommen so stark -, wäre das eine Art Trendwende. Im vergangenen Jahrzehnt mussten deutsche Arbeitnehmer regelmäßig hinnehmen, dass die Inflation die Lohnsteigerungen auffraß. Unter dem Strich konnte sich der Durchschnittsdeutsche am Ende der nuller Jahre weniger von seinem Einkommen kaufen als zum Beginn des Jahrzehnts. Auch die deutlichen Lohnsteigerungen des Jahres 2011 wurden durch die hohe Teuerungsrate nahezu aufgefressen.

Insgesamt können in allen westeuropäischen Ländern die Angestellten multinationaler Konzernen mit einem realen Lohnplus rechnen - selbst in den Krisenstaaten der Euro-Zone. In Italien, Spanien, Irland und Griechenland liegt der Kaufkraftzuwachs im Schnitt bei einem Prozent oder darüber. Auch portugiesische Arbeitnehmer können sich in diesem Jahr zwar voraussichtlich mehr leisten, allerdings ist das reale Lohnplus mit 0,4 Prozent im Vergleich das kleinste.

fdi/dpa-AFX
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