Eurozone Arbeitslosigkeit sinkt auf tiefsten Stand seit 2008

Überraschung am Arbeitsmarkt: Anders als von Experten erwartet sinkt die Arbeitslosigkeit in der Eurozone weiter

Angestellter einer Bitcoin-Fabrik in Italien
Alessandro Bianchi / REUTERS

Angestellter einer Bitcoin-Fabrik in Italien


In der Eurozone ist die Arbeitslosigkeit weiter auf dem Rückzug. Sie hat den tiefsten Stand seit mehr als zehn Jahren erreicht. Im April sank die Arbeitslosenquote laut EU-Statistikbehörde Eurostat auf 7,6 Prozent, nach 7,7 Prozent im Vormonat. Dies ist die niedrigste Quote in den 19 Euroländern seit August 2008. Volkswirte hatten im Schnitt eher eine Stagnation der Arbeitslosenquote erwartet.

In den 28 Ländern der Europäischen Union (EU) verharrte die Quote im April bei 6,4 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand seit Beginn der monatlichen Aufzeichnungen im Jahr 2000.

Die niedrigsten Arbeitslosenquoten hatten demnach Tschechien (2,1 Prozent), Deutschland (3,2 Prozent) und die Niederlande (3,3 Prozent). Am höchsten war die Arbeitslosigkeit in Griechenland (18,5 Prozent), Spanien (13,8 Prozent) und Italien (10,2 Prozent).

Wegen unterschiedlicher Erfassungsmethoden können die Zahlen der EU-Behörde von denen nationaler Stellen abweichen. Das ist etwa in Deutschland der Fall. Die Bundesagentur für Arbeit hat die Arbeitslosenquote für April und Mai mit 4,9 Prozent angegeben.

Inflationsrate geht zurück

Seit der Hochphase der Euroschuldenkrise im Jahr 2013 hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt der Eurozone stark verbessert. Damals hatte die Arbeitslosenquote noch zeitweise über der Marke von zwölf Prozent gelegen. Trotz der Verbesserung sind in den südlichen Ländern des Währungsraums nach wie vor besonders viele Jugendliche arbeitslos. In Deutschland gab es im April dagegen laut den Eurostat-Daten mit 5,3 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote unter Jugendlichen.

Rückläufig ist auch die Inflationsrate. Wie Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzung mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise in den 19 Staaten der Eurozone im vergangenen Monat im Vorjahresvergleich um 1,2 Prozent. Im April waren es noch 1,7 Prozent gewesen.

Grund für die niedrigere Inflation war ein langsamerer Anstieg der Energiepreise. Sie legten im Mai noch um 3,8 Prozent zu, nach 5,3 Prozent im April. Weniger stark verteuerten sich auch Dienstleistungen (1,1 Prozent nach 1,9 Prozent im April). Etwas stärker stiegen die Preise dagegen bei Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (1,6 Prozent nach 1,5 Prozent im April) und Industriegütern (0,3 Prozent nach 0,2 Prozent im April).

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

beb/dpa/afp



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stefan.martens.75 04.06.2019
1. Wann lagen die Experten jemals richtig?
Zumindest bei einer Prognose von mehr als 6 Monaten würde mir nicht ein Fall einfallen. Hier mal die Trefferquote des berühmten und wichtigen Ifo Instituts aus 10 Jahresicht https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schneller-schlau/prognose-versus-wirklichkeit-wie-sich-konjunkturforscher-taeuschen-12802181/27900170-12802186.html
curiosus_ 04.06.2019
2. Interessant
Die niedrigsten Arbeitslosenquoten hatten demnach ..Deutschland (3,2 Prozent) .. Wegen unterschiedlicher Erfassungsmethoden können die Zahlen der EU-Behörde von denen nationaler Stellen abweichen. Das ist etwa in Deutschland der Fall. Die Bundesagentur für Arbeit hat die Arbeitslosenquote für April und Mai mit 4,9 Prozent angegeben. Also, wenn die EU für Deutschland 0,0 Prozent angibt gibt die Bundesagentur für Arbeit noch > 0,0% an. Und wenn die dann auch noch Arbeit finden, was gibt dann die EU an? Arbeitslosigkeit < 0,0 Prozent? Also, die EU sortiert Menschen in die Schublade "nicht arbeitssuchend" die die Bundesagentur für Arbeit in die Schublade "arbeitssuchend" einsortiert. So was nenne ich kreative Buchhaltung, ungefähr so wie wenn ich "keine zusätzlichen Schulden machen" mit "sparen" gleichsetze.
facade 04.06.2019
3.
Das hat nichts mit kreativer Buchhaltung zu tun. Die EU erhebt und veröffentlicht ihre Arbeitslosenquote nach international vergleichbarem ILO-Messkonzept (Stichprobenerhebung aller 15-74 jährigen die sich in den vergangenen 4 Wochen um Arbeit bemüht haben und innerhalb von 2 Wochen zur Verfügung ständen, 1 Wochenstunde Arbeit reicht). Dieses ist erkennbar enger als das Konzept der Bundesagentur für Arbeit mit der Totalerhebung. Unter Null kann die Arbeitslosenquote auch nach ILO-Konzept natürlich nicht sein, dass sollte Ihnen klar sein.
curiosus_ 04.06.2019
4. Da sind Sie wohl..
..im falschen thread gelandet ("als alter Sack von 65 (https://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/hohe-steuern-und-arbeitskosten-auslaendische-firmen-investieren-weniger-deutschlan-thread-912038-18.html#postbit_75922862)"). Kann ja mal passieren. Der Link auf meinen post passt hier auch nicht mehr. Weiter dann wieder an der richtigen Stelle, also _hier_ (https://www.spiegel.de/forum/wirtschaft/hohe-steuern-und-arbeitskosten-auslaendische-firmen-investieren-weniger-deutschlan-thread-912038-20.html#postbit_75935693).
spmc-13058733603979 04.06.2019
5. Jau läuft
Den Schweinezyklus ein paar Jahre durch billiges Geld ausgesessen und schliesslich sind wir da wo wir vor der letzten Krise waren....ich liebe dieses System. Es ist so einfach vorhersehbar.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.