Eurozone EU-Kommission geht von geringerem Wachstum aus

Bisher trotzt die Wirtschaft in der Eurozone den ungünstigen Rahmenbedingungen. Doch die EU-Kommission rechnet mit einer längeren Phase gedämpften Wachstums und senkte erneut ihre Prognosen.

Die Binnennachfrage in der Eurozone ist laut EU-Kommission stark
Fabian Sommer/dpa

Die Binnennachfrage in der Eurozone ist laut EU-Kommission stark


Die EU-Kommission hat ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Eurozone abermals heruntergeschraubt. Grund sind die eingetrübten Aussichten für die Weltkonjunktur.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19 Länder der Währungsunion dürfte demnach 2020 nur noch um 1,2 Prozent zulegen, heißt es in der Herbstprognose der Brüsseler Behörde. Bisher war sie von 1,4 Prozent ausgegangen. Für das laufende Jahr erwarte sie ein Wachstum von 1,1 Prozent. Im Sommer hatte sie noch 1,2 Prozent prognostiziert.

Die exportstarke deutsche Wirtschaft leidet demnach besonders unter Handelskonflikten, geopolitischen Spannungen und der anhaltenden Schwäche des verarbeitenden Gewerbes. Dennoch könne sich Deutschland auf eine robuste Binnennachfrage und steigende Löhne verlassen.

Längere Phase mit gedämpftem Wachstum erwartet

Das deutsche BIP dürfte demnach 2020 nur noch um ein Prozent steigen. Zuvor war die Kommission von einem Plus von 1,4 Prozent ausgegangen. Im laufenden Jahr soll demnach nur ein Plus von 0,4 Prozent stehen. Zuvor hatte die Kommission noch 0,5 Prozent veranschlagt.

Der europäischen Wirtschaft könnte eine längere Phase mit gedämpftem Wachstum und geringer Inflation bevorstehen, hieß es weiter. Der andauernde Konflikt zwischen den USA und China bremse Investitionen, die Industrie und den internationalen Handel.

"Bisher hat sich die europäische Wirtschaft trotz ungünstigerer weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen als robust erwiesen", sagte EU-Finanzkommissar Valdis Dombrovskis.

Starke Binnennachfrage

Die Kommission hob hervor, dass die Wirtschaft voraussichtlich das siebte Jahr in Folge wachsen werde und das in allen 19 Euroländern. Auch die Situation am Arbeitsmarkt sei demnach positiv zu bewerten.

Die Binnennachfrage sei nach wie vor kräftig. "Doch könnten nun schwierigere Zeiten anbrechen, das heißt eine Phase, die durch große handelskonfliktbedingte Unsicherheit, durch zunehmende geopolitische Spannungen, durch eine anhaltende Schwäche des verarbeitenden Gewerbes und durch den Brexit gekennzeichnet ist."

Für Italien geht Brüssel von sehr schlechten Wachstumsaussichten aus. Für 2020 sei von 0,4 Prozent statt zuvor prognostizierten 0,7 Prozent Wachstum auszugehen. Die Staatsverschuldung werde mit 136,8 Prozent der Wirtschaftsleistung ein neues Rekordniveau erreichen und 2021 weiter auf 137,4 Prozent steigen.

Kommissionsvize Dombrovskis rief alle hoch verschuldeten EU-Länder "dringend" auf, "die Schuldenstände kontinuierlich abzubauen".

brt/Reuters/AFP/dpa



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