Ex-IKB-Chef vor Gericht "Mich trifft keine Schuld"

Er führte die Mittelstandsbank IKB an den Rand der Pleite, nun muss sich Stefan Ortseifen als erster deutscher Bankmanager im Zuge der Finanzkrise vor Gericht verantworten. Zum Auftakt des Prozesses wies der 59-Jährige alle Vorwürfe zurück - die Richter könnten das anders sehen.

Ehemaliger IKB-Vorstandssprecher Ortseifen: "Im rechtlichen Sinne keine Schuld"
ddp

Ehemaliger IKB-Vorstandssprecher Ortseifen: "Im rechtlichen Sinne keine Schuld"


Düsseldorf - Es ist der erste deutsche Prozess zur Finanzkrise: Zum Auftakt hat der frühere Vorstandssprecher der Mittelstandsbank IKB, Stefan Ortseifen, den Vorwurf der Börsenpreismanipulation und der Untreue zurückgewiesen. Der 59-Jährige sagte zum Prozessauftakt am Dienstag vor dem Düsseldorfer Landgericht, er sei zu der Erkenntnis gekommen, dass ihn "im rechtlichen Sinne keine Schuld" treffe. Die Vorwürfe der Anklage seien zu Unrecht erhoben worden. Ortseifen äußerte zugleich sein Bedauern darüber, dass die IKB in eine existentielle Krise geraten sei.

Dem früheren IKB-Vorstandssprecher wird zur Last gelegt, wenige Tage vor der Beinahe-Pleite seiner Bank in einer Pressemitteilung behauptet zu haben, das Institut habe keine Probleme mit US-Hypothekenanlagen. Zudem soll er seine Dienstvilla auf Kosten der Bank renoviert und ohne Zustimmung des Aufsichtsrats für 120.000 Euro ausgebaut haben.

Zu der umstrittenen Pressemitteilung vom 20. Juli 2007 sagte Ortseifen vor Gericht, es habe nichts darauf schließen lassen, dass die Einschätzung der Bank falsch gewesen sein müsse, nur weil eine Woche später die Krise an den US-Hypothekenmärkten ausgebrochen sei. Zum Zeitpunkt der Pressemitteilung habe der Markt noch funktioniert. Sie "war nach damaligem Stand inhaltlich korrekt und nicht zu beanstanden", sagte Ortseifen.

Den Absturz eine Woche später habe die Deutsche Bank ausgelöst, indem sie ihre Geschäftsbeziehungen zur IKB einfror und die langjährigen Handelslinien schloss, so Ortseifen. Dies sei vom Markt als "Fanal gegen die IKB" angesehen worden, habe zur Zerstörung der Reputation der IKB geführt und eine "Vertrauensstörung" ausgelöst. Ortseifen kündigte eine zwei Tage dauernde Aussage an, um seine Ansicht zu untermauern. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe umgehend zurück: Sie habe die Krise der IKB nicht verursacht, sagte ein Sprecher der Bank.

Vorsitzende Richterin: Pressemitteilung irreführend

Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer verkündete, dass die Strafkammer "nach vorläufiger Bewertung" zu dem Ergebnis gekommen sei, dass die Pressemitteilung sehr wohl irreführend gewesen sei. Staatsanwalt Nils Bußee sagte, die Pressemitteilung habe bereits absehbare Ausfallrisiken von 171 Millionen US-Dollar nicht erwähnt. Sie habe stattdessen den Eindruck erweckt, die IKB sei insgesamt lediglich mit einem einstelligen Millionenbetrag von der Hypothekenkrise betroffen.

Ortseifens Verteidiger Rainer Hamm sagte, es sei seinem Mandanten nicht anzulasten, wenn die Mitteilung angesichts der komplexen Materie sogar von Analysten falsch verstanden worden sei. Der IKB-Vorstand sei nicht befugt gewesen, für die rechtlich eigenständigen Zweckgesellschaften Angaben zu machen. Die Krise der IKB war durch strukturierte Wertpapiere in den Zweckgesellschaften der IKB entstanden, die auf zweitklassigen US-Immobilienkrediten fußten.

Außerhalb der Bilanz hatte die IKB Chart zeigen diese Gesellschaften wie die Rhineland Funding und Rhinebridge mit einem Volumen von 17 Milliarden Euro in strukturierten Wertpapieren aufgebaut.

Erste deutsche Krisenbank

Die IKB war im Sommer 2007 die erste deutsche Bank, die in den Sog der schon damals aufkeimenden US-Immobilienkrise geraten war. Eine Woche nach der Pressemitteilung stand die IKB wegen ihrer US-Hypothekenanlagen kurz vor der Insolvenz. Der Kurs ihrer Aktie rutschte in den Keller. Nur mit einem rund zehn Milliarden Euro schweren Darlehen ihrer damaligen Hauptaktionärin, der staatlichen Förderbank KfW, sowie des Bundes und privater Banken konnte ein Kollaps der IKB verhindert werden.

Für das Verfahren sind zunächst 15 Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt. Bei einer Verurteilung droht Ortseifen eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft.

wit/ddp/dpa/AFP



insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Liberalitärer, 15.03.2010
1.
Zitat von sysopDer Prozess gegen Stefan Ortseifen, der die Mittelstandsbank IKB an den Rande der Pleite führte, ist das erste Verfahren zur Finanzkrise. Doch in der Anklage gehe es nur um Nebensächlichkeiten, sagen Kritiker. Kann der Prozess trotzdem zum Präzedenzfall für den Umgang mit Bankern werden?
Nein, die Politiker auf der Anklagebank fehlen.
Jojomax, 15.03.2010
2. Wenigstens ein Anfang
Ich finde schon, dass dies zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist. Aber mit Samthandschuhen sollte man die Banker bitte nicht anfassen - wenn man als Normalo schlecht in seinem Job ist respektive falsche Entscheidungen trifft werden in der Regel auch gewisse Konsequenzen gezogen - bis hin zur Entlassung. Bisher wurde gegen "spekulationswütige" bzw "fehlinvestierende" Banker gar nichts unternommen. Vllt ist das ja der Stein, der das Lawinchen ins Rollen bringt. Es sei denn unsere traumhaft plakative Regierungschefin bezeichnet nun nicht nur die Banken, sondern auch die Banker als Systemrelevant, dann wird es wohl nichts damit, Bankern die Konsequenzen ihres Fehlverhaltens vor Augen zu führen. Natürlich ist es damit nicht getan, es müssen klare Regeln und Sanktionen aufgestellt bzw verhängt werden, damit solcherlei Geschäfte gezielt unterbunden werden. Und sollte es doch noch mal zu solch einer "Krise" kommen, sollte man vllt auf das Rezept aus Schweden zurückgreifen; Teilverstaatlichen und neu aufbauen, wenn es anders nicht geht. Aber man sollte diese Entwicklung beobachten, auch wenn ich nicht glaube, dass am Ende größere Konsequenzen gezogen werden.
atzigen 15.03.2010
3. ??????
Zitat von sysopDer Prozess gegen Stefan Ortseifen, der die Mittelstandsbank IKB an den Rande der Pleite führte, ist das erste Verfahren zur Finanzkrise. Doch in der Anklage gehe es nur um Nebensächlichkeiten, sagen Kritiker. Kann der Prozess trotzdem zum Präzedenzfall für den Umgang mit Bankern werden?
Wo um himmelswillen gibt es ein Gesetz das Innkompetenz und Dummheit unter Strafe stellt? Was ist mit der Mehrheit der Lehrbeauftragten an den Hochschulen. Die Politiker. Die Unternehmer Die Notenbanker Und die Medien die abgesehen von Ausnahmen( Etwa der Spiegel der die Entwiklungen in der Vergangenheit zumeist kritisch Fundiert, komentiert hat) durch geradezu naiv dümmliche Arbeit glänzt.
Humpensepp 16.03.2010
4.
Zitat von JojomaxIch finde schon, dass dies zumindest ein Schritt in die richtige Richtung ist. Aber mit Samthandschuhen sollte man die Banker bitte nicht anfassen - wenn man als Normalo schlecht in seinem Job ist respektive falsche Entscheidungen trifft werden in der Regel auch gewisse Konsequenzen gezogen - bis hin zur Entlassung. Bisher wurde gegen "spekulationswütige" bzw "fehlinvestierende" Banker gar nichts unternommen. Vllt ist das ja der Stein, der das Lawinchen ins Rollen bringt. Es sei denn unsere traumhaft plakative Regierungschefin bezeichnet nun nicht nur die Banken, sondern auch die Banker als Systemrelevant, dann wird es wohl nichts damit, Bankern die Konsequenzen ihres Fehlverhaltens vor Augen zu führen. Natürlich ist es damit nicht getan, es müssen klare Regeln und Sanktionen aufgestellt bzw verhängt werden, damit solcherlei Geschäfte gezielt unterbunden werden. Und sollte es doch noch mal zu solch einer "Krise" kommen, sollte man vllt auf das Rezept aus Schweden zurückgreifen; Teilverstaatlichen und neu aufbauen, wenn es anders nicht geht. Aber man sollte diese Entwicklung beobachten, auch wenn ich nicht glaube, dass am Ende größere Konsequenzen gezogen werden.
Ihnen ist schon bewusst, dass es hier nicht um die bloße Entlassung geht, die bei "Managern" ohnehin wesentlich einfacher ist, als bei Angestellten??? Und was für Geschäfte sollen denn unterbunden werden? Der Erwerb hypothekarisch abgesicherter Darlehen, die bisdahin als besonders sicher galten? Oder die Veröffentlichung falscher Ahoc-Mitteilungen? Die ist nämlich schon verboten. Teilverstaatlichung??? Meine Güte, haben Sie sich mal die Mühe gemacht, nachzusehen, wer Haupteigentümer der IKB ist und war???
Ghost12 16.03.2010
5.
Zitat von sysopDer Prozess gegen Stefan Ortseifen, der die Mittelstandsbank IKB an den Rande der Pleite führte, ist das erste Verfahren zur Finanzkrise. Doch in der Anklage gehe es nur um Nebensächlichkeiten, sagen Kritiker. Kann der Prozess trotzdem zum Präzedenzfall für den Umgang mit Bankern werden?
Verstöße gegen Wertpapierrecht werden in Deutschland quasi nie geahndet. Und niemals schmerzhaft für die Beschuldigten. Landgericht Düsseldorf? Dann ist doch sowieso alles klar... Und 375 km Aktenordner...kann man sofort am ersten Tag einen Deal machen- "Veruteilung bei Nebensächlichkeiten", kleine Bewährung. Und dann Konzentration auf die Pressemitteilungen und Staatsanwalt kann frisch-frisiert vor dem Kameras von "Rechtsstaat" faseln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.