Verdacht auf Geldwäsche und Steuerbetrug Razzia bei Ex-IWF-Chef Rato

Der frühere IWF-Chef wurde vorübergehend festgenommen, seine Wohnung durchsucht: Die spanische Justiz hat Rodrigo Rato wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche im Visier. Sie will wissen, woher Millionen stammen, die in der Schweiz lagen.

Ex-IWF-Chef Rato in Begleitung von Ermittlern: Razzia in der Wohnung
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Ex-IWF-Chef Rato in Begleitung von Ermittlern: Razzia in der Wohnung


Von Juni 2004 bis Oktober 2007 gehörte Rodrigo Rato als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu den Mächtigen im globalen Finanzsystem. Inzwischen ist der 66-Jährige ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Die spanische Polizei durchsuchte am Donnerstag die Wohnung und Büros von Rato. Er wurde vorübergehend festgenommen, ist aber inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Die Durchsuchungen stünden im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Rato wegen Steuerbetrugs und Geldwäsche bei seinem privaten Vermögen, sagte ein Sprecher der spanischen Justizbehörde. Die Staatsanwaltschaft hatte die Durchsuchung von Ratos Haus angeordnet. Ratos Anwältin Oliva-Ayala wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern.

"Ich habe Vertrauen in die Justiz und habe aktiv mit ihr kooperiert", sagte Rato der staatlichen spanischen Nachrichtenagentur Efe. Der zuständige Ermittlungsrichter habe die Freilassung des Ex-IWF-Chefs angeordnet, hieß es. Mit der vorübergehenden Festnahme sollte demnach verhindert werden, dass Rato während der Razzia Beweismaterial vernichtet. Laut Efe wurde sein Büro am Freitag weiter durchsucht.

Bei den Ermittlungen soll es um die Frage gehen, woher 6,2 Millionen Euro stammen, die Rato 2012 im Rahmen einer allgemeinen Steueramnestie aus der Schweiz nach Spanien transferiert haben soll.

Laut den Zeitungen "El País" und "El Mundo" haben die spanischen Behörden ermittelt, dass Rato in Steuerparadiesen Unternehmen auf die Namen seiner Ex-Frau, seiner drei Kinder, seiner Schwester und auch einer Nichte gegründet haben soll.

Auch in einen Bankenskandal ist Rato verwickelt

Gegen Rato wird bereits in zwei anderen Affären ermittelt, darunter wegen Betrugs und Bilanzfälschung beim Börsengang der Bank Bankia im Jahr 2011. Ende 2010 wurde Rato Präsident des Unternehmens, im 2012 verließ er es wieder. Bankia ist zum Symbol für Spaniens Finanzkrise geworden. 2011 ging die Bank an die Börse, kaum ein Jahr später rettete sie der Staat mit Milliarden vor dem Kollaps. Hunderttausende Kleinaktionäre verloren dabei Geld. Inzwischen wird vor Gericht untersucht, ob es Fehler beim Börsengang gab. In der Bankia-Affäre ist Rato bereits seit einiger Zeit im Visier von Ermittlern.

Rato war nicht nur IWF-Chef, sondern von 1996 bis 2004 auch spanischer Wirtschaftsminister. Er wurde damals als Vater des spanischen Wirtschaftswunders bejubelt. Inzwischen gilt er in Spanien als Verkörperung der grassierenden Korruption.

Auch Ratos politische Bilanz als spanischer "Superminister" wird heute sehr kritisch gesehen. Zwar sanken in seiner Amtszeit das Defizit und die Arbeitslosigkeit deutlich, allerdings stützte sich der Boom zu einem großen Teil auf Wildwuchs in der Bauwirtschaft und wurde mit Krediten finanziert. Die Immobilienblase platzte 2008, und noch heute leidet das Land mit einer Arbeitslosenrate von mehr als 23 Prozent an den Folgen.

Verheerende Bilanz beim IWF

Auch beim IWF stellte man ihm im Nachhinein ein schlechtes Zeugnis aus. 2011 bilanzierten interne Kontrolleure des IWF, in Ratos Amtszeit habe der Währungsfonds nur wenige klare Warnungen über die Risiken und die Verwundbarkeit der Finanzmärkte ausgesprochen und jene Gefahren, die den Crash 2008 ausgelöst hätten, systematisch heruntergespielt.

Rato gilt in Spanien als bestens vernetzt. Der Sohn eines reichen Unternehmers besaß schon als junger Mann Beteiligungen an rund 20 Firmen. Er studierte Jura und Betriebswirtschaft. In den Achtzigerjahren gehörte er zur jungen Garde der konservativen Volkspartei (PP) und war ein enger Freund des späteren Ministerpräsidenten José Aznar. Mit dem aktuellen Regierungschef Mariano Rajoy soll er ebenfalls eng verbunden sein - obwohl dieser ihn im Oktober 2014, als sich die Negativschlagzeilen häuften, zum Parteiaustritt überredete.

Seine Festnahme ist für die Regierung dennoch ein harter Schlag. Ende des Jahres wird in Spanien gewählt und die PP ist ohnehin von vielen Korruptionsskandalen erschüttert. Die oppositionellen Sozialisten (PSOE) forderten die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses und eine sofortige Anhörung von Ministerpräsident Rajoy im Parlament.

mmq/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 13 Beiträge
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sting111 17.04.2015
1. Es scheint normal
fuer IWF Chefs mit der Justiz in Konflikt zu kommen.
Greggi 17.04.2015
2. Passt doch alles ...
wie die Faust aufs Auge. Das also ist die Führungselite. Der eine fällt über Zimmermädchen her, der andere schafft Millionen ins Ausland.
Eppelein von Gailingen 17.04.2015
3. Der IWF kommt auch nicht gerade aus den Negativ-Schlagzeilen
Kaum ist das Theater um Strauss-Kahn'sche Sextheater mit dem Zimmermädchen in New York etwas vergessen, kommt ein anderer bis jetzt mysteriöser Fall von jonglierten Millionen unbekannter Herkunft in die Schlagzeilen. Dieses Mal soll es ein Spanier sein. Sind nur noch Ganoven im Posten-Schacher unterwegs?
rodolfo-castala 17.04.2015
4. armes Spanien
Ratos Millionen sind doch nur peanuts im Vergleich mit dem Milliarden-Vermögen des früheren katalonischen Regierungschefs Jordi Pujol und seiner 7 Kindern, der in 1994 mit einem Verdienstkreuz des Landes Baden Württemberg ausgezeichnet wurde.
eckawol 17.04.2015
5. Rato wollte nicht begreifen,
dass sich auch sein Land wandelt und in Spanien die bisher üblichen Eskapaden der sogenannten Führungseliten weiter extensiv geduldet werden.
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