Industrieflaute in Deutschland Experten prophezeien Rezession in Euro-Zone

Die Euro-Krise macht der deutschen Wirtschaft zu schaffen, im Juni hat die Industrie deutlich weniger Aufträge an Land gezogen. Zudem schrumpft das Bruttoinlandsprodukt in Italien. Analysten warnen, dass die gesamte Euro-Zone in die Rezession rutschen könnte.
Stahlwerk in Salzgitter: Sinkende Nachfrage nach Produkten aus Deutschland

Stahlwerk in Salzgitter: Sinkende Nachfrage nach Produkten aus Deutschland

Foto: dapd

Rom - Lange schien es, als sei die deutsche Wirtschaft immun gegen die Schuldenkrise. Doch zuletzt mehren sich die Anzeichen, dass es damit bald vorbei sein könnte. Am Dienstag sind nun Auftragszahlen der deutschen Industrie veröffentlicht worden - sie weisen darauf hin, dass die Krise der Bundesrepublik zusetzt. Die Aufträge schrumpften im Juni so stark wie seit November 2011 nicht mehr: um 1,7 Prozent.

Die Inlandsnachfrage ging um 2,1 Prozent zurück, die Auslandsaufträge um 1,5 Prozent. "Das macht sehr deutlich, dass die deutsche Binnenkonjunktur nicht gegen Rückschläge immun ist", sagte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Das Risiko sei recht hoch, dass vor allem die Nachfrage nach deutschen Exportschlagern wie Maschinen und Autos unter der Unsicherheit leiden dürfte, die von der Schuldenkrise ausgehe.

Ökonomen gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal nur noch um 0,2 Prozent gewachsen ist. Zu Jahresbeginn hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt noch um 0,5 Prozent zugelegt. Damit bewahrte die größte europäische Volkswirtschaft die Euro-Zone insgesamt vor einer Rezession - also einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung in mindestens zwei aufeinander folgenden Quartalen.

Doch lange werde sich die Rezession nicht mehr vermeiden lassen, sagen Experten.

Nach einer Reuters-Umfrage unter Analysten dürfte das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone insgesamt um 0,3 Prozent fallen. Offiziell werden diese Daten kommende Woche bekanntgegeben. Und auch für das dritte Quartal zeichnet sich ein erneutes Minus ab. Darauf weisen Konjunkturindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex im Juli hin.

Für Italien rechnet der Industrieverband Confindustria 2012 mit einem Minus von 2,4 Prozent - das wäre doppelt so viel wie von der Regierung prognostiziert. Zum erneuten Rückgang im Frühjahr dürften die schweren Erdbeben beigetragen haben, die die Emilia-Romagna erschütterten und dort viele Industriebetriebe lahmgelegt haben. Experten sehen den Hauptgrund für die Misere aber in den harten Sparmaßnahmen der Regierung. "Sie belasten die Wirtschaft", sagte Analyst Vincenzo Bova von MPS Capital Services. "Private wie staatliche Investitionen und Konsumausgaben sind besonders stark gefallen."

Der Einzelhandelsverband geht davon aus, dass 2012 die Konsumausgaben pro Kopf so stark zurückgehen wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Im Kampf gegen die Schuldenkrise hat die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti Ende 2011 Sparmaßnahmen von mehr als 20 Milliarden Euro durchgesetzt - vor allem Steuererhöhungen. Mit neuen Sparmaßnahmen versucht Monti, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Die Regierung gewann am Dienstag eine Vertrauensabstimmung im Parlament über zusätzliche Einsparungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro.

cte/Reuters
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