Konjunktur Export boomt, Stimmung kühlt sich ab

Deutschlands Wirtschaft ist im ersten Quartal deutlich gewachsen. Hauptgrund ist ein Anstieg der Exporte. Doch die Aussichten sind düster: Die Industrie ist im Mai so stark geschrumpft wie seit fast drei Jahren nicht mehr, auch der Ifo-Geschäftsklimaindex ist gesunken.

Frachtschiff am Hamburger Hafen: Starker Außenhandel
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Frachtschiff am Hamburger Hafen: Starker Außenhandel


Wiesbaden - Der starke Außenhandel hat Deutschlands Wirtschaft zum Jahresanfang ein deutliches Plus beschert. Gegenüber dem Vorquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2011 legte die Wirtschaftsleistung gar um 1,7 Prozent zu.

Wachstumstreiber waren am Jahresanfang die Exporte: Von Januar bis März 2012 wurden preisbereinigt 1,7 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im Vorquartal. Da die Importe auf dem Niveau des Vorquartals verharrten, lieferte der Außenhandel insgesamt einen Wachstumsbeitrag von 0,9 Prozentpunkten und stützte damit die gute Entwicklung des BIP.

Dank der wachsenden weltweiten Nachfrage nach deutschen Produkten ist die Konjunktur überraschend rasant gewachsen. Im Schlussquartal 2011 hatte es für das deutsche BIP mit einem Minus von 0,2 Prozent den ersten kleinen Dämpfer seit der Wirtschaftskrise 2009 gegeben.

Ökonomen erwarten, dass Deutschland auch in den kommenden Quartalen auf Wachstumskurs bleibt. Insgesamt liegen die BIP-Prognosen für das Gesamtjahr zwischen einem halben und über einem Prozent. Allerdings erwarten die Experten, dass sich der Aufschwung etwas abschwächt.

Industrie beschleunigt Talfahrt

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: Die deutsche Industrie ist einer Umfrage zufolge im Mai so stark geschrumpft wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,2 auf 45,0 Punkte, teilte das Markit-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Das ist der tiefste Stand seit Juni 2009. Das Barometer entfernte sich damit weiter von der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Der Dienstleistungssektor dagegen wächst weiter, hier liegt das Barometer bei 52,2 Punkten. Nimmt man beide Sektoren zusammen, schrumpfte die gesamte deutsche Privatwirtschaft erstmals seit sechs Monaten wieder. Der entsprechende Index sackte um 0,9 ab - auf jetzt 49,6 Zähler.

Die verschärfte Euro-Schuldenkrise hat den Managern in der deutschen Wirtschaft erstmals seit Monaten die Stimmung verhagelt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Mai unerwartet stark um drei auf 106,9 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte.

Damit sank das an den Märkten viel beachtete Barometer erstmals seit Oktober. Stärker war es zuletzt im Sommer 2011 eingebrochen. "Die deutsche Wirtschaft steht unter dem Eindruck der in letzter Zeit gestiegenen Unsicherheit im Euroraum", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
uezegei 24.05.2012
1. Wenn die Wirtschaft schrumpft..
..und in Folge dessen die Steuereinnahmen weg brechen, wird man sehen, ob es der Kanzlerin und allen anderen Ernst ist, mit den Sparbemühungen, oder ob dann auch D plötzlich vor Sachzwängen steht, die die Schuldenbremse als Bremse ohne Bremsklötze aussehen lässt.
muellerthomas 24.05.2012
2.
Zitat von uezegei..und in Folge dessen die Steuereinnahmen weg brechen, wird man sehen, ob es der Kanzlerin und allen anderen Ernst ist, mit den Sparbemühungen, oder ob dann auch D plötzlich vor Sachzwängen steht, die die Schuldenbremse als Bremse ohne Bremsklötze aussehen lässt.
Man kann nur darauf hoffen, dass die Regierung dann nicht versucht, die Ausgaben ständig den sinkenden Einnahmen anzupassen.
james-100, 24.05.2012
3.
Zitat von uezegei..und in Folge dessen die Steuereinnahmen weg brechen, wird man sehen, ob es der Kanzlerin und allen anderen Ernst ist, mit den Sparbemühungen, oder ob dann auch D plötzlich vor Sachzwängen steht, die die Schuldenbremse als Bremse ohne Bremsklötze aussehen lässt.
Oh doch, diese Regierung wird ebenfalls ein Sparpaket nach dem anderen auflegen, welche aber selbstredend nur die sogenannten kleinen Leute hart treffen wird.
impeerator 24.05.2012
4. Typische mediale Übertreibung
Wie es in den Medien in den letzten Jahren üblich geworden ist, wird auch hier mal wieder vollkommen übertrieben. Erstens sagt der Geschäftsklimaindex nichts darüber aus, ob die Wirtschaft tatsächlich geschrumpft ist. das wird man erst nach Ende des Monats Mai überhaupt sehen können. Der Geschäftsklimaindex ist meiner Meinung nach ein undurchsichtiger Schätzwert, der eigentlich nur aussagt, ob die befragten Manager gerade in guter oder schlechter Stimmung waren. Über die tatsächliche Wirtschaftslage sagt das Ganze so gut wie nichts aus. Zweitens: Wenn das Wachstum nachlässt, dann kann man das nicht als Schrumpfung bezeichnen. Das wird von Journalisten gern verwechselt. Ein geringeres Wachstum ist immer noch ein Wachstum, und keine Schrumpfung. Da heißt es dann auch gerne mal "Die Wirtschaft bricht ein", wenn lediglich das Wachstum etwas nachgelassen hat. Ob das nun bewusste Panikmache oder einfach Ahnungslosigkeit der Journalisten ist, ist mir ein Rätsel. Mal nebenbei: Mögen doch die Journalisten mal ein bisschen auf die Wahl der richtigen Ausdrücke achten. Zwischen Vormonat und Vorjahresmonat gibt es einen großen Unterschied, der dem Schreiberling dieses Artikels manchmal nicht mehr bewusst gewesen zu sein schien. Denn verwechselt beides ab und zu, wodurch die Aussagen einfach falsch werden.
derjansel 24.05.2012
5.
Zitat von muellerthomasMan kann nur darauf hoffen, dass die Regierung dann nicht versucht, die Ausgaben ständig den sinkenden Einnahmen anzupassen.
Ahm, wie bitte? Also was genau meinen Sie damit? Soll etwa mehr ausgegeben werden während die Einnahmen sinken oder wie ist es gemeint? Leider vermasselt unsere Regierung es gerade durch die steigenden Einnahmen mal die Schulden zu verringern, sie bekommens nicht hin...
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