Konjunktur EZB bleibt bei Nullzinspolitik

Die Europäische Zentralbank behält ihren Kurs bei. Sie belässt den Leitzins der Eurozone unverändert bei null Prozent.
EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Geldschleusen im Euroraum trotz steigender Inflation weit geöffnet. Der EZB-Rat beließ bei seiner Sitzung am Donnerstag den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, auf dem Rekordtief von null Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Ökonomen hatten nach der jüngsten Verlängerung der Geldflut keine Veränderungen erwartet.

Erst im Dezember hatten die Währungshüter ihr gewaltiges Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere bis mindestens Ende 2017 ausgedehnt. Von April an will die Notenbank allerdings monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt bisher 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen. Viele Volkswirte hatten dies als Signal gewertet, dass die EZB allmählich zur Normalität zurückkehrt.

Das viele billige Geld soll im Idealfall die Konjunktur ankurbeln und auch die Teuerung anheizen. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko. Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben in der Erwartung, dass es bald noch billiger wird. Das könnte im Extremfall die Wirtschaftsentwicklung abwürgen. (Wie Deflation entsteht, wird in dieser Bilderstrecke erklärt.)

Zuletzt hatten jedoch steigende Energiepreise die Inflation im Euroraum angefacht. Im Dezember stieg die Teuerung im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozent - der stärkste Zuwachs seit mehr als drei Jahren. Die EZB strebt mittelfristig für den gemeinsamen Währungsraum eine Inflation von knapp unter 2,0 Prozent an.

Politiker und Ökonomen in Deutschland nahmen den jüngsten Anstieg der Teuerung zum Anlass, den Druck auf die EZB zu erhöhen: Die Notenbank müsse jetzt das Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik einläuten. Sparer leiden seit Jahren unter den extrem niedrigen Zinsen - wobei andererseits Kreditnehmer profitieren.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte jedoch schon im Dezember Hoffnungen auf eine baldige Wende hin zu höheren Zinsen gedämpft: Die EZB werde noch "für lange Zeit" an den Märkten präsent sein, hatte Draghi vor sechs Wochen betont. Die von globalen Krisen gebeutelte Wirtschaft des Währungsraums sei noch auf die Finanzspritzen aus dem Eurotower angewiesen. Der EZB-Rat habe bisher nicht einmal über den Einstieg in den Ausstieg aus der Nullzinspolitik diskutiert. Dass Europa vor einem unsicheren politischen Jahr mit zahlreichen Wahlen steht, dürfte die Währungshüter in ihrem beständigen Kurs bestärken.

mik/dpa-AFX
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.