Geringe Inflation Draghi stellt weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht

EZB-Chef Mario Draghi hat angesichts der geringen Inflation in der Eurozone zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihekäufe ins Spiel gebracht. Die Anleger reagierten umgehend.

Mario Draghi im November 2018 in Frankfurt
Ralph Orlowski / REUTERS

Mario Draghi im November 2018 in Frankfurt


Zwei Prozent beträgt die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) für die Inflation im Euroraum. Doch im Mai legte die Teuerung lediglich um 1,2 Prozent zu nach 1,7 Prozent im April. Nun hat EZB-Präsident Mario Draghi eine noch lockerere Geldpolitik in Aussicht gestellt.

Wenn keine Verbesserung eintrete, werde ein zusätzlicher geldpolitischer Anschub erforderlich sein, sagte Draghi am Dienstag auf dem EZB-Notenbankforum im portugiesischen Sintra. "In den nächsten Wochen wird der EZB-Rat überlegen, wie unsere Instrumente entsprechend der Größe des Risikos für die Preisstabilität angepasst werden können."

Es gebe erheblichen Spielraum für weitere Anleihekäufe. Zudem gehörten erneute Zinssenkungen und Maßnahmen, um unerwünschte Nebenwirkungen der anhaltend ultralockeren Geldpolitik einzudämmen, zu den Werkzeugen. Die Indikatoren für die kommenden Quartale deuteten auf eine anhaltende Konjunkturschwäche hin.

"Wir werden alle Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen", sagte Draghi. Neben der Inflationsentwicklung bereitet der EZB die konjunkturelle Unsicherheit wegen der US-Handelskonflikte sowie die Brexit-Hängepartie Sorgen.

Die EZB hatte unlängst auf ihrer Zinssitzung in Vilnius in Aussicht gestellt, angesichts gestiegener Konjunkturrisiken an ihren Leitzinsen noch bis mindestens zum Sommer 2020 festzuhalten. Draghi hatte nach dem Treffen zudem betont, man halte sich angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten alle Optionen offen. Insidern zufolge ist die Notenbank sogar offen für eine Zinssenkung, falls sich das Wirtschaftswachstum im weiteren Jahresverlauf abschwächen sollte.

Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen auf Rekordtief

Der Leitzins liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von null Prozent. Der Strafzins für geparktes Geld von Banken, der sogenannte Einlagensatz, beträgt derzeit minus 0,4 Prozent.

Der Euro gab nach den Aussagen Draghis um einen halben Cent nach. An den europäischen Kapitalmärkten sanken die Renditen deutlich. In Deutschland fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief.

Die Hoffnung auf konjunkturelle Unterstützung durch die EZB sorgte an der Börse für Auftrieb. Der Leitindex Dax Chart zeigen stieg bis zum Dienstagmittag um 0,80 Prozent auf 12.182 Punkte.

Draghi habe die Markterwartungen mit Blick auf weitere geldpolitische Lockerungen erneut angeheizt, sagte Elmar Völker, Analyst bei LBBW Research. "Falls es im Rahmen des G20-Gipfels nicht zu einer Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China kommt, dürften geldpolitische Lockerungsmaßnahmen aus dem Euro-Tower eine fast sichere Angelegenheit sein."

mmq/Reuters/dpa

insgesamt 158 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fridericus1 18.06.2019
1. Draghi ...
... ist Italiener. Denen laufen gerade die Kosten für Ihre Staatsanleihen aus dem Ruder, weil sie inkompetente Scharlatane an die Macht gewählt haben. Die Politik dieses Herren beschert Europa erodierende Pensionsfonds und Stiftungen, zerbröckelnde Altervorsorgen und explodierende Mieten in Häusen, die zu Spekulationsobjekten geworden sind. Wann hat das mal ein Ende???
schmuella 18.06.2019
2. Verrückt: Anleger zahlen für ihre Einlagen
Der Bund-Future ist auf 172,50 gesprungen nach Bekanntwerden der Aussagen. Das bedeutet, wer sein Geld in deutsche Anleihen steckt, zahlt auf die Sicht von 10 Jahren 12,5% Zinsen bzw. 1,25% Zinsen jährlich. Zu diesem Geldverlust gesellt sich die Inflation. Völlig verrückte Welt.
De facto 18.06.2019
3. Ein affront
Der Euro wird künstlich niedrig gehalten mit Negativzinsen und Anleihenkäufe. IMF hat gerade bestätigt dass der Euro ca. 20 Prozent unterbewertet ist. Langsam sind die von USA geplante Zölle von 25 Prozent mehr als gerechtfertigt.
hannesmann 18.06.2019
4.
Seit wann ist Wirtschaftspolitik eigentlich Aufgabe der EZB? Die Stabilität des Euro ist wohl die zentrale Aufgabe von Draghi und Co.. An dieser Aufgabe ist die EZB bisher kläglich gescheitert. Weder konnte die selbst gesetzt Zielmarke von ca. 2% erreicht werden noch hat die Geldschwemme bisher die Wirtschaft angekurbelt. Das Gegenteil ist der Fall. Unter dem Begriff "Liquiditätsfalle" kann jeder mal googeln weshalb genau das Gegenteil mit der Geldpolitik der EZB erreicht wird. Stattdessen sinkt der Außenwert des Euro seit Draghi kontinuierlich ab und im Gegenzug steigen die Vermögenspreise. Genau das Gegenteil von Stabilität. Draghi sorgt für die größte Umverteilung von Unten nach Oben seit ewigen Zeiten. Aber die Börsen jubeln.
Smarty- 18.06.2019
5.
Zitat von fridericus1... ist Italiener. Denen laufen gerade die Kosten für Ihre Staatsanleihen aus dem Ruder, weil sie inkompetente Scharlatane an die Macht gewählt haben. Die Politik dieses Herren beschert Europa erodierende Pensionsfonds und Stiftungen, zerbröckelnde Altervorsorgen und explodierende Mieten in Häusen, die zu Spekulationsobjekten geworden sind. Wann hat das mal ein Ende???
Wenn man die Altersvorsorge natürlich dem Finanzmarkt überlässt, kann das eben in einer solchen Niedrigzinsphase extrem bedrohlich werden mit den Pensionsfonds. Herr Draghi fürchtet anscheinend eine Deflation, daher diese Ankündigung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.