EZB-Anleihekaufprogramm Draghis Multi-Milliardenspritze rettet Italien - vorerst

Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte. Das rettet vor allem italienische Banken. Doch wann steigt EZB-Chef Draghi aus der ultralockeren Geldpolitik aus? Die wichtigsten Antworten.
Europäische Zentralbank.

Europäische Zentralbank.

Foto: Arne Dedert/ dpa

Denn die für das Land so wichtigen Reformen werden womöglich nicht durchgesetzt. Mehrere angeschlagene Banken sind mit faulen Krediten überladen und brauchen frisches Kapital.

Mit großer Spannung war deshalb erwartet worden, wie die Europäische Zentralbank (EZB) auf das gescheiterte Referendum in Italien reagieren würde.

Was hat die EZB beschlossen?

Die EZB verlängert ihr Anleihen-Kaufprogramm zur Stützung der Konjunktur um neun Monate bis mindestens Ende Dezember 2017. Das ist länger als die meisten Volkswirte erwartet hatten. Das monatliche Volumen von derzeit 80 Milliarden Euro soll aber ab April auf 60 Milliarden gesenkt werden. Zusammengenommen stellen die Währungshüter der Wirtschaft im nächsten Jahr 540 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung.

Die EZB macht damit einen Kompromiss: Sie kauft Anleihen für längere Zeit, aber ab April mit geringerem Umfang. Und die EZB bleibt flexibel. Sie hält sich offen, die Kürzung wieder rückgängig zu machen, wenn sich die wirtschaftliche Erholung in Europa abschwächen sollte. Laut EZB-Präsident Mario Draghi werde man notfalls auch über das Jahresende 2017 hinaus Anleihen kaufen, sollte die Inflation nicht wie angestrebt anziehen.

Bereits seit Januar 2015 kauft Europas Notenbank Staats- und Unternehmensanleihen auf, um die Wirtschaft zu stützen. (Warum sie das macht und wie genau das funktioniert, erfahren Sie in folgendem Erklär-Comic.)

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Erklär-Comic: Warum die EZB massenhaft Staatsanleihen kauft

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Warum verlängert die EZB das Anleihekaufprogramm?

EZB-Präsident Draghi ist aber immer noch nicht zufrieden mit den aktuellen Inflationsraten: Für das kommende Jahr rechnet die Zentralbank mit einer Inflation von 1,3 Prozent - noch immer weit entfernt von der Zielmarke von knapp unter zwei Prozent. Deshalb hält Draghi weiter an seiner expansiven Geldpolitik fest.

Wann ist mit einem Ende der Flutung der Märkte zu rechnen ?

Ein Ende der ultralockeren Geldpolitik der EZB ist nicht in Sicht. "Wir werden für eine lange Zeit an den Märkten präsent sein", sagte Draghi in der Pressekonferenz. Dafür spricht, dass die Eurokrise immer noch nicht gebannt ist. Noch immer leiden südeuropäische Staaten unter ihrer hohen Schuldenlast.

Auch Zinserhöhungen sind vorerst nicht zu erwarten, die Niedrigzinsphase könnte länger als von vielen erwartet andauern. Nach den Prognosen der EZB werde man erst in drei Jahren wieder nahe an das gewünschte Inflationsziel von knapp zwei Prozent herankommen.

Was bedeutet die Entscheidung für Italiens kriselnde Banken?

Durch Draghis Entscheidung an der expansiven Geldpolitik festzuhalten, ist die große Unsicherheit an den Märkten vorerst gebannt. Denn Italiens Schulden hängen maßgeblich an der ultralockeren Geldpolitik. In den Bilanzen der italienischen Banken liegen italienische Staatsanleihen im Volumen von Hunderten Milliarden Euro, die an Wert gewinnen, wenn die EZB sie aufkauft. Zudem hilft das Programm, Italiens Zinslast erträglich zu halten.

Nach der EZB-Entscheidung legte der Aktienkurs der angeschlagenen Monte dei Paschi di Siena um rund vier Prozent zu. Die Aktien von Unicredit verteuerten sich um rund drei Prozent.

Was für Folgen hat das für die Eurozone?

Immer wenn die Regierungen der Eurozone in Nöte geraten, ist die Europäische Zentralbank zur Stelle. So auch heute. Einen Sturm auf die italienischen Banken wird es nicht geben, weil die Investoren wissen, dass die EZB Italien nicht fallenlassen wird.

Damit dämmt die EZB auch die Gefahr ein, dass sich die Unsicherheit in Italiens Finanzsektor auf Staaten wie Spanien, Portugal und Griechenland überträgt und auch dort die Krise der Banken verschärft.

Was bedeutet das für Sparer?

Kleinsparer, die ihr Geld auf dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto angelegt haben, leiden unter Draghis expansiver Geldpolitik. Denn die Banken geben die niedrigen Zinsen an ihre Kunden weiter: Spareinlagen werfen derzeit kaum noch Rendite ab. An dieser Entwicklung hat sich durch die Entscheidung der EZB nichts geändert. Verbraucher sollten in absehbarer Zeit nicht mit steigenden Sparzinsen rechnen.

Anleger, die auf risikoreichere Anlagen wie Aktien setzen, stehen besser da. Denn solange Draghi weiter kräftig Geld in die Märkte pumpt, steigen voraussichtlich auch die Aktienkurse. Denn Investoren lenken das zusätzliche Zentralbankgeld in Aktienanlagen, weil Renditen von Staatsanleihen sinken. Der Dax reagierte positiv auf die Entscheidung der EZB: Er legte um 1,75 Prozent zu und kletterte auf ein neues Jahreshoch.

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