Erhöhung der Strafzinsen Knappes Dutzend EZB-Ratsmitglieder verweigert Draghi Gefolgschaft

Anleihekäufe und ein höherer Strafzins für Banken: In seiner letzten Sitzung als EZB-Chef stieß Mario Draghi mit seinem Konjunkturprogramm nach SPIEGEL-Informationen auf deutlichen Widerstand.

Mario Draghi: Sein Vorstoß traf auf mehr Widerstand als erwartet
Sean Gallup/ Getty Images

Mario Draghi: Sein Vorstoß traf auf mehr Widerstand als erwartet


Bei seinem jüngsten Vorstoß, die geldpolitischen Zügel zu lockern, ist EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag auf den bisher heftigsten Widerstand seiner Amtszeit getroffen.

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Nach SPIEGEL-Informationen fiel die Mehrheit im Zentralbankrat so knapp aus wie nie zuvor, auch wenn Draghi anschließend einen anderen Eindruck vermittelte. Insidern zufolge argumentierte eine zweistellige Zahl des 25-köpfigen Gremiums gegen die von Draghi vorgeschlagenen Maßnahmen. Eine formelle Abstimmung fand nicht statt.

Französische Vertreter unter den Neinsagern

Unter den Neinsagern waren überraschend die beiden französischen Vertreter, das Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré sowie der Chef der Banque de France: François Villeroy de Galhau.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann und das deutsche Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sprachen sich ebenso gegen die Lockerung aus wie der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot.

Der EZB-Rat beschloss unter anderem, den Strafzins für Bankeinlagen von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent anzuheben sowie vom 1. November an wieder Anleihekäufe im Umfang von monatlich 20 Milliarden Euro aufzunehmen. An diesem Tag tritt die neue EZB-Chefin Christine Lagarde ihren Dienst an.

rei

insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 13.09.2019
1. Mehrheit ist Mehrheit!
Wenn auch knapp, aber entschieden! Erstaunlich nur dass die Abstimmung nicht unter der Nachfolgerin getroffen wurde. Sollte da etwas verhindert werden? Zwei Franzosen haben dagegen gestimmt. Das sagt viel aus !
thequickeningishappening 13.09.2019
2. Vielleicht wollten Die Franzosen mehr
Gruende für Die Ablehnung Einer Entscheidung kann man nach beiden Seiten auslegen.
frpromotions 13.09.2019
3. ich persönlich
traue der ezb nicht mehr über den weg. da heisst es, auch ohne die ezb maßnahmen hätten die sparer aufgrund der inflationsrate schon früher keine realen gewinne erzielt. ich frage mich aber trotzdem, wie war das dann früher möglich, zinsen zu zahlen? das möge man mir bitte erklären.
mimas101 13.09.2019
4. Hmm Tja
Eine formelle Abstimmung über das fortgesetzte Draghi-Desaster fand nicht statt. Offensichtlich entscheidet Draghi selbstherrlich und im stillen Kämmerlein alleine und stets zum Wohl der Banken, der maroden Südflanke und seines Ex-Arbeitgebers. Und dann dürfen sich die Deutschen von diesem Mann auch noch sagen lassen das sie selbst an den Strafzinsen schuld sind und er, Draghi, immer nur zum Wohle der Deutschen entschieden habe. Klar doch , der sucht, im Zweifelsfall such spalterisch, bereits einen Sündenbock und versucht auch gleichzeitig den Hauptfinanzier, und das noch zu öffnende Sparschwein, der ECU-Zone bei Laune zu halten.
Nachtsegler 13.09.2019
5. Der €
wird immer mehr zur Belastung. Da kann die Politik uns weiß machen, was sie will, für den Normalbürger solider, schuldenabbauender Staaten wird er zum Instrument der Enteignung. Gut haben es jene EU - Länder, die sich von dieser unseriösen Esperantowährung ferngehalten haben.
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