Erhöhung der Strafzinsen
Knappes Dutzend EZB-Ratsmitglieder verweigert Draghi Gefolgschaft
Anleihekäufe und ein höherer Strafzins für Banken: In seiner letzten Sitzung als EZB-Chef stieß Mario Draghi mit seinem Konjunkturprogramm nach SPIEGEL-Informationen auf deutlichen Widerstand.
Nach SPIEGEL-Informationen fiel die Mehrheit im Zentralbankrat so knapp aus wie nie zuvor, auch wenn Draghi anschließend einen anderen Eindruck vermittelte. Insidern zufolge argumentierte eine zweistellige Zahl des 25-köpfigen Gremiums gegen die von Draghi vorgeschlagenen Maßnahmen. Eine formelle Abstimmung fand nicht statt.
Französische Vertreter unter den Neinsagern
Unter den Neinsagern waren überraschend die beiden französischen Vertreter, das Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré sowie der Chef der Banque de France: François Villeroy de Galhau.
Bundesbankpräsident Jens Weidmann und das deutsche Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sprachen sich ebenso gegen die Lockerung aus wie der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot.
Der EZB-Rat beschloss unter anderem, den Strafzins für Bankeinlagen von 0,4 Prozent auf 0,5 Prozent anzuheben sowie vom 1. November an wieder Anleihekäufe im Umfang von monatlich 20 Milliarden Euro aufzunehmen. An diesem Tag tritt die neue EZB-Chefin Christine Lagarde ihren Dienst an.