Kryptowährung EZB probt Einführung eines digitalen Euro

Digitale Überweisungen sind längst Standard, einen digitalen Euro als Gegenstück zum Bargeld gibt es jedoch noch nicht. Nun plant die Europäische Zentralbank die Einführung einer Kryptowährung.
EZB-Chefin Christine Lagarde unterschreibt im November 2019 den neuen 20-Euro-Schein

EZB-Chefin Christine Lagarde unterschreibt im November 2019 den neuen 20-Euro-Schein

Foto: Ralph Orlowski / REUTERS

Die Europäische Zentralbank plant, ab dem 12. Oktober die Einführung eines digitalen Euros zu testen. Das hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde angekündigt.

"Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern", erklärte Lagarde. "Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digitale Zeitalter gerüstet ist." Bislang hat der EZB-Rat allerdings noch keinen Beschluss gefasst, ob ein digitaler Euro eingeführt werden soll. Bis etwa Mitte 2021 will die EZB entscheiden, ob ein entsprechendes Projekt gestartet werden soll.

Die EZB veröffentlichte dazu einen umfassenden Bericht einer Arbeitsgruppe, der sich mit den Vorteilen und Risiken einer solchen Kryptowährung auseinandersetzt. Der digitale Euro wäre demnach eine elektronische Form von Zentralbankgeld und könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden - wie Bargeld, nur in digitaler Form. "Er würde unser Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen", betonte die EZB. Das Eurosystem werde auch weiterhin Bargeld ausgeben.

In dem Bericht werden den Angaben zufolge mehrere Szenarien durchgespielt - etwa eine erhöhte Nachfrage nach elektronischen Zahlungsmitteln im Euroraum oder eine deutlich geringere Nutzung von Bargeld, was ein "europäisches, risikofreies digitales Zahlungsmittel erforderlich machen" könnte. Auch die Einführung eines weltweiten privaten Zahlungsmittels wie Libra von Facebook ist demnach ein Szenario: Es könnte demnach "aus regulatorischer Sicht bedenklich und mit Risiken für die Finanzstabilität und den Verbraucherschutz verbunden sein".

Fabio Panetta: Digitale Überweisungen kein Kryptogeld

Gegenüber der Tageszeitung "Die Welt"  betonte EZB-Direktor Fabio Panetta, dass ein Krypto-Euro etwas anderes wäre als digitale Überweisungen, die schon längst üblich sind. "Eine digitale Währung, die von der Zentralbank begeben wird und die wir alle im Alltag verwenden können, haben wir nicht. Mit anderen Worten: Uns fehlt das digitale Gegenstück zu den Euro-Banknoten", sagte Panetta.

Der Bankenverband BdB äußerte sich positiv zu den Vorschlägen. "Mit ihrer Position zu digitalem Zentralbankgeld setzt die EZB ein wichtiges Zeichen", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Krautscheid.

Ulrich Bindseil, EZB-Generaldirektor für Marktinfrastrukturen, hatte im Januar ein viel beachtetes Modell vorgestellt. Darin würde jeder Bürger im Währungsraum ein Konto für digitales Zentralbankgeld bei den Notenbanken bekommen können. Bis zu einer bestimmten Summe - etwa 3000 Euro (das durchschnittliche monatliche Netto-Haushaltseinkommen im Euroraum) - würden dort attraktive Zinsen gezahlt, darüber hinaus aber nicht mehr. So soll vermieden werden, dass die Bürger im Krisenfall die Bankschalter stürmen und ihre Konten abräumen.

bah/Reuters/AFP
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