Umstrittene Geldpolitik EZB-Rat besorgt wegen hoher Inflation

Trotz hoher Inflation möchte die Europäische Zentralbank die Zinsen erst einmal nicht anheben, deutet aber einen Kurswechsel an. Der Dax reagiert mit Kursverlusten.
Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Foto: Boris Roessler/ DPA

In der Europäischen Zentralbank (EZB) nehmen die Sorgen wegen der hohen Inflation zu. Im geldpolitischen Rat herrsche durchweg Besorgnis wegen der Entwicklung, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Zinssitzung der Notenbank. Auf der nächsten Sitzung im März werde der mittelfristige Ausblick genauer untersucht. Im Rat sei man sich aber einig, keine Entscheidung ohne eine hinreichende Datengrundlage treffen zu wollen.

Im März werden dem geldpolitischen Ausschuss neue Projektionen des Mitarbeiterstabs vorliegen. Diese Projektionen dienen dem Rat als Entscheidungshilfe. Häufig nimmt er die Projektionen zum Anlass, größere geldpolitische Entscheidungen zu treffen.

Vorerst behält die EZB allerdings ihren ultralockeren geldpolitischen Kurs bei. Bei der ersten geldpolitischen Sitzung im neuen Jahr bestätigte der Rat der EZB den Leitzins im Euroraum auf seinem Rekordtief von null Prozent. Auch an den milliardenschweren Anleihenkäufen hält die Notenbank fest. Der deutsche Leitindex Dax verlor in der Folge rund ein Prozent an Wert.

Die Konjunktur in der Eurozone wird aus Sicht von EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor allem im ersten Quartal 2022 noch gedämpft sein. Als Gründe dafür nannte die Französin anhaltende Einschränkungen zur Bekämpfung der Coronapandemie, Lieferengpässe der Industrie sowie die hohen Energiepreise. Unter Druck stünden weiter die Reisebranche, Veranstalter und Gastronomen. Konsumenten hätten wegen der hohen Inflation weniger Kaufkraft. »Aber die Wirtschaft ist mit jeder Welle in der Pandemie weniger stark betroffen.«

Im Jahresverlauf sollte sich die Lage bessern, ergänzte Lagarde. »Die Wirtschaft im Euroraum erholt sich, und der Arbeitsmarkt verbessert sich.« Bei der Produktion der Unternehmen und beim Konsum sollte es im Jahresverlauf weniger Bremsspuren geben. So sei im Gesamtjahr 2022 mit einem starken Wachstum zu rechnen. Noch müsse die Geldpolitik die Konjunktur aber stützen. Bei den Lieferengpässen, die viele Branchen momentan ausbremsen, gebe es erste Anzeichen für eine allmähliche Normalisierung. Für einige Zeit sei hier aber noch mit Problemen zu rechnen.

Im vierten Quartal 2021 hatte die Konjunktur in der Eurozone aufgrund der Omikron-Infektionswelle deutlich an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte nur noch um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. In Deutschland schrumpfte die Wirtschaft sogar um 0,7 Prozent.

ssu/dpa/Reuters