Kampf gegen die Krise EZB senkt Leitzins auf Rekordtief

Die Europäische Zentralbank macht Ernst: Die Währungshüter senken den Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,5 Prozent. Hintergrund ist die andauernde Rezession in der Euro-Zone.
EZB in Frankfurt: Leitzins auf historischem Tiefstand

EZB in Frankfurt: Leitzins auf historischem Tiefstand

Foto: © Lisi Niesner / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - Eine Zinssenkung soll es richten: Angesichts der andauernden Rezession schwacher Wirtschaftsdaten in der Euro-Zone hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins von 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt. Das teilten die Währungshüter nach ihrer Ratssitzung am Donnerstag mit. Der Schlüsselzins hat damit einen neuen Tiefstand erreicht.

Damit kommen Geschäftsbanken im Euro-Raum so günstig an Zentralbankgeld wie nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999. Die Währungshüter hoffen, dass die Finanzbranche das billige Geld in Form von Krediten an Unternehmen und Verbraucher weiterreichen wird. Ob das geschieht, ist aber unklar - schließlich kann die EZB den wegen der Krise misstrauischen Instituten nicht vorschreiben, wem sie Geld leihen und wem nicht.

Die bisherigen Zinssenkungen hatten jedenfalls nicht den gewünschten Effekt, obwohl das Zinsniveau im Euro-Raum bereits seit Juli 2012 extrem niedrig ist und die EZB den Banken zusätzlich mit langlaufenden Krediten zu extrem günstigen Konditionen unter die Arme griff. So liegt der Zinssatz für Geld, das Banken über Nacht bei der Notenbank parken schon länger bei null Prozent - und bleibt es auch nach der jüngsten Ratsentscheidung.

Zinsentscheid kam nicht überraschend

Eine Mehrheit von Ökonomen hatte dieses Ergebnis der EZB-Ratssitzung erwartet. Allerdings gab es auch eine Reihe von Volkswirten, die konstante Zinsen prognostiziert hatten. Vor allem die Wirtschaft in Europas Krisenländern kommt nicht wie erhofft in Schwung. Griechenland, Italien, Portugal, Spanien - sie alle ächzen unter harten Reformen und hoher Arbeitslosigkeit. Einige Ökonomen, zu denen auch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen gehört, bezweifeln allerdings, dass noch niedrigere Zinsen die schwächelnde Konjunktur tatsächlich anschieben können.

Die EU-Kommission rechnet damit, dass die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone in diesem Jahr erneut schrumpft. Bereits im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt der 17 Mitgliedstaaten der Währungsgemeinschaft um 0,6 Prozent zurückgegangen. In diesem Jahr rechnet die EU mit einem Rückgang um 0,3 Prozent.

Für Deutschland hingegen rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr mit einem leicht gebremsten Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. 2014 könnte die Wirtschaftsleistung demnach aber wieder deutlich anziehen und um 1,6 Prozent wachsen.

Vor dem Zinsentscheid hatte es in der deutschen Öffentlichkeit Diskussionen über eine mögliche Zinssenkung gegeben. Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die Versicherungsbranche in Deutschland hatten sich dagegen ausgesprochen. Die Spitzenverbände der Branchen erklärten, eine neue Zinssenkung wäre "ein falsches Signal für Sparer und alle, die für das Alter vorsorgen". Jede weitere Absenkung lasse "die Sparguthaben schmelzen" und bedeute "einen sinkenden Anreiz für das Sparen und Vorsorgen".

Der Dax   reagierte auf die EZB-Entscheidung so gut wie gar nicht. Vom kurz nach der Bekanntgabe der Zinssenkung erreichten Tageshoch von 7965 Punkte bröckelte der deutsche Leitindex zuletzt wieder leicht ab. Angesichts der in den vergangenen Wochen aufgekommenen Spekulationen sei die Entscheidung bereits weitgehend eingepreist gewesen, kommentierte ein Händler die Kursreaktion.

cte/nck/Reuters/dpa
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