Schwache Konjunktur EZB senkt Zinsen doch noch nicht

Die Europäische Zentralbank rührt den seit März 2016 auf null gesenkten Leitzins nicht an. Auch höhere Strafzinsen für Banken gibt es wider Erwarten vorerst nicht.

EZB-Zentrale in Frankfurt
Daniel ROLAND / AFP

EZB-Zentrale in Frankfurt


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen nicht verändert. Der Zinssatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt bei 0,0 Prozent, teilten die Euro-Wächter mit. Bereits seit März 2016 liegt er auf diesem Niveau.

Auch den sogenannten Einlagensatz beließ die EZB auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Damit müssen Banken weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB überschüssige Gelder parken.

Gleichwohl stellte die EZB angesichts düsterer Wirtschaftsaussichten die Weichen für eine erneute Zinssenkung. In ihrem Ausblick gehen die Währungshüter davon aus, dass die Zinsen mindestens über die erste Hälfte des Jahres 2020 auf ihrem aktuellen Niveau oder "darunter" bleiben werden.

Zudem beauftrage die Notenbank ihre Ausschüsse, alle Optionen zu prüfen, darunter Staffelzinsen sowie erneute Anleihekäufe. Den Kauf frischer Staats- und Unternehmensanleihen hatte die EZB Ende vergangenen Jahres beendet. Die Gelder aus auslaufenden Papieren werden aber vorerst wieder investiert. Seit Längerem wird spekuliert, Europas Währungshüter könnten das vor allem in Deutschland umstrittene Programm wieder aufnehmen.

Zinswende rückt in weite Ferne

Die Aussicht auf den Aufkauf weiterer Anleihen hat die Aktienkurse europäischer Banken stark steigen lassen. Papiere der Deutschen Bank legten um 4,8 Prozent zu, Commerzbank-Titel um 3,1 Prozent.

Eine von Sparern erhoffte und von Kreditnehmern befürchtete Zinswende rückt damit in die Ferne. EZB-Chef Mario Draghi hatte schon im Juni eine weitere Lockerung der Geldpolitik signalisiert, sollte die Inflation nicht anziehen.

Oberstes Ziel der EZB ist eine mittelfristige Teuerungsrate weit genug entfernt von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise können Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft. Im Juni lag die Teuerungsrate im gemeinsamen Währungsraum bei 1,3 Prozent.

Draghi, dessen Nachfolgerin die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde werden soll, hatte jüngst zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihekäufe als denkbar bezeichnet. Sie gehörten zum Instrumentenkasten der EZB. "Wir werden alle Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen", hatte Draghi versichert.

hej/mik/dpa/Reuters



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gluonball 25.07.2019
1. Arbeitslose
So lange es so viele Menschen ohne Arbeit gibt und die Politik nicht in der Lage ist das anders zu ändern begrüße ich das. Es kann nicht sein, dass Millionen Menschen keinen Wohlstand schaffen dürfen.
elkacko 25.07.2019
2.
Vor nicht allzu langer Zeit bekamen Kinder von den Geldinstituten noch Sparschweine geschenkt und wurden so zur Bildung ihrer ersten bescheidenen Rücklagen animiert. Aus und vorbei. Wozu auch? Heute wird belohnt, wer alles auf den Kopf haut oder Kredite aufnimmt. 0 % Zinsen auf Ersparnisse sind noch lange nicht die Untergrenze.
SamuelSpeitelsbach 25.07.2019
3. EZB senkt Zinsen doch noch nicht
"Die Europäische Zentralbank rührt den seit März 2016 auf null gesenkten Leitzins nicht an." Also bitte, sie sollten einfach dafür sorgen, dass wer ein Unternehmen gründen will einfacher Kredite bekommt. Es gibt genug Gründungsideen, allerdings scheitert es an der Bürokratie, dass keine Kredite vergeben werden. Da wird es auch nichts helfen den Leitzins unter Null zu senken, was im Klartext heißt, dass Kommunen einfach Geld geschenkt bekommen.
derleibhaftige 30.07.2019
4. Steuern runter, Löhne rauf !
Geld was der Bürger nicht hat, kann er auch nicht in die Wirtschaft oder in die Altersvorsorge investieren. Weite Teile der Bevölkerungen Europas haben reale Einkommensverluste und das seit über 20 Jahren. Die Mittelschicht ist fast vollständig erodiert, es gibt nur noch reich und arm in seiner allseits bekannten und sehr ungleichen Verteilung. Wenn wir es nicht schaffen, wieder für eine breitere Bevölkerungsschicht einen gewissen Wohlstand zu etablieren, der heute nur noch 10% vorbehalten ist, dann sehe ich schwarz für die kommenden 5 - 10 Jahre. Und mit Wohlstand meine ich mehr als etwas ungesundes industrielles Essen und ein baufälliges Dach über dem Kopf, das von den Kosten teilweise das monatlich verfügbare Einkommen schon vielfach übersteigt. Das Median Netto-Einkommen in Deutschland ist bestenfalls nur noch bemitleidenswert und bewegt sich immer weiter in Richtung Armut. Davon sind keine Impulse mehr zu erwarten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.