EZB-Studie Wenn der Handelsstreit eskaliert, verlieren die USA

In einer Studie hat die Europäische Zentralbank eine Eskalation des Handelsstreits simuliert. Verlierer wäre die globale Wirtschaft insgesamt - vor allem aber die USA.
Die Zentrale der EZB in der Frankfurter Skyline

Die Zentrale der EZB in der Frankfurter Skyline

Foto: Fabian Sommer/ picture alliance / Fabian Sommer

Unter einer Eskalation des Handelsstreits der USA mit China und der Europäischen Union würde vor allem die Wirtschaftsleistung der USA leiden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie , die die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlicht hat.

Die Forscher der EZB simulieren in ihrer Untersuchung die Auswirkungen eines US-Sonderzolls von zehn Prozent auf alle Importe und entsprechende Vergeltungsmaßnahmen in gleicher Höhe. Dies würde zu einer substanziell schlechteren Exportbilanz der Vereinigten Staaten führen: "In unserem Modell investieren US-Firmen weniger und stellen auch weniger Arbeiter ein", schreiben die Notenbanker.

Seit Anfang Juli haben sich die USA und China bereits mit Straf- und Vergeltungszöllen auf Waren im Volumen von insgesamt hundert Milliarden Dollar überzogen. US-Präsident Donald Trump hatte mit dem Erheben von Schutzzöllen begonnen, da er sein Land trotz starker Wachstumszahlen als Verlierer der Globalisierung sieht. Zuletzt hatte China den USA "Handelstyrannei" vorgeworfen.

Auch mit der Europäischen Union befindet sich die US-Regierung im Konflikt: Nachdem Trump im Frühsommer mit Strafzöllen auf europäische Autos gedroht hatte, war Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zum Krisengespräch in die USA gereist und hatte eine Einführung abgewendet.

In der Studie der EZB heißt es, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA könne im ersten Jahr nach Einführung des Sonderzolls um 1,5 Prozentpunkte sinken. Die Berechnung berücksichtigt jedoch nur die direkten Auswirkungen der Zölle auf die betroffenen Unternehmen und damit auf die Wirtschaftsleistung des Landes.

Darüber hinaus würde die Eskalation laut der Studie bei Firmen zu Unsicherheit darüber führen, welche politischen Entscheidungen in Zukunft von der Regierung getroffen werden könnten. Unsicherheit und schwindendes Vertrauen könnten wiederum eine weitere Abnahme von Investitionen nach sich ziehen. Das Wirtschaftswachstum der USA könnte im ersten Jahr daher insgesamt um über zwei Prozentpunkte einbrechen, so die Forscher.

Im Gegensatz zu den USA könnte China laut den Wissenschaftlern leicht profitieren. Zwar müsse auch die Volksrepublik wirtschaftliche Einbußen in Kauf nehmen. Es sei aber wahrscheinlich, dass China im ersten Jahr den Export in dritte Länder steigern könne, wo chinesische Firmen amerikanische verdrängen würden.

Zu den Verlierern der Studie gehört auch die Weltwirtschaft insgesamt: Die Forscher halten einen Wachstumseinbruch der globalen Wirtschaft von bis zu drei Prozentpunkten für möglich.

kko/Reuters