EZB-Studie Vermögen in Griechenland größer als in Deutschland

Sind die Bürger in Krisenländern wie Griechenland reicher als die Deutschen? Diesen Eindruck erweckt eine Studie der Europäischen Zentralbank. Der Vermögensvergleich in den Euro-Ländern hat aber gleich mehrere methodische Mängel.
Yachthafen in Mytilene, Griechenland: Haushalte vermögender als in Deutschland

Yachthafen in Mytilene, Griechenland: Haushalte vermögender als in Deutschland

Foto: Uriel Sinai/ Getty Images

Frankfurt am Main - Die Menschen in europäischen Krisenländern sind laut einer Studie der Europäischen Zentralbank reicher als Bürger in Deutschland. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte beläuft sich demnach auf rund 51.400 Euro netto - und liegt damit weit unter dem in Griechenland (101.900 Euro), Frankreich (113.500 Euro), Spanien (182.700 Euro) oder Zypern (266.900 Euro).

Die Gründe für die enormen Unterschiede sind unter anderem, dass in den südlichen Ländern mehr Menschen im Eigenheim wohnen und dass dort im Schnitt mehr Menschen in einem Haushalt leben als hierzulande. Die jüngsten Daten für die Studie stammen von 2010, einige auch von 2008. Die Bundesbank hatte den deutschen Teil der Studie schon im März veröffentlicht.

Ganz oben auf der Liste stehen die Luxemburger, die im Mittel auf fast 400.000 Euro kommen. An der von 2008 bis 2011 - und damit lange vor den jüngsten Verschärfungen der Euro-Krise - ausgeführten Studie hatten 62.000 Haushalte aus 15 der 17 Euro-Länder teilgenommen. Nicht erfasst sind Vermögen in Irland und Estland.

Studie hat Mängel

Die EZB zieht für den Vermögensvergleich den sogenannten Median heran. Dieser wird folgendermaßen berechnet: Werden Haushalte nach ihrem Vermögen aufgereiht, liegt der Median genau in der Mitte - es gibt ebenso viele reichere wie ärmere Haushalte. Der Median wird dadurch weniger stark durch Ausreißerwerte nach oben und unten verzerrt. Besonders reiche oder arme Haushalte fallen also weniger ins Gewicht.

Aus mehreren Gründen sind die Ergebnisse der Studie dennoch mit Vorsicht zu genießen:

  • So ist das von der EZB ermittelte deutsche Nettovermögen knapp 30 Prozent geringer als jenes in der üblichen gesamtwirtschaftlichen Vermögensbilanz des Statistischen Bundesamts.
  • Nicht problematisiert wurde zudem die Tatsache, dass nicht Einzelpersonen, sondern Haushalte betrachtet wurden. Das hat aber Folgen, da in deutschen Haushalten im Durchschnitt deutlich weniger Personen leben als in spanischen und italienischen.
  • Im Pro-Kopf-Durchschnitt ist das Privatvermögen in Westdeutschland höher als in Griechenland, Spanien und Frankreich.

Ein weiteres Problem ist, dass einige der Daten von 2008 sind. Im Zuge der Krise im Euro-Raum sind seither jedoch vielerorts Immobilienpreise gepurzelt, während die Arbeitslosigkeit zunahm. "Besonders für Spanien ist es kritisch, das Erhebungsjahr 2008 zu wählen. Denn die Immobilienpreisblase ist dort erst später geplatzt", sagte Christoph Schröder vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln: "Das Durchschnittsvermögen ist in Spanien daher heute geringer als im Jahr 2008."

cte/dpa/Reuters