Europäische Zentralbank EZB warnt vor noch mehr Inflation und noch weniger Wachstum

Lange hat die EZB beschwichtigt – doch nun kann auch die Zentralbank die Teuerungswelle nicht mehr leugnen. Der Vizechef warnt, die Inflation könnte sogar noch weiter steigen.
EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: Dunkle Wolken

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main: Dunkle Wolken

Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERS

Angesichts des Ukraine-Schocks stellt sich auch die EZB kurzfristig auf eine weiter steigende Inflation und eine Konjunkturflaute ein. EZB-Vizechef Luis de Guindos sagte, er hoffe zwar, dass der Höhepunkt der Preissteigerungen binnen weniger Monate erreicht sein werde. In der zweiten Jahreshälfte werde die Inflation dann voraussichtlich nachgeben.

Die am Freitag anstehenden Verbraucherpreisdaten für März würden aber höher als im Februar ausfallen. »Im März werden wir die Auswirkungen des Krieges spüren«, fügte er mit Blick auf die im Sog des russischen Überfalls auf die Ukraine stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise hinzu.

Wachstum könnte auf null sinken

Für die Inflationsdaten für März erwarten Experten einen neuen Rekordwert von 6,6 Prozent im Euroraum, nach 5,9 Prozent im Februar. Die Wirtschaftsweisen rechnen für Deutschland 2022 mit einer Inflationsrate von 6,1 Prozent, halten aber in den nächsten Monaten auch zweistellige Werte für möglich, sollte es einen Lieferstopp russischer Energie geben.

Mit Blick auf die Konjunktur rechnet de Guindos zwar nicht damit, dass die Eurozone kurzfristig in eine Rezession rutscht. Für das erste Quartal sei nach seinem Eindruck allerdings nur ein geringes Wachstum zu erwarten und für das zweite Quartal annähernd Stagnation.

Im März war die Inflationsrate in Deutschland bereits voraussichtlich auf 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Sie erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitgeteilt hat. Ähnlich hoch war die Rate in Deutschland demnach zuletzt im Herbst 1981, getrieben durch die Folgen des ersten Golfkrieges. Im Februar dieses Jahres hatte die Teuerungsrate noch bei 5,1 Prozent gelegen.

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Eine deutlich höhere Inflationsrate war wegen der stark steigenden Energiepreise erwartet worden, Ökonomen hatten aber mit einem Anstieg auf »nur« 6,3 Prozent gerechnet. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind Tanken und Heizen aber nochmals deutlich teurer geworden. Das belastet Unternehmen genauso wie Privatleute.

beb/Reuters
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