Zentralbank EZB will Leitzins nicht vor Mitte 2020 erhöhen

Wegen der anhaltenden konjunkturellen Unsicherheiten verschiebt die Europäische Zentralbank die Zinswende erneut. Auch Hoffnungen der Finanzbranche auf Entlastung beim Strafzins erfüllten sich nicht.

EZB-Präsident Draghi
DPA

EZB-Präsident Draghi


Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem Niedrigzinskurs fest: Angesichts wachsender Risiken für die Konjunktur wird eine mögliche Zinserhöhung mindestens auf die zweite Jahreshälfte 2020 verschoben. Das stellte der EZB-Rat nach seiner Zinssitzung in Aussicht.

Dies ist nach März bereits das zweite Mal, dass die Euro-Notenbank eine mögliche Zinserhöhung zeitlich nach hinten verschiebt. Ursprünglich hatte sie nur bis zum Ende dieses Sommers in Aussicht gestellt, die Zinsen nicht zu erhöhen.

Zins bleibt auf Rekordtief

Damit bleibt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Auf diesem Niveau liegt er bereits seit März 2016. Auch an den 0,4 Prozent Strafzinsen, die Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, ändert die Notenbank vorerst weiterhin nichts.

Die Entscheidung habe der EZB-Rat bei seiner auswärtigen Sitzung in der litauischen Hauptstadt Vilnius getroffen, teilte die Notenbank mit. Der EZB-Rat tagt üblicherweise mindestens ein Mal im Jahr außerhalb von Frankfurt.

Die Hoffnungen der Finanzbranche auf Entlastung beim Strafzins erfüllten sich damit zunächst nicht. Wegen der immensen Kosten der Negativzinsen - nach Branchenangaben allein im vergangenen Jahr rund 7,5 Milliarden Euro im Euroraum - waren zuletzt Forderungen nach einer Staffelung des Strafzinses oder Freibeträgen lauter geworden. Führende Notenbanker sehen dies jedoch skeptisch. Umstritten ist unter anderem, wie sehr der Negativzins die Geschäfte der Banken bremst.

Neue Kredite für Banken

Bereits beschlossen sind zudem neue Geldspritzen für Banken. Von September 2019 bis März 2021 stellt die EZB jeweils zweijährige Kredite zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung - im Fachjargon TLTRO genannt. Ziel ist, die Kreditvergabe zu beflügeln und so Wirtschaftswachstum und Inflation anzuschieben. Mittelfristig strebt die EZB eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an - weit genug weg von der Nullmarke.

Im Mai lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach vorläufigen Angaben der Statistikbehörde Eurostat um 1,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im April war die Inflation mit 1,7 Prozent noch wesentlich höher. Die neuesten Einschätzungen der EZB zur Entwicklung von Inflation und Wachstum in den 19 Staaten mit der Gemeinschaftswährung wird EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag veröffentlichen.

brt/dpa/AFP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.