Libra Bundesbankpräsident hält Facebook-Währung für "durchaus attraktiv"

Mit seinen Plänen für die Digitalwährung Libra versetzt Facebook Notenbanker und Finanzpolitiker in Aufruhr. Bundesbankpräsident Jens Weidmann mahnt zu Vorsicht, sieht aber grundsätzlich ein attraktives Zahlungsmodell für Verbraucher.
Facebook-Logo auf Pappstickern: Mit Libra-Plänen für Aufregung gesorgt

Facebook-Logo auf Pappstickern: Mit Libra-Plänen für Aufregung gesorgt

Foto: JUSTIN SULLIVAN/AFP

Facebook hat seine Vision der Digitalwährung Libra bereits öffentlichkeitswirksam dargelegt und will kommendes Jahr damit starten. Doch Regulierungsbehörden sehen viele Fragen längst nicht geklärt. Das Projekt löse ernsthafte regulatorische und systemische Bedenken aus, teilten die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten am Donnerstag auf ihrem Treffen in Chantilly bei Paris mit.

Doch bei aller Skepsis steht zumindest Bundesbankpräsident Jens Weidmann der Idee von Digitalwährungen offen gegenüber. "Wenn sie halten, was sie versprechen, könnten sie für Endverbraucher durchaus attraktiv sein", sagte er nach dem G7-Treffen. Etwa, wenn es um Zahlungen über Ländergrenzen hinweg gehe. Denn der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr sei heute oft noch vergleichsweise langsam und teuer.

Zugleich aber müsse man sich über die Risiken solcher Kryptowährungen im Klaren sein. Es gebe ein Kreditrisiko, wenn der Anbieter beim Rücktausch nicht zahlungsfähig sei, ein Wechselkursrisiko, wenn das Geld nicht ausschließlich an die Heimatwährung des Nutzers gekoppelt sei. Die Zentralbanken prüften derzeit auch, ob Risiken für die Finanzstabilität entstünden.

Bundesbankpräsident Weidmann sagte, es gebe keinen Grund für Alarmismus - aber für Wachsamkeit. "Es geht nicht darum, unachtsam innovative Konzepte zu unterdrücken." Es gebe aber Gesprächsbedarf, da viele Detailfragen noch offen seien - etwa wie Geldwäsche verhindert werden könne. "Und erst wenn diese Fragen zufriedenstellend geklärt sind, ist an eine Zustimmung der Aufseher zu denken." Solche globalen Digitalwährungen machten eine enge internationale Zusammenarbeit unverzichtbar. Laut Weidmann war das G7-Treffen ein Startpunkt für eine international abgestimmte Regulierung solcher Kryptodevisen.

In der Abschlusserklärung zum G7-Finanzministertreffen heißt es, Währungen wie die Libra müssten "die höchsten Standards der Finanzregulierung erfüllen". Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte, die Länder wollten prüfen, "ob man neue zusätzliche Regelungen braucht. Scholz machte "schwere Bedenken" gegen die Libra geltend, etwa bei der Sicherheit der Nutzerdaten und der demokratischen Kontrolle.

Aus Sicht der G7-Staaten könnten Digitalwährungen wie die Libra die geldpolitische Souveränität der Staaten und die Funktionsweise des internationalen Währungssystems beeinflussen.

Facebook hatte im Juni angekündigt, das Digitalgeld in der ersten Hälfte des kommenden Jahres einführen zu wollen. Das Projekt stößt auch bei Finanzexperten auf Misstrauen.

mmq/dpa/Reuters