Facebook-Währung Bundesbank-Vorstand warnt vor Finanzkrisen durch Libra

Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling warnt vor einer Gefährdung des globalen Finanzsystems durch die Kryptowährung Libra. Er glaubt, dass Facebook dadurch "der größte Gläubiger einzelner Staaten" werden könnte.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus
Erin Scott/Reuters

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus


Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling traut der Digitalwährung Libra von Facebook zu, Finanzkrisen auszulösen. "Vorstellbar wäre da so einiges", sagte Wuermeling der "Süddeutschen Zeitung". Wenn es bei Libra zu Problemen komme und viele Nutzer ihr Geld zurücktauschen wollten, "könnte der Wert stark fallen." Probleme könne es dann auch für die Kapitalmärkte und die Banken geben.

Experten halten es für möglich, dass Facebook aufgrund seiner rund 2,5 Milliarden Nutzer mit dem Libra-Projekt das globale Finanzsystem auf den Kopf stellen könnte. Aus Sicht von Wuermeling, der bei der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig ist, könnte Libra sogar in gewissem Maße das normale Geld verdrängen. "Mit allen Konsequenzen für die Verbraucher, die Banken, das Finanzsystem und die Geldpolitik."

Wuermeling fürchtet auch die große Reichweite von Facebook: "Falls von mehr als zweieinhalb Milliarden Facebook-Nutzern nur jeder Zwanzigste von dem Service Gebrauch macht, wären das mehr Kunden als Deutschland Einwohner hat." Würden die Summen sehr groß werden, könne Libra womöglich mehr Geld verwalten als viele Vermögensverwalter auf der Welt. "Facebook würde über Anleihen, die zur Deckung von Libra erworben werden müssen, der größte Gläubiger einzelner Staaten. Will man das?"

Die sieben größten Industriestaaten (G7) hatten zuletzt betont, dass Libra die Geldpolitik und die Finanzstabilität gefährden könnte. Solche weitgehend unregulierten Zahlungsmittel könnten zudem die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung erschweren.

rai/Reuters

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insgesamt 19 Beiträge
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defy_you 05.11.2019
1. Tja, es gäbe dann eine einfache Flucht
vor der Entwertung der deutschen Sparguthaben durch die EZB. Die Facebook Währung könnte daher durchaus den Euro gefährden. Aber natürlich nur, weil er so dilettantisch gestrickt. Eingriffe In den Markt durch die Notenbanken wären schwieriger. Ein Horror für die EZB.
bluestar2000 05.11.2019
2. zu wenig Hintergrund
Der Artikel bzw. die Aussagen von Joachim Wuermeling geben zu wenig wirklich verständliches und Hintergrundinformationen wieder. Das sind pure Aussagen, die man "glauben" darf oder auch nicht. Interessant wäre: 1. Was passiert (bei Facebook) mit dem "richtigen" Geld, was die Kunden für Libra einzahlen müssten? 2. Ist Facebook nicht auch an der Stabilität der "richtigen" Währungen interessiert, weil der Kunde ja jederzeit zurücktauschen können muss? 3. Da Facebook international Kunden hat, es also Verflechtungen mit vielen Währungen gibt, wäre Facebook gar nicht daran interessiert, irgendwelche Währungen zu beeinflussen, es sei denn, man nimmt kurzzeitige Effekte irgendwie mit. 4. Warum sollte ein Rücktausch in Landeswährungen diese beeinflussen? Was sollte - die Kunden dazu bewegen, massenhaft ad hoc Geld zurücktauschen zu wollen, denn das System logisch / einleuchtend / seriös erst viele Kunden gewonnen hat? Das ist doch dann nichts anderes als eine "normale" Landeswährung. Also auch ein Crash des Libra würde keine anderen Verwerfungen als ein Staatsbankrott hervorrufen. 5. "könnte Libra sogar in gewissem Maße das normale Geld verdrängen. "Mit allen Konsequenzen für die Verbraucher, die Banken, das Finanzsystem und die Geldpolitik."" Welche Konsequenzen sind das denn? Ist das vor- oder nachteilig für den Bürger? Was ich aber eindeutig mehrfach herauslese ist, dass Zentralbanker unglaubliche Angst vor Online- und Kryptowährungen haben, weil diese ein Konkurrenz für reales Geld darstellen und dieses teilweise sogar obsolet machen würden. Dies kann keine Bank wollen und keine Währungsinstitution! Darum bin ich fest davon überzeugt, dass so etwa snie im Leben ein zugelassenes offizielles Zahlungsmittel wird.
m.a.w. 05.11.2019
3. Welcome to Umbrella Corporation ...
Es ist mir völlig klar wie praktisch Facebook, WhatsApp und Instagram sind. Das alles dann noch mit einer Digitalwährung verknüpft - super praktisch. Aber mir wird bange bei dem Gedanken welche Macht dieser Konzern entwickelt. Da muss sich wirklich jeder mal fragen "will ich das?" Und bitte nicht so flapsige Antworten wie "ich habe nichts zu verbergen." Denn es geht ganz schnell und dann ist es vorbei mit Freiheit. Siehe Sozialpunktesystem in China. Und weil das so ist muss sich jeder auch mal fragen ob er nicht auf das eine oder andere vermeintlich praktische Feature verzichten kann. Man kann!
Enes Scholkaldetten 05.11.2019
4. Angst vor dem Neuen ?
"Probleme könne es dann auch für die Kapitalmärkte und die Banken geben." Also bei einem Bank Run in der analogen Welt gibt es natürlich keine Probleme. Niemals Nie. Wenn diese digitalen Währungen so schlimm sind, warum gibt es "Bad Banks" nur bei den altgedienten, soliden Banken ?
isi723 05.11.2019
5. Unkalkulierbares Risiko
Die Tragweite, das Risiko einer digitalen Währung generell, kann ich nicht überschauen. Es graut mir aber vor dem Gedanken, dass ein Herr Zuckergerg noch mächtiger wird als er das eh schon ist. Für mich gehört die Hoheit über unser Geld in die Verantwortung eines Staates und mit absoluter Sicherheit nicht in die Verantwortung einer kommerziell ausgerichteten Firma. Also: stoppt die Anfänge!! Natürlich kann und muss man über die Regulierungen in den einzelnen Staaten diskutieren, da ist sicher nicht alles Gold was glänzt.
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