"Sie haben keine Ahnung" Trump verschärft Angriffe auf US-Notenbank

Versteht Donald Trump mehr von Geldpolitik als die Fed? Der US-Präsident scheint dieser Ansicht zu sein und attackiert die US-Notenbank noch harscher als bislang. Auslöser seines Zorns: ein Artikel über Touristenströme in Europa.

Kein Fed-Fan: US-Präsident Donald Trump
AP

Kein Fed-Fan: US-Präsident Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat die Geldpolitik der US-Notenbank Fed gut eine Woche vor deren nächster Sitzung erneut scharf kritisiert und zu einer Zinssenkung gedrängt. "Sie haben keine Ahnung", schrieb Trump am Dienstag auf Twitter. Der US-Leitzins sei "viel zu hoch", hinzu komme die "lächerliche" quantitative Straffung - also die bis Herbst laufende Reduzierung der Notenbankbilanz

Auslöser für Trumps Kritik war ein Artikel der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er behandelt die große Zahl an Touristen in vielen europäischen Metropolen, die den Städten zunehmend Probleme bereitet. Als Gründe werden in dem Artikel etwa die Verbreitung privater Vermietungen von Ferienwohnungen über Plattformen wie Airbnb genannt.

Trump dagegen führt den Touristenansturm auf Europa auf den starken Dollar zurück: "Dies liegt daran, dass der Euro und andere Währungen gegenüber dem Dollar abgewertet werden, was die USA stark benachteiligt." Schuld an dem starken Dollar sei die Geldpolitik der US-Notenbank. Der frühere Immobilientycoon sieht den Euro und andere Währungen gegenüber dem Dollar als unterbewertet an.

Angesichts der zunehmenden Spannungen in den Handelsstreitigkeiten der USA hatten Fed-Spitzenvertreter zuletzt Bereitschaft signalisiert, die Wirtschaft gegebenenfalls mit einer Zinssenkung zu stärken. Die einflussreiche Fed-Direktorin Lael Brainard sagte dem Netzportal "Yahoo Finance" jüngst, die Währungshüter seien darauf vorbereitet, die Geldpolitik bei Bedarf zur Stützung des Wachstums anzupassen. Auch wenn die Wirtschaft rund laufe, gingen von der Handelspolitik Risiken für die Konjunktur aus.

Der US-Leitzins liegt derzeit in einer Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Die Fed hatte ihn 2018 wegen der brummenden Wirtschaft mehrfach angehoben. An den Märkten wird allerdings damit gerechnet, dass sich dies innerhalb des nächsten halben Jahres ändern wird und die Zinsen sinken werden. Für die anstehende Sitzung am 19. Juni gilt eine Senkung jedoch als wenig wahrscheinlich.

dab/dpa/Reuters

insgesamt 80 Beiträge
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fellmonster_betty 11.06.2019
1. erduan lässt grüßen.
die Muster und Handlungsweisen gleichen sich! lasst ihnnur machen.
sfk15021958 11.06.2019
2. Wie kann man nur......?
Die Frage "Versteht Donald Trump mehr von Geldpolitik als die Fed?" ist wirklich eine Zumutung! Wäre für die Zeitung mit 4 Buchstaben angemessen, aber für den SPIEGEL.....?
maress 11.06.2019
3.
"Die Fed hatte ihn 2018 wegen der brummenden Wirtschaft mehrfach angehoben." Tja, der Trump kann es eben, während Europa, wenn überhaupt, nur anämisch wächst.
iasi 11.06.2019
4. Hohe Handelsdefizit und starker Dollar passen nicht zusammen
Damit hat Trump nun eimal recht. Auch der Kapitalabfluss durch durch günstige Investitionsmöglichkeiten im Ausland und eben auch billigen Urlaub drücken zudem auf die Leistungsbilanz. An den deutschen Börsen sind US-Anleger ziemlich umtriebig. Die EZB und China fahren weiterhin niedrige Zinsen und verteilen Geld, während die FED die Zinsen anhebt. Solange die anderen Staaten nicht mitziehen, ist die Abkehr vom Krisenmodus durch die FED letztlich schädlich. Während die EURO-Ventile noch immer geöffnet sind, reduziert die FED die Dollarflut. Dadurch verteuert sich der Dollar gegenüber dem Euro. Dadurch verteuern sich für EU-Bürger Waren aus den USA, während EU-Waren in Dollar-Land billiger werden. Dies verstärkt dann natürlich das Handelsungleichgewicht. Die FED tut gerade so, als sei sie allein auf der Welt. Und wir Deutschen geben letztlich unsere Waren unter Wert weg. Exportüberschüsse bedeuten nichts anderes, als dass man mehr gibt, als man nimmt. Das iPhone könnte und müsste eigentlich für uns EURO-Leute viel billiger sein.
Affenhirn 11.06.2019
5. Eigennutz
Trump ist offenbar jedes Argument recht, das er gegen den Zinssatz der Fed vorbringen kann. Dabei wird man das Gefühl nicht los, dass er vor allem auch an die Zinssätze seiner eigenen Kredite denkt.
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