Gemeinsame Erklärung Vier frühere Fed-Chefs pochen auf Unabhängigkeit der US-Notenbank

Angesichts der lautstarken Einmischung von Donald Trump in die Geldpolitik melden sich vier ehemalige Fed-Chefs zu Wort. Sie mahnen, Entscheidungen "nicht auf Basis der Interessen einer kleinen Gruppe von Politikern" zu treffen.

Ex-Fed-Chefs Yellen, Volcker, Greenspan, Bernanke (v.l.n.r; Bild von 2013): Ungewöhnlicher Appell
Mark Wilson/AFP

Ex-Fed-Chefs Yellen, Volcker, Greenspan, Bernanke (v.l.n.r; Bild von 2013): Ungewöhnlicher Appell


Monatelang hat US-Präsident Donald Trump gegen den Chef der US-Notenbank Fed gestänkert und eine Zinssenkung gefordert. Als diese nun kam, verlangte Trump gleich mehr - und Fed-Chef Jerome Powell beteuerte, er habe sich keinem politischen Druck gebeugt.

Angesichts dieses Disputs haben sich nun vier ehemalige amerikanische Notenbankchefs zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen. In einer gemeinsamen Erklärung mahnen sie die Wahrung der Unabhängigkeit der Federal Reserve an. Die Fed und ihr Vorsitzender müssten unabhängig und im besten Interesse der Wirtschaft handeln dürfen, frei von kurzfristigem politischem Druck und insbesondere ohne die Gefahr einer Absetzung oder Degradierung von Führungskräften aus politischen Gründen, schrieben die vier noch lebenden Ex-Fed-Vorsitzenden Paul Volcker, Alan Greenspan, Ben Bernanke und Janet Yellen in einem Gastbeitrag im "Wall Street Journal".

Trump will niedrige Zinsen, um einen Abschwung zu verhindern

"Es ist wichtig, die Fähigkeit der Federal Reserve zu erhalten, Entscheidungen im besten Interesse der Nation zu treffen, nicht auf Basis der Interessen einer kleinen Gruppe von Politikern", hieß es. Die Historie zeige, dass eine Volkswirtschaft am besten funktioniere, wenn die Notenbank politisch unabhängig sei. Ansonsten drohten eine höhere Inflation und schwächeres Wirtschaftswachstum.

Die ehemaligen Fed-Chefs erwähnen weder US-Präsident Trump noch Fed-Chef Powell namentlich. Allerdings ist klar, auf wen ihr Artikel gemünzt ist: Die Ex-Notenbanker reagieren damit auf den ungewöhnlichen Druck, den Trump seit Monaten auf die Notenbank und deren Chef Powell ausübt. Der Präsident selbst hatte Powell nominiert. In oft ruppigem Ton kritisierte Trump die Währungshüter etwa als "ahnungslos" und drohte Powell damit, ihn bei Bedarf degradieren zu können.

Trump verlangt niedrigere Zinsen, um die Konjunktur zu befeuern. Auch nach der ersten Zinssenkung der Fed seit mehr als zehn Jahren in der vergangenen Woche kritisierte er die Notenbank scharf. Er warf Powell vor, das Land im Stich gelassen zu haben, weil keine weiteren Senkungen in Aussicht gestellt worden seien.

Am Montag versetzte er der Fed mit Verweis auf die Abwertung der chinesischen Währung Yuan, die die USA im Handelsstreit unter Druck brachte und zu kräftigen Kursverlusten an den Börsen führte, ebenfalls einen Seitenhieb. Trump twitterte: "China hat den Kurs für seine Währung auf ein beinahe historisches Tief gedrückt. Das nennt man 'Währungsmanipulation'. Habt ihr gehört, Federal Reserve?"

mmq/Reuters

insgesamt 32 Beiträge
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jujo 06.08.2019
1. ....
Es ist immer wieder, leider nicht, lustig wenn ein Dieb schreit: "haltet den Dieb!" Das Prädikat ist passend. Es schreit der z.Z. größte aktive Politmanipulator der Welt. Dieses Superlativ billige ich Trump zu.
ofelas 06.08.2019
2. FED = Eigentümer
Wer sind die Eigentümer der FED? Die Eigentümer entscheiden was passiert, und solange private Unternehmen (Banken) diese sind wird nach ihrer Pfeiffe getanzt! Also, wer sind die Eigentümer der FED?
Allein-Unter-Welpen 06.08.2019
3. Die FED ist eine PRIVATbank
sollen etwa die genannten ehemaligen Privatbaenker (!) erzaehlen das die Interessen der BESITZER die Entscheidungsgrundlage sind?
lupenrein 06.08.2019
4. Trump
glaubt offenbar immer noch, dass er nur die Zinsen senken müsse, um die US-Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Ein Blick nach Europa würde genügen, dass dem nicht so ist. Er sollte vielmehr die negative Wirkung seiner weltweiten Sanktionen überdenken.
kuac 06.08.2019
5.
Zitat von ofelasWer sind die Eigentümer der FED? Die Eigentümer entscheiden was passiert, und solange private Unternehmen (Banken) diese sind wird nach ihrer Pfeiffe getanzt! Also, wer sind die Eigentümer der FED?
Das Federal Reserve System wurde vom Kongress der Vereinigten Staaten geschaffen, um ein "Zentralbanksystem zu etablieren, das so gestaltet wurde, dem nationalen Finanzsystem sowohl Flexibilität als auch Stärke hinzuzufügen". Das Bundesgesetz wurde am 18. September 1913 vom Kongress mit 287 zu 85 Stimmen angenommen; der Senat stimmte nach mehreren Anhörungen am 19. Dezember 1913 mit 54 zu 34 Stimmen ebenfalls zu. Unterschiede der abgestimmten Fassungen wurden von einer gemeinsamen Kommission überarbeitet; die Überarbeitung wurde vom Kongress am 22. Dezember 1913 mit 298 zu 60 Stimmen und vom Senat am folgenden Tag mit 43 zu 25 Stimmen angenommen und am 23. Dezember 1913 von Präsident Woodrow Wilson als Federal Reserve Act in Kraft gesetzt. Das Gesetz sah ein System aus mehreren Regionalbanken und einem siebenköpfigen Verwaltungsrat vor. Banken, die auf nationaler Ebene agierten, mussten sich dem Federal Reserve System anschließen, anderen Banken war die Beteiligung freigestellt. Für ihre Anteile erhalten die Mitgliedsbanken eine festgelegte Dividende von 6 %, sind jedoch nicht am Gewinn beteiligt, der dem Finanzministerium zufällt. Aus Wiki.
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