Erstmals seit der Finanzkrise US-Notenbank pumpt Milliarden in den Geldmarkt

Die US-Notenbank hat erstmals seit rund zehn Jahren am Geldmarkt interveniert. Grund war ein plötzlicher Liquiditätsengpass. Dafür gab es mehrere Ursachen.
Die US-Notenbank hat Geld in den Bankenmarkt gepumpt

Die US-Notenbank hat Geld in den Bankenmarkt gepumpt

Foto: MARK WILSON/ AFP

Erstmals seit der Finanzkrise hat die US-Notenbank Fed den Geldmarkt wieder mit Milliarden Dollar versorgt. Über eine kurzfristige Transaktion wurde den Banken insgesamt 53,15 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Das teilte die Federal Reserve (Fed) am Dienstag (Ortszeit) mit.

An diesem Mittwoch soll ein weiteres Overnight-Repo-Geschäft, wie der Eingriff im Fachjargon genannt wird, folgen. Dabei leihen sich Banken für kurze Zeit Bargeld von der Fed, wobei sie Staatsanleihen und andere Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen. Dazu bestand in den vergangenen rund zehn Jahren kein Anlass, da die Banken über ausreichend Liquidität verfügten.

Als mögliche Gründe für den Liquiditätsengpass vermuten Experten, dass Firmen viel Geld abzogen, um ihre vierteljährliche anfallende Zahlung von Unternehmenssteuern zu leisten. Außerdem kauften die Banken derzeit verstärkt neue Staatsanleihen. Aufgrund der hohen Haushaltsdefizite der USA ist das Angebot an neuen US-Staatsanleihen derzeit hoch.

Zinsen auf mehr als zehn Prozent gestiegen

Hinzu kam auch noch, dass die von den Banken bei der Fed geparkten Reserven so niedrig ausfielen wie seit 2011 nicht mehr: Sie summierten sich zuletzt auf 1,47 Billionen Dollar, was etwa 50 Prozent weniger ist als der vor fünf Jahren erreichte Höchstwert.

Dadurch wiederum schnellten die Zinsen am amerikanischen Interbanken- oder Geldmarkt, wo sich Banken untereinander Geld leihen, hoch. Der Zinssatz war am Dienstag in der Spitze auf zehn Prozent gestiegen. Das ist das Vierfache der Obergrenze von 2,25 Prozent, die die US-Notenbank mit ihrer Geldpolitik anstrebt. Durch die Finanzspritze der Zentralbank fielen die Zinsen zeitweise wieder auf null, ehe sie am Ende bei 2,0 Prozent landeten.

Die Leitzinsspanne der Fed von gegenwärtig 2,0 bis 2,25 Prozent gibt die Spanne vor, zu der die Banken am Geldmarkt überschüssige Liquidität handeln sollen. Die politisch unabhängige Fed sieht sich derzeit Forderungen nach einer weitaus lockereren Geldpolitik aus dem Weißen Haus ausgesetzt. Präsident Donald Trump hält das Zinsniveau für viel zu hoch. Er verlangt eine Senkung des geldpolitischen Schlüsselsatzes auf "null oder weniger".

brt/Reuters/dpa
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