US-Notenbank hebt Leitzins an Yellen wappnet sich für den Trump-Boom

Wer im Weißen Haus regiert, wünscht sich niedrige Zinsen. Doch diesen Gefallen wird US-Notenbank-Chefin Janet Yellen dem nächsten US-Präsidenten Donald Trump nicht tun - sie hält unbeirrt an ihrem Kurs fest.
Janet Yellen

Janet Yellen

Foto: Alex Brandon/ AP

Anleger bekamen genau das, was sie erwartet hatten: Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch den Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, zum zweiten Mal seit der Finanzkrise erhöht, um 0,25 Prozentpunkte. Drei weitere Zinsschritte könnten im Jahr 2017 folgen.

"Die Zinserhöhung reflektiert, dass die Wirtschaft deutliche Fortschritte gemacht hat", sagte Fed-Chefin Janet Yellen auf der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung.

Damit kehrt die Fed langsam zu einer Normalisierung ihrer Geldpolitik zurück. In der Finanzkrise ab 2008 hatte die Notenbank den Leitzins radikal auf null Prozent gesenkt und die Finanzmärkte mit Geld geflutet, um die Folgen der Wirtschaftskrise einzudämmen. Das Mittel war wirksam: Die amerikanische Wirtschaft wächst wieder ordentlich, und die Arbeitslosigkeit sank im November auf 4,6 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren.

Trotz der jetzt verkündeten Zinsanhebung sind Leitzinsen in den USA aber immer noch historisch niedrig. Anfang der Neunzigerjahre zum Beispiel lag der Satz noch bei acht Prozent, selbst 2007 waren es noch fünf Prozent.

Doch es fällt Yellen schwer, sich der alten Normalität mit Zinssätzen von drei, vier oder fünf Prozent wieder anzunähern. Das dürfte sich auch mit der aktuellen Entscheidung kaum ändern.

Nach Yellens Vorhersage soll der Zins Ende 2017 bei 1,4 Prozent liegen. Sie geht davon aus, dass es noch bis mindestens Ende 2018 dauern wird, bis der Leitzins wieder bei zwei Prozent ankommen wird.

Mögliche Überhitzung der US-Wirtschaft durch Donald Trump

Doch die Fed behält sich vor, im Jahr 2017 die geldpolitischen Zügel weiter zu straffen. Denn der künftige US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ein Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen und Unternehmenssteuern zu senken. Nach der Wahl Trumps setzten die US-Börsen zu einer regelrechten Rallye an: Weltweit schossen die Aktienkurse in die Höhe, weil sich Anleger weiteres Wachstum erhoffen.

Dieses fiskalpolitische Konjunkturprogramm könnte aber - so die Sorge vieler Ökonomen - die gut laufende US-Wirtschaft überhitzen.

"Die wirtschaftliche Entwicklung und die künftige Wirtschaftspolitik sind unsicher", sagte Yellen. Einige Fed-Mitglieder rechnen nach der Wahl Trumps aber mit einer Änderung der Fiskalpolitik in den USA. Es sei noch völlig unklar, wie die Fed darauf reagieren werde. "Wir haben Zeit, die politische Entwicklung abzuwarten", sagte Yellen.

Es ist also durchaus möglich, dass die Fed bei Bedarf im Jahr 2017 die Zinsen noch aggressiver erhöht als bislang. Im Grunde wünschen sich aber alle Präsidenten niedrige Zinsen. Diesen Gefallen wird die Fed Trump nicht tun - das hat Yellen deutlich gemacht. Der grundlegende Trend bleibt klar: Die Zinsen in den USA werden wieder steigen.

Für Europa gilt das allerdings längst nicht im gleichen Maße. Die Europäische Zentralbank (EZB) bewegt sich derzeit in die entgegengesetzte Richtung und pumpt weiterhin Milliarden in die Märkte, um die europäische Konjunktur zu stützen. So liegt der Leitzins in der Eurozone seit März bei null Prozent. Zusätzlich kauft die EZB seit Anfang 2015 in großem Stil Anleihen auf den internationalen Finanzmärkten auf. Erst in der vergangenen Woche hat sie dieses Programm bis Ende 2017 verlängert.

Der Grund: In den USA ist die Konjunkturerholung deutlich weiter fortgeschritten als in der Eurozone, die Arbeitslosigkeit geringer, die Inflationsrate höher. "Deshalb kann die amerikanische Wirtschaft höhere Zinsen verkraften", sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet der "Zeit", eine schnelle Zinswende in Europa sei also noch nicht abzusehen, "wir sind noch nicht so weit."

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