Trotz Wirtschaftswachstums US-Notenbank setzt Kurs der Zinssenkungen fort

Die US-Wirtschaft wächst solide. Dennoch hat die US-Notenbank erneut den Leitzins gesenkt.

US-Notenbankchef Jerome Powell hat die Geldpolitik erneut gelockert
Susan Walsh/AP/dpa

US-Notenbankchef Jerome Powell hat die Geldpolitik erneut gelockert


Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins gesenkt. Der Zinssatz wurde um 0,25 Prozentpunkte herabgesetzt. Damit liegt der Leitzins nun in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Das teilte die Federal Reserve in Washington mit.

US-Notenbankchef Jerome Powell hatte die Märkte auf die jüngste Senkung vorbereitet. Zugleich signalisierte die Fed im Begleittext zum Zinsbeschluss nun, eine Pause einlegen zu wollen.

Die zuletzt übliche Formulierung, dass die Fed gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen werde, "um das Wachstum zu unterstützen", ließ das Gremium diesmal in seinem Kommuniqué weg. Die Zentralbank teilte weiter mit, bei der Prüfung der weiteren "angemessenen" Zinsentwicklung werde sie alle Wirtschaftsdaten genau verfolgen.

Mitte September hatte die Zentralbank zuletzt den Zins um 0,25 Prozentpunkte herabgesetzt. Ende Juli hatte die Fed das erste Mal seit der globalen Finanzkrise 2008 die Zinsen gesenkt.

Im geldpolitischen Ausschuss FOMC sprachen sich zwei Mitglieder für unveränderte Zinsen aus. Alle anderen befürworteten die Entscheidung. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Entscheidung.

Wirtschaft wächst solide

Die Fed hatte die lockerere Geldpolitik vor dem Hintergrund der vom Zollkonflikt mit China ausgehenden Gefahren für die Konjunktur eingeleitet. Die USA und China haben in ihrem seit mehr als einem Jahr schwelenden Handelsstreit jedoch Mitte Oktober einen Durchbruch erzielt und sich in Teilen geeinigt.

Analysten hatten mit der Entscheidung gerechnet. Sie hofften auf einen weiteren Schritt, um eine drohende Wachstumsdelle der US-Wirtschaft zu verhindern. Die Abkühlung der Weltwirtschaft und schwelende Handelskonflikte sorgten zuletzt für Verunsicherung. Im vergangenen Jahr hatte die Fed noch vier Mal die Zinsen angehoben.

Ein vorläufiges Ende der Zinssenkungen würde den Dollar tendenziell stützen. Schließlich ist in den USA die Wirtschaft auch im dritten Quartal mit solidem Tempo gewachsen. Es lag im dritten Quartal auf das Gesamtjahr hochgerechnet bei 1,9 Prozent, nach zwei Prozent im Vorquartal. Analysten hatten eine Abschwächung auf 1,6 Prozent erwartet. Als Warnsignal gilt jedoch, dass die Investitionen so stark einbrachen wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr.

brt/dpa/Reuters/AFP

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iasi 30.10.2019
1. Zinsgefälle - die EZB u.a. zwingen die FED zur Zinssenkung
Höhere Zinsen in den USA stärken den Dollar, was wiederum bei dem eh schon enormen Handelsbilanzdefizit der USA, das einerseits die US-Exporte verteuert und dadurch verringert, andererseits die Importe verbilligt und dadurch erhöht. Die FED kann also gar nichts anderes tun, als das Zinsgefälle z.B. zur EU reduzieren, indem sie die Zinsen senkt.
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