Federal Reserve US-Notenbank deutet Zinswende an

Die amerikanische Notenbank Fed hält ihren Leitzins konstant, blickt aber weniger optimistisch in die Zukunft. Dadurch werden künftige Zinssenkungen wahrscheinlicher.

Fed-Chef Jerome Powell
JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Fed-Chef Jerome Powell


Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins zunächst unverändert gelassen. Das Zielband für den Leitzins "Fed Funds Rate" verharre zwischen 2,25 und 2,50 Prozent, teilte die Fed nach einer Sitzung in Washington mit. Analysten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet.

Wichtiger ist allerdings, welchen Ausblick die amerikanischen Währungshüter geben - und da trüben sich offenbar die Aussichten. So ist fast die Hälfte der Währungshüter der Ansicht, dass in der zweiten Jahreshälfte niedrigere Zinsen angemessen sein dürften. Im Mittel blieb das Fed-Führungspersonal jedoch bei der Prognose, dass das Niveau so bleiben könnte.

Im vergangenen Jahr hatte die Fed vier Mal die Zinsen angehoben. Die letzte Erhöhung im Dezember war die neunte Anhebung seit Ende 2015. Zuletzt zeichnete sich aber eine Zinswende in den USA ab. Angesichts der wirtschaftlichen Abkühlung wird an den Finanzmärkten auf Leitzinssenkungen im weiteren Jahresverlauf spekuliert.

Tatsächlich strich die Fed im Begleittext zu der geldpolitischen Entscheidung das Schlüsselwort "geduldig", das bislang eine anhaltende Zinspause signalisiert hatte. Fed-Chef Jerome Powell hatte jüngst eine "angemessene Reaktion" auf konjunkturelle Auswirkungen des internationalen Handelsstreits in Aussicht gestellt und damit die Tür für Zinssenkungen aufgestoßen.

Druck von Draghi und Trump

Die Fed steht von zwei Seiten unter Druck: Zum einen hat die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich eine weiterhin lockere Geldpolitik angekündigt. Zum anderen drängt US-Präsident Donald Trump die amerikanischen Währungshüter zu Zinssenkungen. Namentlich Powell kritisierte er öffentlich: Die Währungshüter hätten "keine Ahnung".

Nach der Zinsentscheidung legte der Euro zum Dollar zu. Die Renditen der US-Anleihen gaben nach.

Ökonomen reagierten unterschiedlich auf die Zinsentscheidung der Fed. Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe sagte: "Der Geduldsfaden der Fed im Umgang mit dem Leitzins ist noch nicht gerissen. Die Wirtschaftslage der USA ist nicht so schwach, dass eine rasche Zinssenkung notwendig wäre. Diese hätte vielmehr den schalen Beigeschmack, die Fed gäbe dem beständigen Poltern von US-Präsident Donald Trump nach. Dennoch stellt sich die Fed auf eine Zinssenkung ein. Ihre Bereitschaft, angemessen zu handeln, sollte sich die konjunkturellen Abwärtsrisiken verstärken, hat sie heute bekundet."

Andrew Harman von First State Investments sagte: "Die Fed hat dem Druck widerstanden, die Zinsen zu senken. Damit hält sie sich alle Optionen für das Juli-Treffen offen und somit weitere Wirtschaftsdaten sowie den Verlauf des G20-Gipfels in Japan abzuwarten."

wal/dpa/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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coyote38 19.06.2019
1. Au ja ... macht mal ...
Dann geht mein Aktiendepot durch die Decke ... :D
peter.lange 19.06.2019
2. @coyote38
Ich drücke Ihnen die Daumen, allerdings gab es seit ca. 10 Jahren keinen Crash mehr.
Klekih_petra 19.06.2019
3. Wehe, wehe, ...
... wenn ich auf das Ende sehe. Die Währungshüter, insbesondere unser Italien-Freund Draghi spielen ein gefährliches Spiel. Die Börsen-Junkies kaufen Bonds nicht weil sie daraus Zinsen erwarten, sondern weil sie auf noch höhere Kurse (=niedrigere Zinsen) hoffen. Die EZB kann aber fast nichts mehr machen, weil das Zinsniveau schon unter null ist, und die Kurse nicht mehr viel steigen können. Was passiert, wenn die EZB leicht die Zinsen erhöht? Alle werden ihre Anleihen verkaufen, weil kein Kursgewinn mehr möglich sein wird und sie bei Einlösung noch draufzahlen müssen. Bundes-Scholz wird sich freuen. Die Amerikaner waren da schlauer. Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder mal die Zinsen gehoben und können bei Verschlechterung der Wirtschaftslage diese wieder senken.
suchenwi 19.06.2019
4. Schwer zu sagen
Zitat von coyote38Dann geht mein Aktiendepot durch die Decke ... :D
(zumindest für ein Greenhorn wie mich, der erst seit gut 1 Jahr aktiv investiert) Die High-Performers in Kursentwicklung sind bei mir seit vielen Wochen meist US-Aktien: REITs, aber auch "Grundversorger" wie McDonald's, Verizon oder Southern. Auch ein ETF auf US Treasury Bonds 7-10y (A0LGP4) liegt mit +15.93% gut im Rennen. Mal beobachten. Die FED hat heute ja im Prinzip gesagt: "Erstmal unternehmen wir garnix."
suchenwi 19.06.2019
5. Bundesanleihen oversold
Zitat von Klekih_petra... wenn ich auf das Ende sehe. Die Währungshüter, insbesondere unser Italien-Freund Draghi spielen ein gefährliches Spiel. Die Börsen-Junkies kaufen Bonds nicht weil sie daraus Zinsen erwarten, sondern weil sie auf noch höhere Kurse (=niedrigere Zinsen) hoffen. Die EZB kann aber fast nichts mehr machen, weil das Zinsniveau schon unter null ist, und die Kurse nicht mehr viel steigen können. Was passiert, wenn die EZB leicht die Zinsen erhöht? Alle werden ihre Anleihen verkaufen, weil kein Kursgewinn mehr möglich sein wird und sie bei Einlösung noch draufzahlen müssen. Bundes-Scholz wird sich freuen. Die Amerikaner waren da schlauer. Sie haben in den vergangenen Jahren immer wieder mal die Zinsen gehoben und können bei Verschlechterung der Wirtschaftslage diese wieder senken.
Fallbeispiel: WKN 110244 10j.Bundesanleihe 0.5%, fällig 2028. Der reale Wert ist leicht errechnet: 9 Zinstermine * 0.5% + 100% Endfälligkeit = 104.5%. In Stuttgart notierte sie um 14:21 mit 107.864%. Also 3.164% über Realwert.
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