Robuste Konjunktur US-Notenbank erhöht Zinsen

In den USA steigt erneut der Leitzins, die Differenz zum europäischen Zinsniveau erhöht sich damit weiter.
Janet Yellen

Janet Yellen

Foto: ALEX WONG/ AFP

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins um 0,25 Punkte auf einen Zielkorridor von 1,25 bis 1,50 Prozent erhöht. Die Federal Funds Rate, zu der sich Banken gegenseitig über Nacht kurzfristige Kredite geben, steigt damit zum dritten Mal in diesem Jahr, wie die Bank nach der Sitzung ihres Offenmarktausschusses mitteilte.

Die US-Notenbank setzt damit ihren Kurs fort, die Geldpolitik zu normalisieren. Vorausgegangen war ein Jahrzehnt der extrem niedrigen Zinsen nahe der Nulllinie, mit dem Ziel, die Wirtschaft aus den Folgen der Finanzkrise zu führen.

Analysten hatten die Zinsanhebung erwartet, weil der amerikanische Arbeitsmarkt sich derzeit positiv entwickelt. Im November entstanden weitere 228.000 Stellen, die Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent ist historisch niedrig. Die Fed rechnet auch für nächstes Jahr mit stabilen Konjunkturdaten.

Mit der Zinserhöhung setzt sich ein Trend fort: In den USA steigen die Zinsen, während der Leitzins in Europa bei Null verharrt. Auch für die nähere Zukunft erwarten Beobachter keine Anhebung der Zinssätze durch die Europäische Zentralbank. Das heißt: Die Zinsdifferenz zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Währungsraum wächst - für Investoren wird es attraktiver, Geld in den USA anzulegen.

Max Hanisch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Zinserhöhung durchaus positiv. "Häufig wird befürchtet, steigende Zinsen in den USA würden eine dämpfende Wirkung im Rest der Welt haben und den Aufschwung im Euroraum drosseln" - das sei aber nicht unbedingt der Fall. "Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Euromitgliedstaaten - und insbesondere Deutschland - von steigenden US-Zinsen sogar profitieren können, zumindest kurzfristig."

Grund seien die Wechselkurse: "Steigende Zinsen werden voraussichtlich eine Aufwertung des Dollars und eine Abwertung des Euro zur Folge haben. Das wiederum verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer und sorgt für zusätzliche Nachfrage nach Exportgütern."

Tatsächlich ist der Dollar bereits in den vergangenen Tagen im Vergleich zum Euro gestiegen. Ein Euro kostete am Mittwoch 1,1739 Dollar.

Yellen warnt vor Bitcoin

Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung warnte US-Notenbankchefin Janet Yellen Anleger vor der Digitalwährung Bitcoin. Der Bitcoin sei eine "hochspekulative Anlageform" und keine stabile Wertanlage. Im internationalen Zahlungssystem ist er laut Yellen unbedeutend - trotz der jüngsten Erfolge der Kryptowährung.

Yellens australischer Amtskollege Philip Lowe bezeichnete den Bitcoin am Mittwoch als "spekulativen Wahn". Als Zahlungsmittel sei er vor allem für diejenigen attraktiv, die Waren und Dienstleistungen im illegalen Bereich bezahlen wollten, sagte Lowe.

Die Zinsanhebung am Mittwoch war mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzte Zinsänderung der Federal Reserve unter der Regie von Notenbankchefin Janet Yellen. Zwar steht kurz vor ihrem Abtritt am 31. Januar bzw. 1. Februar nochmals eine zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses an. Zu dem Zeitpunkt wird jedoch keine Zinsänderung erwartet.

Anschließend übernimmt Jerome Powell den Vorsitz der US-Notenbank. Er war von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen und vom Senat bestätigt worden. Powell gilt als Vertrauter von US-Finanzminister Steven Mnuchin. An den Märkten wird deshalb darüber spekuliert, ob der Einfluss der US-Regierung auf die grundsätzlich unabhängig agierende Notenbank steigen könnte.

wal/mja/dpa
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