Robuste Konjunktur US-Notenbank erhöht Zinsen

In den USA steigt erneut der Leitzins, die Differenz zum europäischen Zinsniveau erhöht sich damit weiter.

Janet Yellen
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Janet Yellen


Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins um 0,25 Punkte auf einen Zielkorridor von 1,25 bis 1,50 Prozent erhöht. Die Federal Funds Rate, zu der sich Banken gegenseitig über Nacht kurzfristige Kredite geben, steigt damit zum dritten Mal in diesem Jahr, wie die Bank nach der Sitzung ihres Offenmarktausschusses mitteilte.

Die US-Notenbank setzt damit ihren Kurs fort, die Geldpolitik zu normalisieren. Vorausgegangen war ein Jahrzehnt der extrem niedrigen Zinsen nahe der Nulllinie, mit dem Ziel, die Wirtschaft aus den Folgen der Finanzkrise zu führen.

Analysten hatten die Zinsanhebung erwartet, weil der amerikanische Arbeitsmarkt sich derzeit positiv entwickelt. Im November entstanden weitere 228.000 Stellen, die Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent ist historisch niedrig. Die Fed rechnet auch für nächstes Jahr mit stabilen Konjunkturdaten.

Mit der Zinserhöhung setzt sich ein Trend fort: In den USA steigen die Zinsen, während der Leitzins in Europa bei Null verharrt. Auch für die nähere Zukunft erwarten Beobachter keine Anhebung der Zinssätze durch die Europäische Zentralbank. Das heißt: Die Zinsdifferenz zwischen dem amerikanischen und dem europäischen Währungsraum wächst - für Investoren wird es attraktiver, Geld in den USA anzulegen.

Max Hanisch vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Zinserhöhung durchaus positiv. "Häufig wird befürchtet, steigende Zinsen in den USA würden eine dämpfende Wirkung im Rest der Welt haben und den Aufschwung im Euroraum drosseln" - das sei aber nicht unbedingt der Fall. "Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Euromitgliedstaaten - und insbesondere Deutschland - von steigenden US-Zinsen sogar profitieren können, zumindest kurzfristig."

Grund seien die Wechselkurse: "Steigende Zinsen werden voraussichtlich eine Aufwertung des Dollars und eine Abwertung des Euro zur Folge haben. Das wiederum verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Euroländer und sorgt für zusätzliche Nachfrage nach Exportgütern."

Tatsächlich ist der Dollar bereits in den vergangenen Tagen im Vergleich zum Euro gestiegen. Ein Euro kostete am Mittwoch 1,1739 Dollar.

Yellen warnt vor Bitcoin

Auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung warnte US-Notenbankchefin Janet Yellen Anleger vor der Digitalwährung Bitcoin. Der Bitcoin sei eine "hochspekulative Anlageform" und keine stabile Wertanlage. Im internationalen Zahlungssystem ist er laut Yellen unbedeutend - trotz der jüngsten Erfolge der Kryptowährung.

Yellens australischer Amtskollege Philip Lowe bezeichnete den Bitcoin am Mittwoch als "spekulativen Wahn". Als Zahlungsmittel sei er vor allem für diejenigen attraktiv, die Waren und Dienstleistungen im illegalen Bereich bezahlen wollten, sagte Lowe.

Die Zinsanhebung am Mittwoch war mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzte Zinsänderung der Federal Reserve unter der Regie von Notenbankchefin Janet Yellen. Zwar steht kurz vor ihrem Abtritt am 31. Januar bzw. 1. Februar nochmals eine zweitägige Sitzung des Offenmarktausschusses an. Zu dem Zeitpunkt wird jedoch keine Zinsänderung erwartet.

Anschließend übernimmt Jerome Powell den Vorsitz der US-Notenbank. Er war von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen und vom Senat bestätigt worden. Powell gilt als Vertrauter von US-Finanzminister Steven Mnuchin. An den Märkten wird deshalb darüber spekuliert, ob der Einfluss der US-Regierung auf die grundsätzlich unabhängig agierende Notenbank steigen könnte.

wal/mja/dpa



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
glise 13.12.2017
1.
Unabhängig? Unabhängig von was? Immerhin handelt es sich bei der FED um eine Privatbank. "Wenn das amerikanische Volk jemals privaten Banken die Kontrolle über das Ausstellen des Geldes gibt, werden die Banken und Unternehmen, die um sie herumwachsen, erst durch Inflation und dann durch Deflation, die Leute all ihres Besitzes berauben, bis ihre Kinder obdachlos erwachen auf dem Kontinent, den ihre Väter eroberten." (Thomas Jefferson (1743-1826), US Gründungsvater)
nach-mir-die-springflut 13.12.2017
2. Mr. Wrecking-Ball
Wenn sich die Konjunkturdaten verbessert haben, stellt sich die Frage, warum? Es gibt ja wohl nach wie vor die Aufgabe, die zivile Infrastruktur, von Straßen bis Schulen bis Brücken, zu sanieren, was Trump kaum in einem Jahr hinbekommen hat, und 46 Millionen Bezieher von Essensmarken sprechen auch weiterhin eine eigene Sprache, so auch die ungeklärte Situation mit der Krankenversicherung. Es scheint eher, dass der Konjunkturmotor weiterhin der Rüstungskomplex ist, und für dessen Aufträge die Feindbilder generiert und Krisen gemacht werden oder Kriege.
RenegadeOtis 14.12.2017
3.
Zitat von gliseUnabhängig? Unabhängig von was? Immerhin handelt es sich bei der FED um eine Privatbank. "Wenn das amerikanische Volk jemals privaten Banken die Kontrolle über das Ausstellen des Geldes gibt, werden die Banken und Unternehmen, die um sie herumwachsen, erst durch Inflation und dann durch Deflation, die Leute all ihres Besitzes berauben, bis ihre Kinder obdachlos erwachen auf dem Kontinent, den ihre Väter eroberten." (Thomas Jefferson (1743-1826), US Gründungsvater)
Sie ist mit Beteiligungen der Privatbanken versehen, wobei die Privatbanken keinen Einfluss haben. Ungefähr so als würde man dem Bäcker um die Ecke einen Einfluss auf die Höhe der Mehrwertsteuer unterstellen. Und ja, wenn man das meint, sollte man sofort den Bäcker enteignen, bevor er sie Steuern erhöht.
pnegi 14.12.2017
4. Bis zur letzten Patrone...
Nun hat also Frau Yellen ihren letzten Schuss abgefeuert. Und die Märkte haben herzhaft gelacht! Anstatt eines erwarteten Anstieg des Dollars stürzte dieser ab. Frau Yellen gab dazu den Märkten die Munition, die Aktien-Bonanza weiterhin laufen zu lassen. All die Spekulanten können nun beinahe risikofrei weiterzocken, denn sie haben begriffen, dass die FED nicht weiss, was sie tut. Und dazu noch Gefangene ihrer eigenen Instrumente ist. Zieht man dazu all die gigantischen Stützungskäufe der letzten Tage im Bond-Markt (von wem wohl? :-)) mit in Betracht, waren dies wohl die teuersten 0,25% in der Geschichte der USA. Und dann auch noch die Warnung vor dem BitCoin als "spekulative Anlageform"... Die Dame hat noch nicht begriffen, dass sie selbst (und Draghi und Mark Carney und all die anderen Zentralbänker) gerade die grösste je dagewesene "spekulative Anlageform" gebaut haben und am Laufen halten. Der BitCoin ist nur der Katalysator, der Zünder, welcher mit all den anderen Blasen gigantisch zur Explosion bringen wird.
hannesmann 14.12.2017
5.
Frau Yellen warnt vor dem Bitcoin? Selten so gelacht. Sie und die anderen Notenbanker haben doch die Währungen zur Ramschware verkommen lassen die in Billionenbeträgen zu 0% zur Verfügung gestellt werden und nun Anlagefelder suchen. Diese Notenbanker sind die Treiber für alle möglichen Blasen in den Vermögensmärkten. Da helfen auch keine homöopathischen Zinsanpassungen da die Überschussliquidität ja weiter in den Märkten fluktuiert. Wie der Devisenmarkt das einschätzt kann man an den aktuellen Kursen für den Dollar sehen. Abwärts. Die Minibeträge aus den fällig werdenden Anleihen die jetzt in den USA nicht wieder angelegt werden, werden durch die Beträge der BOJ und der EZB weit überkompensiert. Die Überschussliquidität wächst somit weiter an weltweit.
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