Fehlende Bewerber Tausende Lehrstellen bleiben unbesetzt

Die Entwicklung des Ausbildungsmarkts ist dramatisch. Immer mehr Betriebe können ihre Lehrstellen nicht mit Azubis besetzen, weil die Zahl der Schulabgänger in Ostdeutschland rapide abnimmt. Allein im Handwerk sind derzeit noch 15.000 Plätze zu vergeben.

Auszubildende bei Daimler: 227.800 neue Verträge im DIHK-Bereich
dpa

Auszubildende bei Daimler: 227.800 neue Verträge im DIHK-Bereich


Berlin - Unternehmer in Deutschland müssen sich zunehmend um die Zukunft ihrer Betriebe sorgen, denn der Nachwuchs droht künftig auszubleiben. Erste Warnsignale gibt es bereits jetzt: Allein im Handwerk sind gegenwärtig noch 15.000 Lehrstellen frei - obwohl das neue Ausbildungsjahr in vielen Firmen schon begonnen hat oder im September beginnt. "Junge Leute haben die große Auswahl. In allen Berufen gibt es noch freie Plätze", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, der "Bild"-Zeitung.

Die meisten Betriebe scheinen die schlechten Zukunftsperspektiven bereits im Blick zu haben. Seit Monaten versuchen sie mit Kampagnen ihr Image aufzupolieren - und bieten derzeit möglichst vielen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz an. Denn wer sich jetzt nicht um Azubis bemüht, wird auch später keine Chance bei jungen Leuten haben.

So konnte die Zahl der bis Ende Juli abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk zwar gegenüber dem Vorjahr um gut 1,8 Prozent auf nun rund 82.500 gesteigert werden. "Wir setzen zur Fachkräftesicherung vorrangig auf Ausbildung im Betrieb", sagte Handwerkspräsident Kentzler mit Blick auf die aktuelle Debatte um Zuwanderer. Auch in den meisten anderen Berufen konnte die Lehrstellenzahl bislang auf dem Vorjahresniveau gehalten werden. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) wurden bis Ende Juli rund 227.800 neue Ausbildungsverträge registriert, "ca. 50 mehr als im Vorjahresmonat", schreibt die "Passauer Neue Presse" unter Berufung auf DIHK-Zahlen.

In Ostdeutschland liegt das Minus bereits bei 3,6 Prozent

Der Ausbildungsmarkt zeige sich in robuster Verfassung, erklärte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Das Niveau des Vorjahresmonats sei erreicht, "und das bei deutlich rückläufigen Schulabgängerzahlen". Der Handwerksverband und der DIHK bilden gut 80 Prozent des deutschen Ausbildungsmarktes ab.

Doch die DIHK-Zahlen machen einen besorgniserregenden Trend deutlich: Während in Westdeutschland noch ein kleiner Zuwachs von 0,6 Prozent der Lehrstellen zu sehen ist, sinkt die Zahl der abgeschlossenen Verträge in Ostdeutschland mit einem Minus von 3,6 Prozent rapide.

Im Osten habe der Rückgang "bereits dramatische Ausmaße" angenommen, sagte auch DIHK-Präsident Driftmann. So verließen dort in diesem Jahr 13 Prozent weniger Jugendliche die Schulen als 2009. "Viele Unternehmen suchen hier händeringend nach qualifizierten Bewerbern." Insgesamt wurden in den alten Ländern 196.209 Verträge abgeschlossen, in den neuen 31.553.

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yes/apn/AFP/ddp



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Thyphon 05.08.2010
1. Armutszeugnis der Gesellschaft
Zitat von sysopDramatische Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: Immer mehr Betriebe können ihre Lehrstellen nicht mit Azubis besetzen, weil die Zahl der Schulabgänger in Ostdeutschland rapide abnimmt. Allein im Handwerk sind derzeit noch 15.000 Plätze zu vergeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710230,00.html
Ich hatte ja schon länger das Gefühl, dass vor allem die jungen Leute immer dümmer und immer mehr "assi" werden; jetzt gibt es offenbar die ersten Zahlen. Ich gebe dafür hauptsächlich der medialen Verdummung die Schuld. 80% aller Sendungen im Fernsehen sind eine Beleidigung für jeden halbwegs intelligenten Menschen.
senjo, 05.08.2010
2. Kaum vorzustellen
Ich kann mir schwer vorstellen, dass die unbesetzten Stellen vom mangelnden Interesse oder von mangelnden Schulabgängern kommt. Vielmehr glaube ich das zu wenig "mittel qualifizierte Schüler" den Arbeitsmarkt erreichen. Jemand mit Mathe 4, Deutsch 4 und das ganze von der Hauptschule will kein Betrieb haben. Genau so wenig wie ein 1er Abiturient einen solchen Handwerksbertieb will. Das ist ähnlich dem angeblichen Fachkräftemangel. Den gibt es auch nicht! Es gibt nur ein Mangel an Hochqualifizierten, Arbeitseifrigen und Erfahrenen Fachkräften, die auch für ein Hungerlohn arbeiten würden.
fleischwurstfachvorleger 05.08.2010
3. Und jetzt??
Zitat von sysopDramatische Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt: Immer mehr Betriebe können ihre Lehrstellen nicht mit Azubis besetzen, weil die Zahl der Schulabgänger in Ostdeutschland rapide abnimmt. Allein im Handwerk sind derzeit noch 15.000 Plätze zu vergeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710230,00.html
Herr Hundt wird jetzt bestimmt gleich wieder zum Jaulen beginnen und nach dem Staat rufen. Sollen sich doch die Betriebe einfach mal an die eigene Nase fassen und etwas flexibler werden. Da müssen sie eben schon sehr früh in die Schulen rein und entsprechend fördern und fordern. Es gibt genügend junge Menschen, die aber offensichtlich nicht den hohen Anforderungen der Wirtschaft genügen. Also Herr Hundt dann mal ran an den Knochen - jetzt sind Sie mal gefragt das Problem zu lösen.
xthalonx 05.08.2010
4. zu teuer
"Wie sie wollen Geld in der Ausbildung verdienen??" Dann doch lieber einen Praktikanten "einstellen".
der_pate 05.08.2010
5. zwingend
Es bestimmt an der sinkenden Zahl der Schulabgänger bzw. an deren Qualifikation. Andererseits wird versucht die Akademikerquote zu steigern, weil Deutschland angeblich zu wenige hat. Beim Zusammenspiel dieser Faktoren ist es geradezu zwingend, dass das Handwerk Nachwuchssorgen hat.
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