Deutsch-dänisches Großprojekt Bahn weist Prognosen über Kostenexplosion zurück 

Der geplante Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark bleibt Streitthema. Der Bundesrechnungshof hatte eine Kostenexplosion beim Bau der Schienentrasse des Bauprojektes angeprangert - die Bahn wehrt sich.

Visualisierung des geplanten Tunnels (Archiv)
Femern A/S

Visualisierung des geplanten Tunnels (Archiv)


Die Deutsche Bahn hat Prognosen des Bundesrechnungshofs über die Kosten der geplanten Fehmarnbeltquerung in Höhe von 3,5 Milliarden Euro dementiert. "Die im Bericht des Bundesrechnungshofs aufgestellten Kosten sind schlicht falsch und entbehren jeder Grundlage", teilte der Konzern mit. Die Kosten der Schienenanbindung lägen nach derzeitiger Planung bei 1,7 Milliarden Euro. "Zusätzlich sehen die Planungen einen Risikopuffer von 1,1 Milliarden Euro für etwaige Baukostensteigerung und noch nicht bekannte Risiken vor", hieß es.

Der Fehmarnbelt ist eine 18 Kilometer breite Wasserstraße in der westlichen Ostsee. Das Projekt sieht vor, sie mit einem Tunnel zu unterqueren. Die geschätzten Kosten von 7,4 Milliarden Euro für das eigentliche Bauwerk übernimmt Dänemark. Mit der Eröffnung wird nicht vor 2028 gerechnet. Auf deutscher Seite ist vor allem die Schienenanbindung kostspielig. So sollen 55 Kilometer neu gebaut werden, gebündelt mit der Trasse der Autobahn 1.

Schleswig Holsteins Ministerpräsident Günther hält am Projekt fest

Gegner des Projektes hatten in der Vergangenheit mehrfach die erheblichen Kostensteigerungen kritisiert. Bei Abschluss des Staatsvertrages zwischen Deutschland und Dänemark im Jahr 2008 zur Errichtung des Ostseetunnels, war Deutschland noch von Kosten in Höhe von 817 Millionen Euro für die Hinterlandanbindung ausgegangen.

Dieser Betrag bezog sich allerdings auf ursprüngliche Planungen, lediglich die bestehende eingleisige Bestandstrasse auszubauen. Anschließend war das Projekt erweitert worden, "insbesondere, um bei den von der Maßnahme Betroffenen die Akzeptanz zu erhöhen", wie der Rechnungshof schreibt. "Inzwischen sollen von den geplanten 88 Ausbau-Kilometern 55 Kilometer neu gebaut werden, gebündelt mit der Trasse der Bundesautobahn 1."

Der Rechnungshof war in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags von Kosten in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro ausgegangen. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland darüber berichtet.

Trotz der neuen Prognose des Rechnungshofs hält Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) an dem Bau fest. "Das Projekt ist und bleibt eines der bedeutendsten Infrastrukturvorhaben im Norden", sagte Günther. Dies sehe auch Dänemark so. "Es bleibt dabei, dass wir die neuen Möglichkeiten nutzen wollen, die sich aus dem Projekt ergeben."

Video zum Jahrhundertprojekt: Tunnel zwischen Dänemark und Deutschland

Femern A/S

flg/dpa-AFX

insgesamt 6 Beiträge
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collapsar 16.10.2019
1. Klimapolitik
Die Fehmahrnquerung könnte ein schönes Beispiel für einen tatsächlichen Sinneswandel in der staatlichen Klimapolitik sein. Durch Verzicht auf den Ausbau als Autobahnverbindung, ggf. gepaart mit einem weiteren Bahngleis. ließen sich einerseits die richtigen Prioritäten in der Verkehrspolitik verfolgen und gleichzeitig Kosten senken. Welches die tatsächlichen Prioritäten sind (bzw. nicht), erkennt man allerings schon an der Selbstverpflichtung zum 2%-Ziel für die Militärausgaben, speziell die fürs nächste Jahr anvisierten 50 Mrd im Verteidigungshaushalt. Sind ja nur ~6% plus ...
malcom1 16.10.2019
2. DB Projekt
Ich vertraue den Berechnungen des Bundesrechnungshof mehr als der Regierung. Siehe Stuttgart 21 oder Elbphilharmonie, Flughafen Berlin. Ist Deutschland wirklich nicht mehr fähig Großprojekte zeitgerecht und im finanziellen Rahmen durchzuführen?
Sensør 16.10.2019
3. kurzsichtige Projektplanung
Wie soll die Ferien- und Bauerninsel Fehmarn eigentlich entschädigt werden? Die wird doch quasi zerstört. Ausserdem gibt es schon jetzt kaum noch Fisch in der Ostsee, durch die jahrelang aufgewirbelten Sedimente dürfte die Ostsee in dem Bereicht quasi für Jahrzehnte tot sein. Zum Bohren des Tunnels sind die Dänen widerum zu geizig. Es mag auf den ersten Blick ein sinnvolles Projekt sein, aber es wird (wieder mal) versucht, dies per Holzammer durchzusetzen.
spontanistin 16.10.2019
4. Wo bleibt die Rendite?
Werden durch diese gigantischen Investitionen in Verkehrswege nun die Verbraucherpreise für die transportierten Güter für die Steuern zahlenden Verbraucher sinken? Oder werden mit dem Projekt die schmutzigen Abgase der Fähren definitiv abgestellt? Oder soll das Projekt nur das Verkehrsaufkommen weiter erhöhen und den Baufirmen gigantische Gewinne sichern? Was haben unsere Enkel davon? Wäre wünschenswert, dazu einmal belastbare Fakten zu erhalten.
Tolotos 16.10.2019
5. Es funktioniert da, wo fachliche Inkompetenz kein Karrierehindernis is
Zitat von malcom1Ich vertraue den Berechnungen des Bundesrechnungshof mehr als der Regierung. Siehe Stuttgart 21 oder Elbphilharmonie, Flughafen Berlin. Ist Deutschland wirklich nicht mehr fähig Großprojekte zeitgerecht und im finanziellen Rahmen durchzuführen?
Es ist in Deutschland leider etabliert, dass man staatliche Projekte einfach herunterrechnet, um sie leichter durchzusetzen. Anschließend tut man dann völlig überrascht, dass die Preise so "unerwartet" angezogenen haben. Das funktioniert, weil in Deutschland gilt, dass fachliche Inkompetenz für politische Spitzenfunktionäre kein Karrierehindernis sein darf. Siehe Scheuers PKW-Maut. In der Grundschule würde es heißen, "Sechs, setzen", wenn ein Schüler sich verpflichten würde etwas zu kaufen, bevor ein Gerichtsurteil gesprochen wurde, dass entscheidet, ob er es einsetzen darf, oder nicht.
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