Folgen der Weltfinanzkrise Anzahl der Länder mit Top-Bonität schrumpft dramatisch

Die globale Finanzkrise hat den Kreis der Länder mit der höchsten Kreditwürdigkeit erheblich verkleinert. Das Volumen entsprechender Staatsanleihen ist laut "Financial Times" um mehr als 60 Prozent geschrumpft. Profitieren können davon vor allem aufstrebende Schwellenländer.
New Yorker Börse: "Erhebliche Veränderung im Anlagemarkt"

New Yorker Börse: "Erhebliche Veränderung im Anlagemarkt"

Foto: Richard Drew/ AP/dpa

London - Investoren auf der Suche nach besonders sicheren Anlagen haben immer weniger Auswahl: Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 ist das Volumen der Staatsanleihen von Ländern mit Top-Bonität um mehr als 60 Prozent gesunken, wie eine Auswertung der "Financial Times" ergibt. Während zahlreiche führende Industrienationen von den Rating-Agenturen keine Spitzenbewertung mehr erhalten, konnten hingegen vor allem aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien ihre Kreditwürdigkeit erheblich steigern.

Insgesamt verringerte sich der Umfang der top-bewerteten Staatsanleihen laut dem Bericht seit 2007 von knapp elf Billionen auf nur noch vier Billionen Dollar . Hauptgrund für den dramatischen Schwund ist demnach die Herabstufung der weltgrößten Wirtschaftsmacht USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) im August 2011. Auch europäische Schwergewichte wie Großbritannien oder Frankreich erhalten von S&P oder den anderen Rating-Riesen Fitch und Moody's nicht mehr die Bestnote.

Die Entwicklung ist demnach Ausdruck einer erheblichen Veränderung im internationalen Anlagemarkt. So begünstigt diese Entwicklung Investitionen in Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika. Deren Bonität wird - von der Weltöffentlichkeit bislang weitgehend unbemerkt - inzwischen weit besser bewertet als noch vor einigen Jahren. Auch aufstrebende asiatische Staaten gehörten in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern in puncto Kreditwürdigkeit.

Euro-Krisenländer große Verlierer der Herabstufungen

Zudem zwinge der Mangel an top-bewerteten Staatsanleihen dem Bericht zufolge Investoren und Finanzaufsichtsbehörden dazu, ihre Kriterien für als besonders sicher geltende Anlagen zu überdenken. Zahlreiche Notenbanken bewerten etwa auch Anleihen herabgestufter ehemaliger Spitzenländer weiter als ausreichende Sicherheiten.

Der Auswertung der Zeitung zufolge sind vor allem die Krisenländer der Euro-Zone besonders stark von den Herabstufungen der Rating-Riesen betroffen - allen voran Griechenland, das sich seit Jahren nicht mehr auf den Finanzmärkten mit Kapital versorgen kann und dessen Anleihen seitdem auf Ramschniveau verharren. Im Gegensatz dazu konnten Uruguay, Bolivien und Brasilien ihre Kreditwürdigkeit am stärksten verbessern.

fdi