Sorge um Finanzstabilität IWF fordert schnelle Bankenunion in Europa

Der internationale Währungsfonds verliert die Geduld mit den europäischen Politikern. Die EU müsse einen klaren Plan für eine Bankenunion vorlegen, forderte der IWF. Durch die Schuldenkrise sei die weltweite Finanzstabilität in Gefahr.
Wolken über dem Frankfurter Finanzviertel: Ruf nach schneller Bankenunion

Wolken über dem Frankfurter Finanzviertel: Ruf nach schneller Bankenunion

Foto: Fredrik Von Erichsen/ dpa

Tokio - Fünf Jahre nach Beginn der weltweiten Finanzkrise sieht der Internationale Währungsfonds erneut die Stabilität des globalen Finanzsystems in Gefahr. Ein wichtiger Grund dafür ist nach Ansicht des IWF die Schuldenkrise in der Euro-Zone. Neben der schnellen Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen seien weitere Schritte nötig, um die Krise dauerhaft zu überwinden und eine Rezession zu verhindern, erklärte der IWF in seinem am Mittwoch veröffentlichten Bericht zur globalen Finanzstabilität.

"Die Verpflichtung zu einer klaren Roadmap für eine Bankenunion und Fiskal-Integration werden zur Wiederherstellung von Vertrauen, Umkehr der Kapitalflucht und Reintegration des Euro-Raums benötigt", erklärte der Leiter der IWF-Geldmarktabteilung, José Vinals. "Obwohl die Politik schon viele wichtige Schritte unternommen hat, bleibt die Agenda bedenklich unvollständig", hieß es weiter. Dies setze die Euro-Zone der Gefahr einer Abwärtsspirale bestehend aus Kapitalflucht, Ängsten vor einem Auseinanderbrechen des Euro sowie wirtschaftlichem Abschwung aus.

Schwindendes Vertrauen der Märkte habe in Europa bereits zu einer Kapitalflucht vom Rand in den Kern des Euro-Raums geführt, erklärte der IWF. Dies bedeute höhere Kreditkosten und eine wachsende Kluft zwischen reichen und armen Ländern. Ohne schnell greifende zusätzliche Maßnahmen könnte der zunehmende Druck auf Banken in Europa zu einem Guthaben-Rückgang von 2,8 bis 4,5 Billionen Dollar führen, warnte der Währungsfonds.

Deutschland kritisiert Pläne der EU-Kommission zur Bankenaufsicht

Die Warnung des IWF kommt mitten in der Diskussion über die künftige Bankenaufsicht in Europa. Diese gilt als wichtiger Schritt hin zu einer Bankenunion. Allerdings gibt es Streit zwischen Deutschland und der EU-Kommission. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäublenannte die bisherigen Pläne für eine europäische Bankenaufsicht völlig unausgereift. Der CDU-Politiker zweifelt zudem am geplanten Starttermin im Januar 2013.

Schäuble warnte insbesondere vor Interessenskonflikten der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine maßgebliche Rolle bei der Aufsicht spielen soll, obwohl sie zugleich für die Geldpolitik und Zinsentscheidungen zuständig ist. Der Starttermin für eine einheitliche Aufsicht für die Geldhäuser im Euro-Raum ist deshalb so wichtig, weil erst dann marode Banken direkt Nothilfe aus dem Euro-Rettungsfonds erhalten dürfen.

In seinem Bericht warnte der IWF auch vor den Gefahren einer Kreditklemme. Im schlimmsten Fall müssten die Großbanken der Euro-Zone ihre Bilanzen insgesamt zwischen 2,8 und 4,5 Billionen Dollar verkürzen. Die Kreditvergabe in den Krisenländern könnte dadurch bis Ende 2013 um 18 Prozent sinken und dort massive Einbrüche der Konjunktur auslösen - mit Risiken für das Weltfinanzsystem und das globale Wachstum.

IWF kritisiert Schuldenpolitik in USA und Japan

Neben der Krise in der Euro-Zone sieht der IWF auch Gefahren durch die hohen Staatsdefizite der USA und Japans. Das mindere das Vertrauen der Märkte. Bereits am Dienstag hatte der Währungsfonds vor einer globalen Rezession gewarnt. Neben der Euro-Krise machte er die US-Finanzpolitik für die pessimistische Prognose verantwortlich. Es sei nicht erkennbar, wie das Land mittelfristig mit den großen Haushaltsproblemen fertig werden wolle, kritisierte der IWF. Kurzfristig seien die USA sogar eine Gefahr für die Weltwirtschaft.

In seiner Prognose geht der IWF von einem langsamen Wachstum der Weltwirtschaft aus. Für 2012 erwarten die Experten ein Plus von 3,3 Prozent, 2013 werde die globale Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent zulegen. Das sind 0,2 beziehungsweise 0,3 Punkte weniger als der IWF noch im Juli vorausgesagt hatte. Für Deutschland wurde der Ausblick für 2013 um 0,5 Punkte auf 0,9 Prozent gesenkt.

mmq/Reuters/dapd
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