Finanzkrise So funktionieren Euro-Bonds

Die EU-Kommission hat ein Vorschlagpapier mit drei Varianten für Euro-Bonds präsentiert. SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die Modelle, ihre Vor- und ihre Nachteile.

Die EU-Kommission hat in Brüssel ein Vorschlagpapier mit drei Varianten für Euro-Bonds präsentiert. Die EU-Behörde will erst die Beratungen mit den Mitgliedstaaten und Finanzmarktexperten abwarten, bevor sie sich öffentlich zu einer Variante bekennt.

SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über die Modelle sowie ihre Vor- und Nachteile - und erklärt, warum Deutschland sich bislang gegen die gemeinsamen Anleihen sperrt.

"Alle haften für alle"

Das weitest reichende Modell der Kommission sieht vor, dass Gemeinschaftsanleihen die nationalen Staatstitel komplett ersetzen. Es gäbe europaweit einheitliche Anleihen und damit eine einheitliche Rating-Note. Die Euro-Länder könnten auf diesem Weg theoretisch unbegrenzt Kredite aufnehmen. Unabhängig von ihrem eigenen Anteil müssten die beteiligten Länder auch für Staaten einspringen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.

Der Vorteil des Modells: Das Vertrauen in Staaten mit hoher Kreditwürdigkeit wie Deutschland, die Niederlande, Österreich, Finnland und Luxemburg könnte das Misstrauen der Gläubiger gegen Krisenländer ausgleichen. Diese Gemeinschaftsanleihen wären deshalb wohl bei Kreditgebern sehr gefragt - auch weil der größte Anleihenmarkt der Welt entstünde. Die Gläubiger könnten darauf setzen, dass sie ihr Geld zurückbekommen - wer am Ende wie viel bezahlt, darüber müssten sich die Euro-Staaten untereinander streiten. Eine Europäische Schuldenagentur könnte die Einnahmen aus den Euro-Bonds an die Länder verteilen und die Zinsen für die Gläubiger von den Mitgliedsländern eintreiben.

Das Problem des Modells: Für starke Länder wie Deutschland bedeutet es ein hohes Risiko, weil die Länder unbegrenzt für die Schulden der anderen haften. Der Spardruck auf die Krisenländer könnte angesichts geringerer Zinsen sinken. Dank ihrer starken Partner bekommen sie günstiger Geld, ohne dafür im Gegenzug ihre Haushalte in Ordnung bringen zu müssen.

Um Haushaltssünder zu disziplinieren und die Kredite gerecht aufzuteilen, müsste die EU also strenge politische Regeln aufstellen. Dazu wären umfassende Vertragsänderungen notwendig. Das würde viel Zeit in Anspruch nehmen - für eine schnelle Lösung taugt dieses Modell also nicht.

"Jeder haftet voll für ein bisschen"

Das zweite Modell sieht Gemeinschaftsanleihen als eine Art Teilfinanzierung der Staatsschulden vor. Länder könnten weiter eigene Staatsanleihen begeben und zusätzlich Geld über Euro-Bonds eintreiben. Die Kreditaufnahme über die Gemeinschaftsanleihen wäre aber begrenzt: Die Menge könnte an die Haushaltsdisziplin der Länder geknüpft werden oder an eine bestimmte Obergrenze. Diese könnte etwa in der sogenannten Maastricht-Schuldenobergrenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bestehen. Jegliche Kreditaufnahme darüber hinaus, müssten die Staaten dann über eigene Anleihen decken.

Der Vorteil des Modells: Weil sie weiter nationale Anleihen begeben würden, wären die Länder motiviert, sich Vertrauen bei Investoren zu sichern und ihren Haushalt in Ordnung zu bringen. Weil alle Partner voll haften müssten, dürfte das Vertrauen von Investoren hoch sein und die Zinsen sinken.

Der Nachteil des Modells: Weil auch hier alle Euro-Länder voll für die Schulden haften, müssten die europäischen Verträge geändert werden. Die Bonds wären damit zunächst nur ein Signal an die Märkte, dass Europa beim Schuldenmachen enger zusammenrückt.

"Jeder haftet für sich"

Das dritte Modell würde auf mehr Eigenverantwortung der einzelnen Staaten setzen. Nationale Anleihen blieben bestehen, Länder könnten nur eine begrenzte Menge Geld über Gemeinschaftsanleihen aufnehmen. Im Gegensatz zum zweiten Modell würde jeder Staat zudem nur anteilsmäßig für die gemeinsamen Schulden haften.

Der Vorteil des Modells: Da jeder Staat nur bis zu einem bestimmten Anteil haftet, wäre keine Vertragsänderung nötig. Das Modell ließe sich schnell umsetzen. Weil Staaten durch nationale Anleihen weiter auf das Wohlwollen von Investoren angewiesen sind, bliebe die disziplinierende Wirkung durch die Märkte erhalten.

Der Nachteil des Modells: Das Modell würde wohl von allen drei Varianten am wenigsten Erleichterung bei Zinsen bringen. Denn die Idee, die Kreditwürdigkeit der einzelnen Euro-Staaten zu bündeln, um gemeinsam eine stärkere Position zu erreichen, ist in diesem Modell kaum verwirklicht. Die Haftungsbegrenzung senkt zwar das Risiko für die Partnerländer, doch bei den Investoren dürfte diese Einschränkung eher zu Misstrauen führen. Es würde wohl keine Bestnote beim Rating geben, die Renditen würden dementsprechend nicht so stark sinken. Stabile Länder wie Deutschland würden sich wohl kaum über solche Bonds finanzieren.