Kampf gegen die Finanzkrise Sparkommissare suchen Experten mit Griechisch-Kenntnissen

Die Troika zur Prüfung der Sparfortschritte in Griechenland kämpft nicht nur mit gigantischen Haushaltslöchern - sondern offenbar auch mit Sprachproblemen. Nach Angaben des SPIEGEL suchen die Kommissare dringend Experten mit Griechisch-Kenntnissen.

Fahnen der EU und Griechenland vor der Akropolis: Griechisch-Kenntnisse dringend gesucht
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Fahnen der EU und Griechenland vor der Akropolis: Griechisch-Kenntnisse dringend gesucht


Hamburg - Die Experten von Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank sollen die Sparfortschritte in Griechenland prüfen. Dabei scheitert die dringend benötigte Beratung weniger am Geld. Als Haupthindernis erweisen sich nach SPIEGEL-Informationen vielmehr mangelnde Sprachkenntnisse.

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Heft 43/2012
Die undurchsichtigen Methoden eines übermächtigen Konzerns

Die Troika ist überzeugt, dass Griechenland viel mehr ausländische Fachleute braucht, die vor Ort beim Aufbau moderner Strukturen helfen - etwa in der Finanzverwaltung oder bei der Wirtschaftsförderung. "Es gibt einfach nicht genügend Experten, die vernünftig Griechisch können", heißt es aus dem Troika-Umfeld.

Übersetzer allein könnten das Problem nicht beheben. Bereits jetzt hilft die sogenannte Taskforce der EU-Kommission Griechenland beim Aufbau einer modernen Verwaltung. Kritiker aus Kreisen der Troika sehen den Einsatz der Truppe allerdings zum Teil als "PR-Veranstaltung".

Schäuble denkt über Schuldenrückkaufprogramm nach

Die Finanzkrise in Griechenland beschäftigt weiterhin auch die deutsche Politik: Nach Angaben des SPIEGEL bereitet das Bundesfinanzministerium (BMF) von Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU) entgegen bisherigen Bekundungen ein Rückkaufprogramm für griechische Staatsanleihen vor. Dabei soll sich die griechische Regierung Geld beim ständigen Rettungsschirm ESM leihen, mit dem sie eigene Anleihen zum aktuellen Kurs zurückkauft. Im Schnitt rangieren die Papiere derzeit bei einem Kurs von 25 Prozent ihres Nennwerts.

Mit jedem geliehenen Euro könnten auf diese Weise vier Euro Altschulden vom Markt genommen werden. Mit einem Einsatz von zehn Milliarden Euro, so die Überlegungen des BMF, ließe sich die Altschuldenlast Griechenlands um 40 Milliarden Euro mindern.

Um diese Quote zu erreichen, sollen Gespräche mit den Investoren geführt werden, damit sie sich tatsächlich mit einem Viertel ihrer Forderungen abfinden. Nach der Operation, so die Hoffnung des Finanzministeriums, wäre Griechenland fast schon wieder in der Lage, sich selbst Geld an den Märkten zu besorgen.

insgesamt 81 Beiträge
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andreasl33 21.10.2012
1. mangelnde Englischkenntnisse
In der Tat wird hier ein weiteres strukturelles Problem Griechenlands und allgemein Südeuropas (auch z. B,. Süditaliens) offenbar: Mangelnde Englischkenntnisse in weiten Teilen der Bevölkerung bis hinauf in Spitzenpositionen. In den USA findet der Ausgleich in der Wettbewerbsfähigkeit und im lokalen Arbeitsplatzangebot nicht nur monetär statt, sondern auch durch die große Mobilität der Arbeitnehmer, die durch eine gemeinsame Sprache und Kultur erleichtert wird. Steigt irgendwo die Arbeitslosigkeit stark, weil eine Industrie niedergeht (z. B. Detroit), ziehen die Leute dorthin, wo es Arbeitsplätze gibt. Dieser Ausgleichsmechanismus begrenzt die vom Staat zu leistende soziale Unterstützung. Anders in Südeuropa: nur sehr wenige finden den Weg nach Nordeuropa, um dort zu arbeiten und die Sozialkassen Griechenlands zu entlasten.
FreeEurope 21.10.2012
2. Sprach-/Kulturbarrieren: Genau deshalb wird aus uns nicht die USE (United States of Europe)
Alles auf Brüssel zu zentralisieren wird dazu führen, das eine Zentrale fernab der Realität eben Realitätsfremde entscheidungen trifft. Grund hierfür ist die Heterogenität Europas: nicht nur die Sprachen sind unterschiedlich - auch die Kulturen und Wertvorstellungen. Aus diesem Grunde ist ein Europa der Regionen vorzuziehen, das möglichst dezentral seine Entscheidungen trifft!
mainzelmännchen 1 21.10.2012
3. Gebt ihnen die Drachme zurück...
...dann können sie wieder günstigen Urlaub anbieten in ihrem schönen Land samt Fehta-Käse und Oliven, brauchen keine neuen Staatsdiener zusätzlich zu den alten und brauchen kein Englisch. Sie werden dann halt ihr Wohlstandsniveau auf das vergleichbarer Länder zurückführen müssen wie etwa Rumänien, Bulgarien oder Tschechien, das wird sie zufriedener machen - und uns auch.
willlie 21.10.2012
4. Nix verstehn....
..."mangelnde Sprachkenntnisse" haben schon manchem Delinquenten aus der Patsche und zu mehr Zeit verholfen.
Litajao 21.10.2012
5. Schon lustig!
Zitat von sysopDPADie Troika zur Prüfung der Sparfortschritte in Griechenland kämpft nicht nur mit gigantischen Haushaltslöchern - sondern offenbar auch mit Sprachproblemen. Nach Angaben des SPIEGEL suchen die Kommissare dringend Experten mit Griechisch-Kenntnissen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/finanzkrise-sparkommissare-suchen-experten-mit-griechisch-kenntnissen-a-862511.html
Bereit vor Monaten habe ich mehrmals "nachgefragt", ob denn die Troika-Spezialisten genug griechisch können, oder ob sie von "vereidigten griechischen Übersetzern" BETREUT werden, die Ihnen auch die Bilanzen vom griechischen ins Englische übersetzen. Auch hoffte ich, dass die Blindenhunde der Troika-Leute richtig betreut werden, bei den "mehr als blinden Prüfungen der Troika-Jungs. Hielt dies eigentlich für einen bösen Scherz, aber die Realität holt einen immer wieder ein. Arme Troika-Leute, denn so dumm, wie sie sich geben müssen, sind die wahrlich nicht.
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