Finanzkrise Weltbank fordert mehr Kapital für Kredite

100 Milliarden Dollar haben die G-20-Staaten der Weltbank zur Verfügung gestellt, um Kredite an arme Länder zu vergeben. Nach Überzeugung von Weltbank-Präsident Robert Zoellick ist das aber viel zu wenig, um die Folgen der Finanzkrise zu bewältigen. Doch noch zieren sich die Geberländer.
Junge Viehhirten in Kenia: Wichtige Rolle bei der Konjunkturerholung

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Foto: A2800 epa Stephen Morrison/ dpa

Istanbul - Zur Bekämpfung der weltweit steigenden Arbeitslosigkeit infolge der globalen Finanzkrise braucht die Weltbank nach eigenen Angaben mehr Geld. "Angesichts dieser Krise haben wir uns zusätzliche Unterstützung verdient", sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick am Montag vor der zweitägigen Plenarsitzung von IWF und Weltbank, die am Mittwoch endet. Zuvor hatte er erklärt, wegen einer Rekordnachfrage armer Länder nach Krediten drohe Mitte nächsten Jahres ein "ernsthafter Engpass" bei der Darlehensvergabe. Vor allem reiche Länder, darunter die USA und Großbritannien, fordern jedoch Reformen der Weltbank, bevor sie mehr Mittel zur Verfügung stellen.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, stellte sich hinter Zoellick. Gelder der Weltbank seien für arme Länder "absolut entscheidend", deshalb sei es so wichtig, dass die Entwicklungshilfeorganisation zusätzliche Mittel erhalte.

Die 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) hatten bei ihrem Gipfel im April in London beschlossen, der Weltbank 100 Milliarden Dollar mehr zur Verfügung zu stellen, um armen Ländern zu helfen. Die Entwicklungshilfe-Institution schätzt jedoch, dass dies nicht ausreichen wird, um die Nachfrage zu befriedigen.

Geberländer skeptisch

US-Finanzminister Timothy Geithner sagte auf der Sitzung des gemeinsamen Entwicklungsausschusses beider Organisationen am Montag in Istanbul, Geber müssten sicher sein, dass zusätzliches Geld für die Weltbank "gut verwaltet und effektiv verwendet" würde. Reformen müssten ein größeres Maß an Transparenz schaffen. Ähnlich äußerte sich Großbritannien. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sagte, sie glaube nicht, dass die Weltbank derzeit mehr Geld brauche. Der Entwicklungsausschuss beauftragte die Weltbank, bis zum Frühjahr ihren künftigen Kapitalbedarf zu ermitteln.

Schwellen- und Entwicklungsländer drängen hingegen zur Eile. "Wir erleben hier keinen einmaligen Sprung der Nachfrage nach Hilfen der Weltbank, dies ist eine Änderung des Langzeittrends", sagte der indische Finanzminister Pranab Mukherjee. Sein indonesischer Amtskollege Sri Mulyani forderte die Weltbank-Mitglieder auf, sich so schnell wie möglich auf eine Kapitalerhöhung zu einigen.

Weltbank und Internationaler Währungsfonds ermahnten daneben die Gebergemeinschaft dringend, trotz knapper Kassen als Folge der Weltwirtschaftskrise ihre Hilfszusagen an arme Staaten einzuhalten.

Entwicklungs- und Schwellenländer spielten eine wichtige Rolle bei der begonnenen Konjunkturerholung und seien entscheidend für zukünftiges Wachstum, erklärte der Entwicklungsausschuss. Als Folge der Wirtschaftsmisere stünden Ende 2010 weltweit rund 90 Millionen mehr Menschen am Rande extremer Armut.

mik/AFP/dpa-AFX