Finanzmarkt-Reform USA wollen Gläubiger bei Bankpleiten zur Kasse bitten

Nicht mehr die Steuerzahler, sondern die Aktionäre sollen bei Pleiten von Finanzfirmen den Großteil der Kosten tragen. Solch eine Regelung hat die US-Einlagensicherung FDIC am Mittwoch vorgeschlagen. Experten gehen jetzt von höheren Kreditkosten aus.

Händler an der Wall Street: Bei künftigen Pleiten soll der Steuerzahler entlastet werden
dpa

Händler an der Wall Street: Bei künftigen Pleiten soll der Steuerzahler entlastet werden


Washington - In den USA sollen bei Pleiten von Finanzfirmen künftig nicht mehr die Steuerzahler, sondern die Gläubiger den Löwenanteil des Schadens tragen. Das sieht eine am Dienstag von der US-Einlagensicherung FDIC vorgeschlagene Regelung vor. Finanzriesen dürfen dann nicht mehr auf Rettungsaktionen des Staates hoffen. Nach der neuen Gesetzgebung kann die US-Regierung einzelne Institute als systemrelevant für das Finanzsystem bestimmen. Die FDIC hat die Befugnis, diese Konzerne bei einem Kollaps zu übernehmen und abzuwickeln.

"Aktienbesitzer und nicht abgesicherte Kreditgeber sollten verstehen, dass sie und nicht die Steuerzahler gefährdet sind", sagte die FDIC-Vorsitzende Sheila Bair. Das war unter anderem beim US-Versicherer AIG der Fall. Nach der Finanzkrise hatte der Konzern mit 180 Milliarden Dollar zu Lasten der Steuerzahler unterstützt werden müssen.

Wichtiger Pfeiler der Finanzmarkt-Reform

Die sogenannte "Resolution Authority" gilt als wichtiger Pfeiler der im Sommer beschlossenen Reform der US-Finanzmärkte. Mit ihr soll eine geordnete Liquidation großer Finanzinstitute ermöglicht werden. Sie ist Bestandteil des Dodd-Frank-Gesetzes, das nach seinen Autoren benannt wurde. Im Kern geht es darum, durch strengere Auflagen für die Branche eine Wiederholung der schweren Finanzkrise zu verhindern und die Bürger zu entlasten.

Die nun vorgeschlagene Regelung dürfte nach Einschätzung von Experten Auswirkungen auf das Kreditgeschäft der betroffenen Banken haben, denn die Gläubiger werden sich das gestiegene Risiko bezahlen lassen. "Die Kreditkosten dieser Institute werden steigen", sagte Anwalt Lawrence Kaplan von der Kanzlei Paul Hastings in Washington. Weitere Regelungen zu den erweiterten Befugnissen der FDIC werden Anfang nächsten Jahres erwartet.

dis/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
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Gandhi, 13.10.2010
1. Nicht nur die Aktionaere
Zitat von sysopNicht mehr die Steuerzahler, sondern die Aktionäre sollen bei Pleiten von Finanzfirmen den Großteil der Kosten tragen. Solch eine Regelung hat die US-Einlagensicherung FDIC am Mittwoch vorgeschlagen. Experten gehen jetzt von höheren Kreditkosten aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,722993,00.html
Wieso sollten die executive officers nicht auch zur Verantwortung gezogen werden? Nicht nur mit Geldstrafen, denn die sind in der Regel so niedrig, dass die Bankster das Risiko weiter eingehen.
sappelkopp 13.10.2010
2. Sollte...
...eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Schließlich sind es auch die Aktionäre, die von Dividenden profitieren.
wika 13.10.2010
3. Populistische Augenwischerei…
… zur Beruhigung der Meute, die ohnehin schon ziemlich ausgezehrt ist nach dem ersten Unfall, der beileibe noch keine Krise war … die kommt noch erst. Dann müssen sie sich in diesem Fall einfach mal die Eigenkapitalstrukturen der Banken ansehen oder auch hier ins KWG sehen und sich den Geld-Mach-Hebel etwas genauer betrachten. Sehr beruhigend hingegen ist, dass aufgrund dieser Maßnahmen die Kredite abermals teurer werden sollen und somit die Schröpfung der Masse nochmals verstärkt wird. Die Banken bekommen das Geld nach wie vor für 0,00% und können dann zwischen 4-20% damit generieren. Wobei die FED soviel Geld produziert wie die Banken wollen (egal ob altes oder neues Regelwerk). Sie dürfen also nochmals raten wer hier die Verar…ten sind. Setzen sie doch bei SPON mal einen ausgewiesenen BWL'er oder so an den Artikel, der ihnen auch diese Augenwischerei genauer vorrechnen kann. Es bleibt bei der stringenten Umverteilung von unten nach oben, nur eben dass jetzt die Geschwindigkeit nebst Geldmenge nochmals deutlich zunimmt. Da wo kein Geld ist, wird neues nicht wachsen und dort wo es sich türmt erleben wir Rekordgewinne im Quartalstakt. Und am Ende ist der normale Mensch schuld, weil er sich hungerleidend auflehnt und randaliert. Hätte wer etwas anderes erwartet? Zur allgemeinen Erheiterung und Hebung der Stimmung werfe ich hier noch die Tipps und Tricks zur professionellen Anlage in Humankapital durch den Ring: http://qpress.de/2010/07/03/humankapitalanlage-tricks-fur-profis/ Wer es dann immer noch nicht begriffen hat wie die Nummer ablaufen wird, der möge sich jetzt wieder schlafen legen, dabei hoffend, dass alles vorbei sein wird wenn er wieder erwacht. Man kann es alles kommen sehen, aber keiner setzt seine Blindenbrille dafür ab und unsere Medien schon gar nicht, die befassen sich ja bekanntermaßen auch mit "dem nach-richten" …
Gerixxx 13.10.2010
4. Völlig...
Zitat von sappelkopp...eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Schließlich sind es auch die Aktionäre, die von Dividenden profitieren.
...richtig !!! Siehe HRE - dieses elende Gejammer und dreiste Gezeter von wegen "Sozialismus" und "Verstaatlichung" - das EUR 1,xx Geschenk der unbeteiligten Steuerzahler an Aktionäre die ihrer Aufsichtspflicht gegenüber Vorstand/Unternehmen nicht nachgekommen sind - ergo im Pleitefall null hätten erhalten müssen - war eigentlich ein Skandal und Bruch elementarer marktwirtschaftlicher Spielregeln. Was aber an diesem neuerlichen Regulierungsversuch auffällt: Das eigentliche grösste Übel des Systemrisikos - was ja überwiegend in den unregulierten, inflationär emittierten und intransparent gehandelten und gebuchten Derivaten lag (und inzwischen mehr denn je wieder liegt !) wird nicht angegangen. Dazu müsste man entweder eine Transaktionssteuer auf Derivate einführen (eine Art Umsatzsteuer für Banken) oder die Kapitalanrechnung für Derivate (gegenwärtig sind das wenige Prozentpunkte) erheblich erhöhen um das damit einhergehende Systemrisiko adequat abzudecken. Damit würde auch die strukturelle Benachteiligung des - für die Firmen (den Mittelstand !) eigentlich wichtigen ! - traditionellen Kreditgeschäfts, was keine oder nur sehr geringe Systemrisiken mit sich bringt, für die Banken aber mehr Aufwand und geringere Renditen (merken sie was ? Mehr Rendite - mehr Risiko..) beseitigt werden Stattdessen wird von den Lobbyisten immer Panik verbreitet, das die Kosten die Kunden zahlen würden - was so nicht stimmt - stattdessen würden ein paar dieser Exzesse dann entweder für die Bank weniger attraktiv oder wenigstens adequate (System-)Risikovorsorge möglich, ohne dass der Staat pauschal die Risiken sozialisiert... Die dafür verantwortliche Lobby-Gruppe ist übrigens gerade für einen negative "Award" nominiert worden - siehe nachfolgenden link http://www.worstlobby.eu/de/
rabenkrähe 13.10.2010
5. Gerede
Zitat von sysopNicht mehr die Steuerzahler, sondern die Aktionäre sollen bei Pleiten von Finanzfirmen den Großteil der Kosten tragen. Solch eine Regelung hat die US-Einlagensicherung FDIC am Mittwoch vorgeschlagen. Experten gehen jetzt von höheren Kreditkosten aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,722993,00.html
........ Die US-Amerikaner reden viel und handeln nicht, beziehungsweise nur so, wie es der Wirtschaft gefällt. Das haben sie nun zur Genüge bewiesen und eher versenken sie ihr Wirtschaftsschiff, als daß sie eine sinnvolle Regulierung vornähmen. rabenkrähe
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