Finanzregeln Cameron verschont Banken bis 2015

Etappensieg für die britische Bankenlobby: Erst in vier Jahren soll der Finanzsektor reformiert werden. Ziel ist, das Privatkundengeschäft von den Risikosparten abzutrennen. Nun bleibt den Lobbyisten genug Zeit, die Pläne noch abzuschwächen.

Das Finanzviertel in London: Änderungen erst in vier Jahren
REUTERS

Das Finanzviertel in London: Änderungen erst in vier Jahren


London - Die britische Bankenlobby steht einem Bericht der "Financial Times" zufolge vor einem wichtigen Erfolg: Bis 2015 wird es für die Finanzinstitute Großbritanniens demnach keine weitreichenden Reformen oder Einschnitte in ihre Geschäftsfelder geben.

Premier David Cameron hatte eine unabhängige Expertenkommission beauftragt, den Finanzsektor neu zu ordnen. Zwar werde die Kommission am 12. September eine grundlegende Trennung des Privatkundengeschäfts von den mit hohen Risiken behafteten Sparten vorschlagen. Dafür sollen die Banken aber mehr Zeit erhalten als ursprünglich gedacht.

Damit haben die britischen Banken einen wichtigen Etappensieg errungen: Sie bekommen mehr Zeit, um sich auf die Änderungen einzustellen, und können gleichzeitig versuchen, die Regeln weiter zu entschärfen. "Dies würde uns mehr Zeit geben, um Löcher in die angedachten Mauern zu schlagen", zitiert die "Financial Times" einen Bankenvertreter.

Für Cameron ist dies Rückschlag, war er doch im vergangenen Jahr mit dem Plan angetreten, den mit Milliarden von Pfund geschützten Sektor weitreichend zu reformieren. Jetzt habe er laut "Financial Times" allerdings Sorge, dass er den Banken wegen der aktuellen Schuldenkrise keine zusätzlichen Lasten aufbürden könne. So lange die Gefahr bestehe, dass die Banken von der Schuldenkrise einiger Eurozonen-Staaten erfasst werden könnten, seien die Reformen zu riskant.

kpa/dpa



insgesamt 13 Beiträge
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liberator_ 02.09.2011
1. Überfälliger Schritt
Die Trennung zwischen Privatkundengeschäft (wenig Risiko und Rendite) und Spekulationsgeschäften (beides hoch) sollte international überall eingeführt werden. Damit wäre das Erpressungspotential der Banken gegenüber der Gesellschaft deutlich reduziert. Die Banken sind zwar nicht Urheber der aktuellen Finanzkrise, es handelt sich ja um einen Schuldenkrise, aber doch zumindest Nutznießer.
nataliadirks@gmail.com, 02.09.2011
2. Es verdichtet sich
alles: Die Griechische Regierung hat ihre Reformvorhaben ausgesetzt weil sie für 35 Jahre ihre Zinsen nun für 3,5% bekommt. Das heißt, weiter wie bisher. Der Rettungsschirm für die Bankenrettung ist schon jetzt wieder hinfällig weil zu gering. Berlusconi hat seine Reformvorhaben ebenfalls bis ins Unkenntliche verwässert und setzt auf die Griechenlandkarte. Die USA kommen aus dem Tal der Tränen überhaupt nicht mehr heraus, kein Licht am Ende des Tunnels. Die Deutsche Bundesregierung tappt in der Krise vollkommen im Dunkeln und kommt mit immer absurderen Ideen, wie die von Schäuble, dem Deutschen Parlament die Haushaltshoheit zu entziehen um "die Märkte" zu beruhigen. Die Briten haben ebensolche panischen Ängste ihren Finanzmarkt zu regulieren. Alle sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange, paralysiert, verschreckt, handlungsunfähig, und das Grenz und Kontinentalübergreifend. Das schlimmste Dilemma aber ist, selbst wenn die Politiker wollten, sie könnten längst nicht mehr das Ruder herumreißen, denn "Die Märkte"(Banken, Investmentjongleure, Versicherungen, Lobbiistenverbände) diktieren das Politische Geschehen in einem weitaus größerem Maße als die Politik mit ihren gewählten Volksvertretern das könnte. Es bleibt spannend.
peterhausdoerfer 02.09.2011
3. Da wäre ich mir mal nicht so sicher
Zitat von sysopEtappensieg für die britische Bankenlobby: Erst in vier Jahren soll der Finanzsektor reformiert werden. Ziel ist, das Privatkundengeschäft von den Risikosparten abzutrennen. Nun bleibt den Lobbyisten genug Zeit, die Pläne noch abzuschwächen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,784068,00.html
Der Druck auf die Finanzinstitute wächst und nähert sich den ehemaligen Maximalwerten von März 2009 in riesen Schritten. Vielleicht sind am Ende des Jahres alle Banken Englands in der Hand des bankrotten Staates.
helgeDerWeise 02.09.2011
4. Stimmt
Zitat von liberator_Die Trennung zwischen Privatkundengeschäft (wenig Risiko und Rendite) und Spekulationsgeschäften (beides hoch) sollte international überall eingeführt werden. Damit wäre das Erpressungspotential der Banken gegenüber der Gesellschaft deutlich reduziert. Die Banken sind zwar nicht Urheber der aktuellen Finanzkrise, es handelt sich ja um einen Schuldenkrise, aber doch zumindest Nutznießer.
Ich finde auch, dass Banken keine riskanten Geschäfte auf Kosten der Privatkunden machen dürfen....
wahrheit29 02.09.2011
5. Weiter so bis es knallt
Wie immer im Königreich haben die Banker gesiegt und können weiter machen bis zum bitteren Ende, heißt bis das Weltwährungssystem endgültig an die Wand gefahren ist. Bin mal gespannt was dann auf London's Stassen los sein wird.
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