Fischfangquote für die Ostsee Weniger Dorsch, mehr Hering

Die EU-Minister haben festgelegt, wie viele Heringe, Schollen oder Lachse im kommenden Jahr aus der Ostsee gefischt werden dürfen. Besonders lange wurde um den Dorsch gestritten - trotzdem gab es Kritik von Meeresschützern.

Ostsee-Heringe: Fangquote für 2016 gestiegen
DPA

Ostsee-Heringe: Fangquote für 2016 gestiegen


"Ich bin sehr besorgt über den Zustand des westlichen Dorschbestands", sagte EU-Fischereikommissar Karmenu Vella - und sprach von einem "harten" Treffen: In Luxemburg haben sich die für die Fischerei zuständigen EU-Minister getroffen, um über die Fischfangquote zu diskutieren. Sie verständigten sich unter anderem darauf, dass deutsche Fischer im kommenden Jahr 20 Prozent weniger Dorsch aus der Ostsee ziehen dürfen als 2015.

Damit einigten sich die Staaten aber auf höhere Mengen als von der EU-Kommission vorgeschlagen: Sie hatte für den westlichen Teil der Ostsee eine Verringerung um 35 Prozent vorgeschlagen und sich dabei auf den Rat von Wissenschaftlern gestützt, die Empfehlungen für eine nachhaltige Befischung erstellen. Die Bundesregierung sah durch einen solchen Einschnitt aber die Existenz der deutschen Fischer bedroht.

Die Debatte über den Dorsch zog die Diskussionen nach Angaben von mehreren EU-Diplomaten in die Länge, es wurde insgesamt zwei Stunden länger verhandelt als geplant. Immerhin sei anerkannt worden, dass der Bestand überfischt ist, sagte Vella. Mit "Bestand" ist eine Fischart in einem bestimmten Gebiet gemeint.

Weitere Ergebnisse des Treffens: Beim Hering erhöhen sich die Fangmengen im Großteil der Ostsee um neun beziehungsweise 18 Prozent; für den Golf von Riga beschlossen die Minister dagegen eine Senkung um zehn Prozent und für den Bottnischen Meerbusen zwischen Finnland und Schweden um 24 Prozent. Bei der Scholle darf von den Fischern in der Ostsee 18 Prozent mehr gefangen werden, beim Lachs bleiben die Mengen gleich und bei der Sprotte sinken sie um fünf Prozent.

Kritik von Meeresschützern

An die Fischer gerichtet sagte Vella: "Unser Einsatz für die Nachhaltigkeit der Fischbestände ist ein Einsatz zur bestmöglichen Sicherung Ihrer Zukunft."

Die Meeresschutzorganisation Oceana kritisierte jedoch, beim Dorsch seien die Fangmengen erneut "deutlich über einem nachhaltigen Niveau festgelegt". Damit könne die EU ihr selbst gesetztes Ziel nicht erreichen, bis spätestens 2020 in der Fischerei nachhaltig zu wirtschaften, sagte Oceana-Direktor Lasse Gustavsson. Er kritisierte insbesondere, dass die EU beim östlichen Dorsch wissenschaftliche Empfehlungen ignoriert habe. Dies bringe "die Bestände in tiefere Not".

Mehr Daten über Freizeitfischer gewünscht

Um die Folgen des russischen Importstopps für viele westliche Lebensmittel abzufedern, erhalten die Fischer wie schon in diesem Jahr die Erlaubnis, einen Teil ihrer Quoten auf das nächste Jahr zu übertragen. Ein Teil der Fangmengen für 2016 darf damit auf 2017 übertragen werden. Wie viel dies ist, hängt vom Bestand ab.

Die Tiere, die Freizeitfischer - vor allem Angler - aus der Ostsee ziehen, sollen weiterhin nicht auf die Quoten angerechnet werden. Allerdings sollen die Ostsee-Staaten nun Daten sammeln, um die Auswirkungen der Hobbyfischerei genauer zu bestimmen.

Von Bedeutung sind die Fischfangquoten vor allem für die europäischen Ostsee-Anrainer, also neben Deutschland auch Polen, die baltischen Staaten, Finnland, Schweden und Dänemark. Im Dezember stehen die stets noch deutlich kontroverseren Quotenverhandlungen zur Nordsee und zum Ostatlantik an.

aar/dpa/AFP



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