Fleißige Ministeriumsmitarbeiter Die Nebenjobs der Finanzbeamten

Tagsüber an Steuerparagraphen tüfteln und abends Vorträge halten: So sieht offenbar das Leben einiger Ministeriumsbeamter aus. Laut Auskunft der Behörde ging im vergangenen Jahr jeder zwölfte Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums einer Nebenbeschäftigung nach.

Bundesfinanzministerium in Berlin: Nach der Arbeit ins Clownstheater
AP

Bundesfinanzministerium in Berlin: Nach der Arbeit ins Clownstheater


Berlin - Wenn sich abends die Bürotür hinter ihm schließt, dreht so mancher Mitarbeiter erst richtig auf. So scheint es jedenfalls im Bundesfinanzministerium zu sein. Im Jahr 2010 hatte dort jeder Zwölfte einen Nebenjob. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor.

Dem Ministeriumsschreiben zufolge wurden die Beamten und Beschäftigten am häufigsten für Vorträge, Seminare, Fachaufsätze und Diskussionsrunden bezahlt. Unter den Nebenjobs der vergangenen Jahre waren aber auch Tätigkeiten in einem Clownstheater, einem Fitness-Studio, als Nageldesignerin und als Tauchlehrer.

Die Mitarbeiter mit Nebentätigkeit bekamen für Vorträge oder wissenschaftliche Aufsätze jährlich im Schnitt rund 2700 Euro, für alle anderen Jobs waren es den Angaben zufolge etwa 1400 Euro. Der höchste Zuverdienst lag bei 20.000 Euro im gesamten Jahr 2010.

"Einfallstor für Bestechlichkeit"

Kritik kam von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Lisa Paus. Die Antwort lege nahe, dass Experten des Finanzressorts in ihrer Freizeit Steuertipps geben. Das dürfe nicht sein.

Vorträge hielten Finanzressort-Mitarbeiter in den vergangenen Jahren beispielsweise für Anwaltskanzleien, die Versicherung Allianz oder die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

In anderen Ministerien war die Nebentätigkeitsquote dem Schreiben zufolge ähnlich, im Innenministerium waren es auch etwa 8 Prozent, im Arbeitsressort 6,4 Prozent. Höher waren die Werte in den Ministerien für Wirtschaft (10,3 Prozent), Justiz (12,1) und Umwelt (9,8).

Die Grüne Paus forderte mehr Transparenz. Nebenjobs könnten ein "Einfallstor" für Bestechlichkeit sein, sagte sie. Bei dem Jahres-Höchstbetrag von 20.000 Euro für den Nebenjob eines Mitarbeiters des Finanzministeriums habe sie aber "ein ungutes Gefühl", sagte Paus.

Vorträge bei Anwaltskanzleien seien fragwürdig. Es dürfe nicht passieren, "dass ein Beamter auf der einen Seite die Steuergesetze schreibt und auf der anderen Seite in Vorträgen erklärt, wo die Schlupflöcher in der Gesetzgebung liegen".

Allerdings hätten viele Nebenjobs für Beamte auch ihren Sinn: Wenn Juristen Kommentare zu Gesetzen in Fachzeitschriften publizierten, sei dies ein Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit und unproblematisch.

stk/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
B.Lebowski 16.10.2011
1.
Und was ist mit den Neben-Hauptbeschäftigungen der Politiker in Aufsichtsräten oder Ähnlichen Positionen? Von wegen Bestechligkeit... Da sind "kleine" Beamte doch wohl nur ein Ablenkungsmanöver.
w.r.weiß 16.10.2011
2. So so....
Zitat von sysopTagsüber an Steuerparagraphen tüfteln und abends Vorträge halten: So sieht offenbar das Leben einiger Ministeriumsbeamter aus. Laut Auskunft der Behörde ging im vergangenen Jahr jeder zwölfte Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums einer Nebenbeschäftigung nach. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792107,00.html
...zumindest müssen diese "Nebenverdienstler" ihre Nebentätigkeit anzeigen, offenlegen bzw. genehmigen lassen. Ob das wohl alle in diesem Land müssen?
Tolotos 16.10.2011
3. Bestechliche Beamte sind korrupt, bestechliche Politiker liefern eine Dienstleistung
Zitat von B.LebowskiUnd was ist mit den Neben-Hauptbeschäftigungen der Politiker in Aufsichtsräten oder Ähnlichen Positionen? Von wegen Bestechligkeit... Da sind "kleine" Beamte doch wohl nur ein Ablenkungsmanöver.
Beamte sind Untertanen! Die dürfen nicht bestechlich sein. Politiker sind Volksvormunde mit Gesetzgebungsmonopol. Bei denen ist dies Verhalten ein Besitzstand, und deshalb ist es eine ganz legale Dienstleitung und keine Bestechlichkeit.
saako 17.10.2011
4. hmm
na hoffentlich nicht bei Ernst & Young. die stehn bei mir schon lange unter sektenverdacht
Hääää? 17.10.2011
5. ...
Unterste Schublade dieser Artikel, populistisch und tendenziös.
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