GfK-Umfrage 44 Prozent der Deutschen erwarten höhere Arbeitslosigkeit

Der Zuzug Hunderttausender Flüchtlinge nach Deutschland dämpft offenbar die Konjunkturerwartungen der Verbraucher. Der Konsumklimaindex ging zum dritten Mal in Folge zurück. Viele Befragte fürchten steigende Arbeitslosigkeit.
Asylsuchende in Berlin: Effekte auf den Arbeitsmarkt

Asylsuchende in Berlin: Effekte auf den Arbeitsmarkt

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

Unter den Verbrauchern in Deutschland wächst offenbar die Sorge, durch die vielen Flüchtlinge könne die Arbeitslosigkeit hierzulande steigen. Diesen Schluss zieht jedenfalls das Marktforschungsunternehmen GfK aus seiner monatlichen Umfrage unter Verbrauchern.

Der GfK-Konsumklimaindex ging zum dritten Mal in Folge zurück. Für November prognostizierten die Marktforscher einen Stand von 9,4 Punkten - nach 9,6 Zählern im Oktober.

Der Index setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Während die Einkommenserwartungen der Verbraucher gleich blieben und ihre Anschaffungsneigung nur leicht zurückging, fielen die Konjunkturerwartungen zum fünften Mal in Folge. Erstmals seit Mai 2013 sei dieser Teilindikator unter seinen langjährigen Durchschnittswert gerutscht, teilte die GfK mit.

Viele Bundesbürger befürchteten, dass sich die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten verschlechtern werde, erklärten die Konsumforscher. So rechneten im Oktober etwa 44 Prozent der Befragten damit, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten steigen oder stark steigen wird. Im Juli habe dieser Anteil nur bei 22 Prozent gelegen. Mit einer sinkenden Arbeitslosigkeit rechneten hingegen nur noch zehn Prozent der Befragten - nach 25 Prozent im Juli.

Angesichts dieser stark gestiegenen Sorge vor mehr Arbeitslosen hat die GfK genauer nachgefragt: 70 Prozent derjenigen, die von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgehen, sehen demnach die wesentliche Ursache in dem "anhaltend starken und teilweise unkontrollierten Zustrom von Asylbewerbern". Von allen Befragten waren das also etwa 30 Prozent.

Die Forscher machen für diese Zahlen "auch die große Präsenz des Themas in den Medien" verantwortlich. Auf dem Arbeitsmarkt selbst sind die Auswirkungen bisher noch nicht zu spüren. Die Arbeitslosenzahl lag im September auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau von 2,7 Millionen.

Dennoch geht das Bundesarbeitsministerium davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen im kommenden Jahr steigen werden. Das liege daran, dass dann viele Flüchtlinge Bleiberecht erhielten und sich arbeitsuchend meldeten.

Die meisten Ökonomen gehen allerdings nur von einem leichten Anstieg der Arbeitslosenzahlen aus. "Wir erwarten eine anhaltend starke Konjunktur und allenfalls einen zeitlich begrenzten Anstieg der Sucharbeitslosigkeit", kommentierte Stefan Kipar von der BayernLB.

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stk/dpa/Reuters
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